Niger: Mädchenanteil an Schulen deutlich gestiegen

Sensibilisierungskampagne zahlt sich aus

Von Souleymane Maâzou | 17.05.2013

Niamey. Im westafrikanischen Niger sind in den vergangenen zehn Jahren dank erfolgreicher Sensibilisierungskampagnen wesentlich mehr Mädchen eingeschult worden als früher. An einigen Schulen sind Jungen inzwischen in der Minderheit. Die Regierung will zudem ein Gesetz verabschieden, das Mädchen unterstützen soll, ihre Schulbildung abzuschließen.

"2003 waren von den 150 Kindern in meiner Schule nur 15 Mädchen. Zehn Jahre später sind sie mit 103 gegenüber 72 Jungen in der Mehrheit", berichtet Ibrahim Sani, der seit 17 Jahren in Agadez im Norden von Niger unterrichtet. In der zentralen Region Tahoua ist der Mädchenanteil an den Schulen von 21 Prozent 2001 auf 45 Prozent 2011 gestiegen, wie die Aufsichtsbehörde für die Primarschulen berichtete. "Als ich 2003 in das Dorf Kollama kam, waren nur 29 der 113 Schüler weiblich. Heute sind es 87 von 137 Schülern", erklärt der Lehrer Salouhou Adou.

In vielen Ortschaften Nigers leisten Behörden, Lehrer, Eltern und Vertreter der Zivilgesellschaft gemeinsam Überzeugungsarbeit, um Eltern dazu zu bewegen, ihre Töchter einzuschulen. "Unser Engagement hat dazu geführt, dass in unserer Gegend die Gleichbehandlung der Geschlechter bei den Anmeldungen an den Schulen zugenommen hat", freut sich Hadiza Moussa aus Téssaoua im Süden des Landes. Den amtlichen Statistiken zufolge ist der Anteil der Mädchen in der Region von 21 Prozent im Jahr 2001 auf 45 Prozent 2012 angewachsen.

Auch der Händler Maman Zakari, einst ein erklärter Gegner von Mädchenbildung, setzt sich inzwischen für die Feminisierung des Bildungswesens ein. "Die öffentlichen Sensibilisierungskampagnen und Radiosendungen haben mich überzeugt, dass Schulbildung wichtig ist", bekennt er. Zwei seiner fünf Töchter drücken inzwischen die Schulbank.

Finanzielle Hilfen von UNICEF

Auch bei Taufen oder Hochzeiten wird für Mädchenbildung geworben. Unterstützung kommt vom Weltkinderhilfswerk UNICEF. "Frauen, die ihre Töchter zur Schule schicken, werden finanziell unterstützt, damit sie sich ein kleines Zubrot verdienen können", weiß Kadri Yacouba, der eine Primarschule in Maradi im Süden leitet. Auch für die Lehrer, die in den ländlichen Gebieten an der Sensibilisierungskampagne teilnehmen, gibt es Anreize.

Nach Angaben des Bildungsministeriums ist der Gesamtanteil der eingeschulten Mädchen in Niger von 29 Prozent 2001 auf 63 Prozent im Jahr 2011 gestiegen. Einige Gebiete wie Maradi brachten es im vergangenen Jahr sogar auf 70 Prozent. Dennoch ist die Bildungskluft zwischen den Geschlechtern weiterhin groß, denn auch der Anteil von Jungen an den Schulen hat zugenommen: von 36 Prozent 2001 auf 86 Prozent 2011. Experten führen dies nicht zuletzt auf die Vorurteile zurück, mit denen die Mädchenbildung behaftet ist.

"Viele Eltern fürchten, dass die Schule Mädchen aus dem Gleichgewicht bringt. Ihnen ist wichtig, dass ihre Töchter gute Ehefrauen und Mütter werden", erklärt Aboubacar Amadou, ein pensionierter Schulinspektor.

Land mit vorwiegend muslimischer Bevölkerung

Die Regierung will nun ein Gesetz verabschieden, das Mädchen helfen soll, ihre Schulbildung abzuschließen. Es sieht unter anderem vor, dass Männer, die eine Schülerin ohne vorherige Genehmigung heiraten, mit sechs Monaten Haft und einer Geldbuße von umgerechnet 1.000 bis 2.000 US-Dollar bestraft werden können.

Doch der Entwurf stößt in dem mehrheitlich muslimischen Land auf heftige Proteste. Aufgrund des massiven Widerstands soll es nun in zweiter Lesung beraten werden. Man müsse aus der Vorlage alles entfernen, was sich nicht mit dem Islam vertrage, meint Mamane Sani von der Nigerianischen Menschenrechtsorganisation. "Denn Gesetzesartikel, die Mädchen zum Ungehorsam ermutigen, könnten Eltern davon abhalten, sie an Schulen anzumelden." (afr/IPS)

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