Mosambik: Erdnüsse als Geschäftsmodell

Knabbereien für Fluggäste von 'Linhas Aéreas'

Von Johannes Myburgh | 12.06.2012

Maputo. Lucia Bebane hat es geschafft: Die mosambikanische Luftfahrtgesellschaft 'Linhas Aéreas' serviert ihren Passagieren das Markenerzeugnis ihres Kleinunternehmens: geröstete Erdnüsse in unverwechselbar orangenfarbenen Tütchen mit dem Produktnamen 'Ndoiiim'.

Mit ihrem Kleinunternehmen hat sich die 54-Jährige ungeachtet aller Schwierigkeiten in dem wirtschaftlich schwachen Mosambik eine Marktnische erobert. Sie lässt, anders als die Konkurrenz, einheimische Erdnüsse in ihrem fast voll mechanisierten Betrieb verarbeiten und verpacken. Die Produktionsmaschinen mussten aus dem Ausland importiert werden.

Dass sie die nationale Fluglinie von ihrem Geschäftsmodell überzeugte und jetzt mit ihrem Produkt beliefern kann, ist ein bemerkenswerter Erfolg, der Bebane drei Jahre nach der Betriebsgründung zur Ausweitung ihres kleinen Unternehmens ermutigt.

In dem südostafrikanischen Land, in dem nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 54 Prozent der über 20 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze leben, werden bis zu 70 Prozent des bescheidenen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von kleinen und mittleren Unternehmen erwirtschaftet. 2010 lag das jährliche Pro-Kopf-BIP bei 423 US-Dollar. Doch die geringe Produktion wirft kaum Gewinne ab.

In ihrem kleinen Büro, in dem das Wummern der im Nebenraum laufenden Röstmaschine zu hören ist, berichtete Bebane IPS: "Anfangs schien mein Plan kaum durchführbar, denn bislang hatte niemand so etwas versucht. Ich hatte zwar jede Menge Ideen, doch damit in den Markt einzusteigen, war für mich ein enormes Risiko. Ich hatte keine Familie, die für die teuren Bankkredite bürgte, und musste mein Haus belasten."

Inzwischen bringen Lkw frische Erdnüsse aus dem 1.400 Kilometer entfernten Nampula im Norden des Landes zu ihrer Produktionsanlage in der Hauptstadt Maputo. Bebanes drei fest angestellte Mitarbeiter sortieren sie aus. Der weitere Produktionsablauf, das Rösten, Aromatisieren und Verpacken, wird maschinell abgewickelt. Obwohl sie Linhas Aéras als Festkunden gewinnen konnte, hat die Geschäftsfrau immer noch Mühe, ihre Rechnungen zu begleichen. Auf Gewinn wartete sie vorerst vergebens.

Strukturelle Startprobleme

Die erfolgreiche Umsetzung von Geschäftsideen kleiner und mittlerer Unternehmen stößt in Mosambik immer noch auf vielerlei Hindernisse. Die in anderen Ländern üblichen Voraussetzungen fehlen. Die industrielle und allgemeine Infrastruktur ist mangelhaft. Es gibt keine Straßen, die Fabriken mit den Märkten verbinden, die Stromversorgung fällt häufig aus, und Maschinenfabriken gibt es nicht.

Entscheidend ist jedoch nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers João Mosca von Mosambiks Pädagogischer Universität "das Fehlen eines traditionell auf Leistungsfähigkeit ausgerichteten unternehmerischen Geistes, den moderne Unternehmen benötigen".

Obwohl Mosambiks Wirtschaftswachstum 2011 um 7,3 Prozent zulegte, konnten die Unternehmen damit nicht Schritt halten. "Sie sind im Allgemeinen wenig modernisiert. Und weil sie nicht gewohnt sind, sich in einem auf Wettbewerb ausgerichteten Klima zu behaupten, sind sie selbst nicht kompetitiv", kritisierte Mosca.

"Nach seiner Unabhängigkeit (1975) wurde Mosambik sozialistisch regiert. Erst in den späten 80er Jahren konnten sich Unternehmer in bescheidenem Maße entwickeln. Doch die Politiker waren die ersten, die privatisierte Betriebe für einen oft symbolischen Preis aufkauften. Sie haben sich zu wirtschaftlichen Interessengruppen zusammengeschlossen, setzen dank ihrer guten politischen Beziehungen für sie vorteilhafte Gesetze durch und haben keine Schwierigkeiten, sich Kredite zu verschaffen", stellte Mosca fest.

Der Kleinunternehmerin Bebane fehlten solche Netzwerke. Sie musste den Fallen eines auf Korruption und Vetternwirtschaft basierenden Systems ausweichen und versuchen, ihren Betrieb mit selbst beschafftem Geld ans Laufen zu bringen.

Herausforderungen

"Es bleibt viel zu tun, um zu erreichen, dass private Kleinunternehmen Geld verdienen und dazu beitragen, die Menschen aus der Armut zu bringen", erklärte Mosca. "Das Geschäftsklima muss besser werden, die Kosten für Kredite müssen sinken." Auch ist es ein Muss, die Korruption einzudämmen und für eine qualifizierte Ausbildung von Arbeitskräften zu sorgen." Es wäre zudem hilfreich, sich mit ausländischen Unternehmen zusammenzuschließen, um im Land zu einem unternehmerischen und wettbewerbsfähigen Kapitalismus zu kommen, meinte der Wirtschaftsexperte.

Diesen Weg hat Bebane bereits eingeschlagen. Sie sucht jenseits der Landesgrenzen nach einem Geschäftspartner, der ihr auf ihrem Erfolgskurs weiterhilft. "Ich renne mir die Hacken ab und halte in China und Brasilien Ausschau nach einem verlässlichen dauerhaften Partner", berichtete sie. (afr/IPS)

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