Mosambik: Bürgerjournalisten als Aufklärer

Progressive Medien treiben Informationsfreiheit voran

Von Thembi Mutch | 09.07.2013

Maputo. Im Zentrum von Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, kleben an den Mauern Seiten der lokalen Zeitung 'Verdade' (Wahrheit). Männer und Frauen jeden Alters bleiben stehen, um die Nachrichten zu lesen. 'Verdade' erscheint einmal wöchentlich und ist eine der fantasievollsten und progressivsten Publikationen in dem südafrikanischen Land.

Neben der Druckausgabe, die 32 Seiten umfasst, gibt es eine Website und eine App für Mobiltelefone. Auch in sozialen Internet-Netzwerken wie Facebook und Twitter ist das Blatt präsent. Die Artikel entstehen nicht in einer Redaktion, sondern jeder interessierte Bürger kann selbst in die Tasten greifen. Die Informationen werden von Lesern online überprüft und gegebenenfalls korrigiert.

Zur Zahl der Internetnutzer in Mosambik gibt es bisher keine Statistiken. Schätzungen zufolge könnte etwa ein Prozent der Bevölkerung in der Lage sein, durch das Internet zu surfen. Doch viele Menschen, vom Taxifahrer bis zum Ladenbesitzer, haben Mobiltelefone, über die sie ihre Beobachtungen per SMS an das Büro von Verdade in Maputo senden.

Bis vor vier Jahren dominierte noch die staatliche Zeitung 'Noticias' den Medienmarkt in Mosambik. Nachrichten waren früher kaum mehr als Propaganda. Vor den Regionalwahlen im kommenden Herbst und den nationalen Wahlen 2014 rückt aber die Informationsfreiheit immer mehr in den Fokus.

"Dies werden die ersten Wahlen sein, bei denen über das berichtet wird, was tatsächlich hier im Land passiert", sagt der Chefredakteur von Verdade, Adérito Caldeira. "2008 standen wir erst am Anfang und vermeldeten nur die Wahlergebnisse. Nach fünf Jahren sind die Medien jetzt aber ein Instrument für den Wandel und für die Entwicklung des Landes geworden."

Zeitungsmacher wollen Wahlen überwachen

Das Verdade-Team wird darauf achten, ob die Wahllokale geöffnet sind, die Wähler wissen, wie sie ihre Stimme abgeben können, und die Ergebnisse verlässlich übermittelt werden. Damit der Urnengang Wirkung zeigt, müssen die Menschen aber schon im Vorfeld über die Probleme im Land und die Zielsetzungen der Parteien im Bilde sein.

Mosambik erstreckt sich über mehr als 800.000 Quadratkilometer und ist damit fast doppelt so groß wie das Nachbarland Simbabwe. Die Verbreitung von Nachrichten wird dadurch zu einer großen Herausforderung. Erschwerend kommt hinzu, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung weder lesen noch schreiben können. Und nur zehn Prozent der Einwohner sind an das Stromnetz angeschlossen, wie das UN-Entwicklungsprogramm UNDP mitteilte.

Laut dem 'Media Institute of Southern Africa' (MISA) ist der freie Zugang zu Informationen in Mosambik bisher rechtlich nicht eindeutig geregelt. Dadurch werde die Glaubwürdigkeit des Staates geschmälert und der Weg zur Sicherung weiterer Grundrechte versperrt, beanstandet das Medieninstitut.

Unter Führung von MISA versuchen seit sieben Jahre mehr als 20 zivilgesellschaftliche Gruppen, das Parlament zur Annahme eines Gesetzes über Informationsfreiheit zu bringen. Wie das Institut hervorhebt, wird das Gesetz "dem Staat ermöglichen, die Stimme des Volkes in den Entwicklungsprozess einzubringen". Allen Mitgliedern der Gesellschaft und insbesondere den Randgruppen soll damit eine Mitsprache garantiert werden.

"Das Gesetz wird den Zugang zu staatlichen Dokumenten ermöglichen. Das ist ein Schritt vorwärts auf dem Weg zur Abschaffung des zentralistischen sozialistischen Staates", sagt der Anthropologe Luka Mucavele. "Der Erfolg eines solchen Gesetzes wird aber natürlich davon abhängen, ob die Menschen ihr Recht auf Informationen kennen und die Zeit haben, davon Gebrauch zu machen."

Yveth Matunza, die als Rechtsanwältin für die Mosambikanische Menschenrechtsliga arbeitet und in ihrer Freizeit rappt, zeigt sich besorgt. "Identität und Information stehen miteinander in Verbindung. In Mosambik haben wir eine beispielhafte Verfassung, doch die meisten Leute kennen ihre Rechte nicht. Und die Nachrichten sind parteiisch."

Aktivisten dringen auf Gesetz über Informationsfreiheit

Wie Matunza kritisiert, ist nicht einmal bekannt, wann das Gesetz über Informationsfreiheit in Kraft treten soll. Selbst wenn es verabschiedet würde, zweifelt die Juristin daran, dass sich tatsächlich etwas ändern würde.

Das Gesetz enthält Klauseln, die die nationale Sicherheit oder die Geheimhaltung von Handelsinformationen hintenan stellen, sobald die Gesundheit der Bevölkerung, die Umwelt oder die Menschenrechte in Gefahr geraten.

In dem Land gibt es vier unabhängige Zeitungen, zahlreiche Buchhandlungen, Cafés und Ausstellungsräume, etwa im Französischen Kulturinstitut. Das Geschehen spielt sich jedoch ausschließlich in der Hauptstadt Maputo ab. Mucavele sieht daher großen Bedarf, auch die Bevölkerung in ländlichen Gebieten vor den Wahlen gezielt mit Nachrichten zu versorgen.

Joaquim Chissau, Chefredakteur der privaten Zeitung 'Zambeze' findet es sehr wichtig, die nationale Identität zum Ausdruck zu bringen. Seit der Journalist Carlos Cardoso, der betrügerischen Machenschaften der Regierung auf der Spur war, im Jahr 2000 vor seinem Haus erschossen wurde, hat die Debatte über Informationsfreiheit nach Ansicht von Chissau gewaltig an Schwung gewonnen. (afr/IPS)

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