Mauritius: Widerstand gegen Kohlekraftwerk

Investitionen in erneuerbare Energien gefordert

Von Nasseem Ackbarally | 11.04.2013

Port Louis. Die Einwohner von Albion, einem kleinen Dorf in Pointe-aux-Caves im Westen von Mauritius, sind fest entschlossen, den Bau eines Kohlekraftwerks in ihrer Umgebung zu verhindern. Mit ihrem vehementen Widerstand gegen das Projekt nehmen sie nach eigenen Angaben ihr Verfassungsrecht auf Leben wahr.

"Auf uns kommt eine Katastrophe zu", sagt Ed Laverdure, ein erklärter Gegner des Vorhabens. Zwei Kilometer von der Ortschaft entfernt hat 'T Power (Mauritius)' im Auftrag des Elektrizitätswerks CEB mit der Rodung des für die Anlage vorgesehenen Geländes begonnen.

Seit einem halben Jahr widersetzen sich die Dorfbewohner mit der Unterstützung von Umweltschützern gegen den Bau des Kohlekraftwerks, das nach der Fertigstellung 100 Megawatt Strom generieren soll. Sie haben den Obersten Gerichtshof angerufen, damit er das Vorhaben stoppt. Die Anhörung findet am 6. Mai statt.

Am 4. April hatten sie ihre Einwände gegen das Projekt der Nationalen Energiekommission vorgetragen. Die von der Regierung eingerichtete Schlichtungsstelle besteht aus hochrangigen Vertretern der Regierung, der Gewerkschaften, des nationalen Forschungsrats und der Universität von Mauritius. Sie forderten den Umstieg auf erneuerbare Energien und die Schließung aller Kohlekraftwerke des Inselstaates im Indischen Ozean.

Derzeit produziert Mauritius 438 Megawatt Strom für 420.000 Haushalte und Industriebetriebe. 22 Prozent der Energie stammen aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Wind und Bagasse, den Rückständen der Zuckerproduktion. 50 Prozent der lokal erzeugten Elektrizität bezieht der 1,3 Millionen Menschen zählende Inselstaat aus fossilen Quellen, 30 Prozent aus den vier existierenden Kohlekraftwerken. CEB zufolge benötigt Mauritius spätestens 2015 100 Megawatt mehr Strom, um Versorgungsengpässen vorzubeugen.

Verkehrschaos, Umweltverschmutzung, Gesundheitsprobleme

Der Umweltingenieur Vassen Kauppaymuthoo befürchtet, dass die negativen Auswirkungen des geplanten Kohlekraftwerks auf die Umwelt, die Wirtschaft und das soziale Leben des Inselstaates beträchtlich sein werden. Sobald die Anlage ihren Betrieb aufnehme, müssten jeden Tag 1.600 Tonnen Kohle herangekarrt werden. Die Folgen wären verstopfte Straßen sowie eine Verschmutzung von Luft und Meer.

Würden die Ascherückstände nicht angemessen entsorgt, drohe zudem die Verseuchung des Grundwassers, warnt Kauppaymuthoo. "Jedes Kilowatt Strom, das in der neuen Anlage produziert wird, bedeutet den Ausstoß von 900 Gramm CO2."

Dem Ökologen Keshwar Beeharry-Panray von der lokalen Organisation für den Schutz der Umwelt zufolge müssen sich die Anrainer auf Atemwegserkrankungen und Hautreizungen gefasst machen. "Jeder weiß, dass moderne Anlagen, die das Ausmaß der Verschmutzung verringern, sehr kostspielig sind. Ob sie tatsächlich eingebaut werden, ist somit fraglich."

Beeharry-Panray zufolge versprechen Energieunternehmen immer das Blaue vom Himmel. Doch in der Stunde der Wahrheit habe sich schon oft gezeigt, dass die Zusicherungen nicht eingehalten wurden. Dem Umweltministerium sprach er die Fähigkeit ab, die Stromversorger wirkungsvoll kontrollieren zu können.

Der CEB zufolge verfügt Mauritius nur über wenige bekannte Energieressourcen. Sollte das Kohlekraftwerk nicht gebaut werden, müsse die Stromproduktion aus Öl erhöht werden. "Wir sind auf mehr Strom dringend angewiesen, um die Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten zu können", betont der CEB-Chef Shiam Thannoo im IPS-Gespräch.

Die Ausbeutung erneuerbarer Energien stoße aufgrund der hohen Investitionskosten an Grenzen, meint er. Dennoch sei die CEB fest entschlossen, ab 2017 mindestens eine 20-Megawatt-Windanlage pro Jahr und ab 2013 ein Zehn-Megawatt-Solarkraftwerk alle drei Jahre zu bauen. Unabhängige Experten empfehlen der Regierung aber auch die Ausbeutung der Wärmekraft in Erwägung zu ziehen.

Geringfügig steigender Energiebedarf

Der Anstieg des Strombedarfs hält sich jedoch in Grenzen. So ist die Nachfrage im letzten Jahr lediglich um zwei Prozent gestiegen, wie der Leiter der staatlichen Behörde für Energieeffizienz, Khalil Elahee, einräumt. 1980 lag sie noch bei zehn Prozent. Er führt die Entwicklung auf die Ausweitung des Dienstleistungssektors zu Lasten der energieintensiveren Zucker- und Textilindustrie zurück.

Ed Laverdure würde am liebsten Albion verlassen, hätte er nicht alle seine Ersparnisse in den Bau seines Hauses investiert. Auch der dafür aufgenommene Kredit ist noch nicht abbezahlt. "Sollten die Proteste nichts bringen, muss ich also bis ans Ende meiner Tage in der Nähe des Kohlekraftwerks leben. Und dann wäre es auch mit unserer schönen blauen Bucht vorbei." (afr/IPS)

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