Mosambik: Zwischen Mangel und Überfluss

Nachhaltiges Wassermanagement gefordert

Von William Mapote | 14.03.2013

Maputo. Die schlimmsten Überschwemmungen der letzten zwölf Jahre in Mosambik haben den Ruf nach einer landesweiten Debatte über die künftige Wasserpolitik des Landes laut werden lassen. Experten zufolge sind ein effektiver Katastrophenschutz und eine nachhaltige Entwicklung ohne ein bestandsfähiges Wassermanagement nicht möglich.

"Obwohl Mosambik Mündungsgebiet vieler regionaler Flüsse ist, muss noch viel getan werden, um die Potenziale dieses Wasserreichtums nachhaltig nutzen zu können", meint Patrício José von der Wasserabteilung der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC). "In den letzten Jahren hat Wasser mehr Schaden als Nutzen gebracht. Mosambik muss deutlich mehr für die Wasserentwicklung tun."

Etwa 54 Prozent des jährlich vorhandenen Oberflächenwassers von Mosambik kommt von außerhalb. Aufgrund seiner geographischen Lage sei das Land für Naturkatastrophen wie Überschwemmungen besonders anfällig, warnt die 'Global Water Partnership Africa', eine internationale Wassermanagementinitiative der Weltbank, dem UN-Entwicklungsprogramm und der schwedischen Entwicklungsbehörde SIDA.

In Mosambik ist Wasser Segen und Fluch zugleich. Im Jahr 2000 waren 2,5 Millionen Menschen von Überschwemmungen betroffen. In den vergangenen Monaten sind die Flüsse Limpopo, Save und Inkomati über ihre Ufer getreten. Ursache waren heftige Niederschläge in Mosambik, aber auch in Nachbarländern wie Südafrika und Simbabwe. Seit Oktober haben die Wassermassen in Mosambik 113 Menschen das Leben gekostet, weitere 250.000 wurden geschädigt.

Zu ihnen gehört Maria Filda. Einen Tag nach der Geburt ihres Kindes rissen heftige Niederschläge ihre Wellblechhütte nieder und schwemmten alles weg, was sie besaß. "Mit Ach und Krach konnten wir uns in Sicherheit bringen", berichtet sie. Mit ihrem Baby hat sie in einer Schule in Hulene fünf Kilometer von der mosambikanischen Hauptstadt Maputo entfernt Unterschlupf gefunden.

Mehr als 100.000 Überschwemmungsopfer

Das Nationale Institut für Katastrophenmanagement hat Zigtausende von Menschen in den am schlimmsten betroffenen Provinzen Maputo und Gaza evakuiert, 16 Schutzhäuser aufgebaut und die betroffenen Gemeinden mit Nahrungsmitteln, Decken, Trinkwasser und Medikamenten versorgt. Die meisten Opfer – 100.000 – befinden sich in Chihaquelane in Gaza. Ihre Versorgung stellt die Behörden vor immense Herausforderungen.

José zufolge zeigt die Zerstörungswut der Naturkatastrophe vor allem eines: den schlechten Zustand von Infrastrukturen und Dämmen. "Mosambik besitzt einige Dämme, doch sind die meisten ineffektiv bis wirkungslos", sagt er. Die Leitungen und Drainagesysteme seien nicht in der Lage, die Wassermengen aufzunehmen und abzuleiten.

Die Überschwemmungen vermitteln den falschen Eindruck, als sei Mosambik ein wasserreiches Land. Das ist nicht der Fall. Nach Angaben der UN-Umweltprogramms UNEP wird die Verfügbarkeit von Trinkwasser bis 2025 um die Hälfte zurückgehen.

Angesichts der drohenden Wasserkrise empfehlen Experten eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Sie kritisieren die Entscheidung der Regierung, ausländischen Investoren 250.000 Hektar Land in der Provinz Nissa im Norden des Landes für den Aufbau von Pinien- und Eukalyptusplantagen überlassen zu haben. Den amtlichen Plänen zufolge soll Mosambik zu Afrikas größten Lieferanten dieser Hölzer aufrücken. Umstritten sind die Projekte auch im Zusammenhang mit Landklau und Vertreibungen. Ihr enormer Wasserverbrauch ist nun ein weiterer Kritikpunkt.

In Mosambik variiert die Niederschlagsmenge von Region zu Region. Den Durchschnittswert für die Gebiete an der Küste gibt die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO mit 800 bis 1.000 Millimeter pro Jahr an, im Norden fallen zwischen 1.000 und 2.000 Millimeter Niederschlag.

Plantagen gefährden Wasserhaushalt

Nach Ansicht des Wasserspezialisten Álvaro Carmo Vaz besteht kein Zweifel daran, dass die Pinien- und Eukalyptusplantagen in der Provinz Niassa das Wassergleichgewicht stören werden. "Die schnellwachsenden und wasserintensiven Baumarten werden weniger Wasser für die Flüsse übrig lassen", warnt er.

"Wasser ist das Thema der Zukunft", betont Rui Miguel Ribeiro, Fachmann für Bewässerung und Drainage, der an der Eduardo-Mondlane-Universität in Maputo unterrichtet. Auch er ist der Meinung, dass die Pinien- und Eukalyptusplantagen in Niassa den Wasserhaushalt vor Ort durcheinander bringen werden und empfiehlt die Durchführung entsprechender Umweltverträglichkeitsstudien.

Charles Mchomboh, der Projektmanager des Unternehmens 'Chikweti Forests', das 100.000 Hektar Land für die Holzplantagen gepachtet hat, wiegelt ab. Es gebe keinerlei Anlass zur Sorge, versichert er. Die Firma will in Niassa jährlich sieben Millionen Bäume pflanzen und gehört damit zu den sechs größten Holzunternehmen vor Ort. (afr/IPS)

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