Mosambik: Beira droht der Untergang

Masterplan soll Hafenstadt vor den Folgen des Klimawandels bewahren

Von Andrew Mambondiyani | 08.04.2016

Beira. Wirbelstürme, Sturmfluten, steigender Meeresspiegel - der Klimawandel bedroht die Existenz der zweitgrößten Stadt von Mosambik, Beira. Viele der mehr als 400.000 Einwohner wollen weg. Die Stadtverwaltung arbeitet mit einem niederländischen Unternehmen an einem Masterplan, der Beira retten soll. Doch die Umsetzung, die u. a. die Übersiedlung von 120.000 Menschen beinhaltet, kostet viel Geld.

Überflutungen in BeiraIm März wurden durch die Überflutungen ganze Viertel vom Rest der Stadt abgeschnitten (Andrew Mambondiyani/IPS).

"Das Meer wird uns alle bei lebendigem Leib verschlucken", sagt Joaquim Zimazi aus dem Stadtteil Ponta Gea. Das Viertel liegt direkt am Meer. Zimazi erzählt, dass sein Haus im letzten Jahr von einer gewaltigen Meereswelle weggespült wurde. Wie viele andere auch, hat er versucht, sein Hab und Gut mit Sandsäcken zu schützen. Doch die einfachen Barrieren hielten dem Druck des steigenden Meeresspiegels nicht stand. Schätzungen sprechen davon, dass in den nächsten zehn Jahren 55.000 Menschen in Beira ihre Unterkünfte ans Meer verlieren werden.

Überflutungen schneiden ganze Stadtviertel ab

Für Experten trägt der Klimawandel die Hauptschuld an der bedrohlichen Situation. Beira war Ende des 19. Jahrhundert von den Portugiesen für eine Einwohnerzahl von 30.000 Menschen errichtet worden. Heute liegt die Bevölkerungsanzahl bei über 400.000 Einwohnern. Die meisten Bewohner leben in schlecht geplanten Siedlungen, die sich bei Unwettern wenig robust erweisen.

Erst im März haben schwere Regengüsse ganze Viertel überflutet und vom Rest der Stadt abgeschnitten. Die Wassermassen brachten Latrinen zum Überlaufen, so dass wertvolle Trinkwasservorräte verseucht wurden. Die ohnehin schon miserable sanitäre Versorgung wurde in den dicht besiedelten Stadtvierteln weiter verschlechtert.

Kerry Emanuel ist Professor für Atmosphärenforschung am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA. Gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Industrial Economics hat er 2013 einen Bericht über die Bedrohung von Beira durch tropische Wirbelstürme veröffentlicht. Das Papier zeigt auf, dass sich die Häufigkeit von 100-jährigen Stürmen erhöhen wird, wenn der Meeresspiegel bis 2050 wie prognostiziert ansteigt.

Der Bericht rät dringend dazu, Vorkehrungen vor allem für die niedrig gelegenen Stadtviertel von Beira zu treffen. Die gegenwärtigen Entwässerungsanlagen und Barrieren würden keinen ausreichenden Schutz gegen die Fluten bieten.

Umsiedlungen in höher gelegene Gebiete

Die Stadtverwaltung setzt große Hoffnungen in den Masterplan Beira. Der Plan ist in Zusammenarbeit mit der niederländischen Ingenieurfirma Deltares entstanden und soll bis ins Jahr 2035 komplett umgesetzt werden. Der Bürgermeister von Beira, Daviz Simango, kündigte an, dass u.a. 120.000 Menschen in höher gelegene Gebiete umgesiedelt werden sollen.

Die Umsetzung des Masterplans kostet viel Geld. Simango rechnet mit mehr als 100 Millionen US-Dollar – eine Summe, welche die Stadt nicht alleine aufbringen kann. Der Bürgermeister erhofft sich deshalb Unterstützung von privaten Geldgebern. Peter Letitre, Projektmanager bei Deltares, drängt indes auch auf einen notwendigen politischen Kurswechsel. Dazu zähle vor allem, dass die unkontrollierte Vergabe von Landrechten in geplanten Wasserrückhaltegebieten gestoppt werde, so der Experte.

Die bislang ungeregelte städtische Entwicklung von Beira ist auch durch Landspekulationen entstanden: Die Genehmigungen sind relativ günstig zu haben und lassen daher in der Zukunft hohe Gewinne erwarten. (afr/IPS)

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