Mosambik: Frauen wollen der Armutsfalle entrinnen

Entschlossener Kampf gegen die Verheiratung von jungen Mädchen

Von Miriam Gathigah | 18.04.2016

Gaza. Der Tagesbeginn von Angelina Chiziane folgt einem genauen Ablauf. Erst hilft sie ihrem Mann, damit er rechtzeitig zur Arbeit kommt. Dann macht sie sich auf den Weg zu einem drei Kilometer entfernten Bach, wo sie Wasser holt und Feuerholz sammelt. Nach ihrer Rückkehr bereitet sie ihren beiden Kindern Frühstück zu. Dann bindet sie ihr Jüngstes auf den Rücken und geht aufs Feld.

Dank 'Table Banking' hat es Irene Tuwei aus dem Rift Valley in Kenia zu bescheidenem Wohlstand gebracht (Bild: Miriam Gathigah/IPS).

Chiziane ist erst 17 Jahre alt, aber ihr Leben ist in Mosambik alles andere als ungewöhnlich. Statistiken der Frauenorganisation Fórum Mulher zeigen, dass in dem südostafrikanischen Land die Hälfte aller Frauen vor ihrem 18. Geburtstag heiratet. 14 Prozent treten sogar in den Ehestand, bevor sie ihr 15. Lebensjahr vollendet haben.

Fórum Mulher kämpft für eine Gleichstellung von Frauen in allen gesellschaftlichen Belangen in Mosambik. Für die Direktorin der Organisation, Nzira de Deus, spielt dabei eine entscheidende Rolle, dass mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. "Mächtige Frauen können die Situation von Frauen in Mosambik deutlich verbessern", sagt de Deus.

Einfluss von Frauen in der Politik wächst

Im März dieses Jahres präsentierte Forum Mulher eine Studie über die Situation von Frauen in Mosambik. Die Untersuchung bestätigt, dass es bis zu einer völligen Gleichstellung der Geschlechter noch ein weiter Weg ist. Nur in politischen Funktionen war in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg von Frauen festzustellen: So waren im Jahr 2014 fast ein Drittel aller Ministerposten mit Frauen besetzt, 2003 waren es nur 15 Prozent gewesen.

Abseits der Politik steckt die Gleichberechtigung von Frauen aber noch in den Kinderschuhen. Obwohl Mosambik zu den afrikanischen Ländern mit den höchsten Wirtschaftswachstumsraten zählt, arbeiten die meisten Frauen in der Landwirtschaft. Dadurch sind Frauen auch viel häufiger von extremer Armut betroffen als Männer.

Für Nzira de Deus liegt ein wesentlicher Grund für die schlechte soziale Lage von Frauen vor allem darin, dass sie oft schon im Mädchenalter verheiratet werden. "Die Bekämpfung dieser Praxis hat für uns höchste Priorität. Wenn Mädchen aufgrund der Ehe die Schule verlassen müssen, blieben sie arm, und auch die Kinder werden kein besseres Leben als ihre Eltern haben."

Erfolgreiches 'Table Banking' in Kenia

Auch der kenianische Sozialexperte Dan Mwangani betont, dass die Bekämpfung der extremen Armut in Mosambik und in anderen afrikanischen Ländern Hand in Hand mit der Gleichberechtigung der Geschlechter gehen muss. "Wir haben eine Riesenanzahl von Frauen in Mosambik, denen Bildung verweigert wurde", sagt der Experte. "Daher sind Frauen heute in Entscheidungsprozessen unterrepräsentiert."

Wie Frauen der Armut entrinnen können, erklärt Mwangani anhand eines Beispiels aus Kenia. Dort hat die NGO Joyful Women Organisation (JoyWo) mehr als 200.000 Frauen zu einem besseren Leben verholfen. 'Table Banking' heißt das einfache aber erfolgreiche Rezept von JoyWo: Dabei treffen sich im ganzen Land Frauengruppen, die jeweils zwischen 15 und 35 Mitglieder umfassen. Die Mitglieder legen ihre Ersparnisse auf einen Tisch, die von dort in einen Fonds wandern. Aus diesem Fonds werden verzinste Darlehen für andere Mitglieder zur Verfügung gestellt.

Die 42-jährige Irene Tuwei aus dem Rift Valley in Kenia ist durch 'Table Banking' zu einem bescheidenen Vermögen gelangt. Nach einem Unfall im Kinderalter und einer Polio-Erkrankung war sie dem Alkohol verfallen. Nun ist sie stolze Besitzerin eines Autos sowie von mehreren Kühen, Schweinen und Hühnern. "Frauen können mit wenig Geld viel erreichen", sagt Tuwei. "Meine erste Einlage waren nur zwei US-Dollar für ein ganzes Monat. Mittlerweile habe ich aber schon 1.000 US-Dollar in nur vier Jahren angespart." (afr/IPS)

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