Mosambik: Kampf für Frauenrechte

Rapperinen preschen nach vorn

Von Thembi Mutch | 06.06.2013

Maputo. In Mosambik sind sie der ganze Stolz des Landes: die beiden Rapperinnen Yveth 'Vauvita' Matunza und Dama Do Bling. Während die eine hauptberuflich als Anwältin für die Mosambikanische Menschenrechtsliga arbeitet und ihren Master macht, ist die andere Vollzeitmusikerin und Mutter. Wie viele Musiker in dem ostafrikanischen Land nutzen sie ihre Kunst zur Kritik an den Mächtigen.

Die mosambikanische Verfassung, die derzeit einer Überprüfung unterzogen wird, ist in mehrerer Hinsicht exemplarisch. Sie garantiert die Gleichberechtigung von Frau und Mann und auch das Recht auf Bildung. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit sind ebenfalls darin festgeschrieben.

Doch eine stabile Demokratie braucht Künstler und Kritiker, so die Musikerin Lidia Sthembile Udenga Mate von der Frauenband 'Likute' kurz vor ihrem Tod im März gegenüber einem Frauenmagazin. "Die Künstler und Musiker sind die wichtigsten Stimmen der Gesellschaft. Wir spotten, wir halten anderen einen Spiegel vor, wir kritisieren, sind ehrlich und feiern."

Korruption beim Namen nennen

2010 hatte der mosambikanische Rapper Azagaia während der Brotrevolten korrupte Politiker beim Namen genannt. Das Land wurde von Protesten erschüttert, nachdem die Brotpreise stark gestiegen waren. Azagaia wurde bedroht und eine Nacht lang eingesperrt. Die internationale Presse hat seinen Fall erwähnt.

Es gibt noch viele andere Künstler, die Kritik an den Mächtigen üben, etwa wenn sie an illegalen Landverkäufen beteiligt sind. Wie Matunza scheinen sie zu einer neuen Generation von Mosambikanern zu gehören, die global denken, unerschrocken sind und soziale Netzwerke im Internet nutzen. Ihr Ziel ist es, auf die Probleme in dem südostafrikanischen Staat hinzuweisen.

Bereits als Kind sei sie von Musik besessen gewesen, berichtet Matunza. "Später waren mir vor allem Gerechtigkeitsfragen wichtig. Einen Konflikt zwischen meiner Arbeit als Anwältin und dem Rappen am Wochenende hat es nie gegeben."

Die 28-Jährige singt über Dinge, die die Menschen im Land betreffen: über Männer, die sich nicht um ihre Kinder kümmern, Menschenrechtsverstöße und politische Führer. "Meine Kritik ist indirekt, ich spreche in Rätseln", sagt sie. Ihr Vater war Bergarbeiter in Südafrika und brachte ihr Platten von Madonna und den südafrikanischen Sängerinnen Brenda Fassie und Yvonne Chaka Chaka mit, die sie stark beeinflusst haben.

Trotz der in der Verfassung verankerten Gleichheit der Geschlechter haben es die Frauen im Lande häufig sehr schwer. "Unsere Kultur betrachtet Frauen als untergeordnet. Ich spreche aus persönlicher Erfahrung, denn ich komme aus einer gewalttätigen Familie", sagt sie. "Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt ist seit September 2009 immer weiter gestiegen, obwohl das Parlament ein neues Gesetz verabschiedet hat, das im darauffolgenden März in Kraft trat." Matunza zufolge vermag Rap Meinungen zu verändern und für Verständnis zu werben.

Engagement für soziale Projekte

Der Musikproduzent und Musiker Paulo Chibanga, der in verschiedenen Bands spielt, ist nach 15 Jahren in Südafrika in seine Heimat zurückgekehrt. Zurzeit arbeitet er mit dem Frauen- und Sozialministerium zusammen, um mit Konzerten Gelder für Kindergärten in der mosambikanischen Provinz Gaza aufzutreiben.

Obwohl er 1979 mitten im Bürgerkrieg geboren wurde, hält Chibanga seine Generation für relativ unbelastet. "Wir sind mit unserer Vergangenheit verbunden, ohne von ihr zurückgezogen zu werden. Wir haben keine Ressentiments und kennen unsere Kultur. Wir sind frei und denken positiv."

Allerdings ist der Musiker der Meinung, dass die westliche Welt Afrika negativ beeinflusst. "Wir sind gezwungen, westliche Musik zu hören, wir haben weder eigene Plattenlabel noch die Möglichkeit, unsere Songs aufzunehmen." Chibanga ist nicht zuletzt deshalb daran interessiert, die mosambikanische Kultur und Musik mit Hilfe des panafrikanischen Festivals 'Bushfire' in Swasiland und des AZGO-Festivals in Mosambik zu exportieren.

Chude Mondlane ist die Tochter des Vorsitzenden der Mosambikanischen Befreiungsfront FRELIMO, Eduardo Mondlane. Die Musikerin ist ebenfalls nach Jahren im Ausland wieder in die Heimat zurückgekehrt und arbeitet mit bekannten Künstlern wie Marcus Miller, Roberta Flack und Abdullah Ibrahim zusammen.

Mondlane lobt einerseits das kulturfreundliche Klima im Land, kritisiert aber andererseits, dass es für die Kunst nicht genug finanzielle Unterstützung gebe. "Wir können nicht immer nur das sagen, was die Geber hören wollen", sagt sie und bezieht sich damit auf die zunehmende Abhängigkeit des Landes von auswärtigen Hilfen.

Solange Dos Santos, die einen Abschluss am 'New York Institute of Photography' vorweisen kann, hat gerade ihr erstes Fotostudio in Maputo eröffnet. "Ich war 1996 ins Ausland gegangen und finde es aufregend, jetzt zurückzukommen. Vieles hat sich verändert, es ist alles viel lebendiger und liberaler als früher", sagt sie.

Dos Santos hatte mit Unterstützung des UN-Entwicklungsprogramms UNDP Menschen mit Albinismus fotografiert. Die Bilder wurden in Afrika und in New York gezeigt. "Ich möchte, dass die Menschen die Menschlichkeit und Schönheit der anderen sehen", sagt sie. "Wir sind so sehr globalisiert. Ich kann ein traditionelles Wickelgewand oder Schuhe mit hohen Absätze tragen und trotzdem Feministin sein." (afr/IPS)

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