Mauritius: Fair-Trade-Standards für Rohrzucker

Kleinbauern setzen auf Zertifizierung

Von Nasseem Ackbarally | 04.07.2012

Port Louis. Immer mehr Bauern der Inselrepublik Mauritius im Indischen Ozean entdecken die Vorteile, die ihnen der sozial verträgliche, ökologisch nachhaltige Anbau von Zuckerrohr, Obst und Gemüse bringt. Sie lassen ihre Erzeugnisse mit dem so genannten Fair-Trade-Siegel zertifizieren in der Hoffnung, dass ihnen die mit diesem internationalen Gütesiegel zu erzielenden höheren Erzeugerpreise über den 36-prozentigen Preisverfall für Rohrzucker, ihr wichtigstes Exportgut in die EU, hinweghelfen.

'Fair Trade International' setzt sich dafür ein, dass Bauern, Landarbeiter und Agrargenossenschaften für ihre Erzeugnisse gerechter bezahlt werden, sofern sie die vorgegebenen anspruchsvollen ökologischen und arbeitsrechtlichen Produktionsbedienungen einhalten.

"Angesichts unseres schrumpfenden Einkommens haben wir uns für die Zertifizierung unserer Erzeugnisse entschieden, um wieder etwas mehr Geld zu verdienen", berichtete der Farmer Keshoe Parsad Chattoo.

Produkte mit dem Fair-Trade-Siegel lassen sich in Europa und den USA gut vermarkten. So kann eine Tonne Rohrzucker für 585 US-Dollar statt des üblichen Preises von 525 Dollar verkauft werden. "Für Produkte mit hoher Qualität zahlen sie bereitwillig mehr, und dieses zusätzliche Geld fließt direkt in die Kassen der Produzenten", erläuterte Jean-Philippe Zanavelo, der Fair Trade International auf Mauritius vertritt.

"Wir produzieren und exportieren jetzt chemisch unbelastete Nahrungsmittel von hoher Qualität und verbessern damit unser Einkommen", begründete Kishan Fangooa den Entschluss seiner Kooperative, die Fair-Trade-Vorschriften zu befolgen. Die 'Long Mountain Pineapple and Allied Growers Cooperative Society', für die er als Sekretär arbeitet, bewirtschaftet in Nordmauritius am Long Mountain eine fünf Hektar große Ananas-Plantage.

Seit 2011 produzieren in Mauritius 32 Erzeugergenossenschaften mit 4.500 Farmern nach den Vorgaben von Fair Trade International. Sie erwirtschafteten damit 700.000 US-Dollar.

"Auch wenn die Kriterien die Produktion einschränken, so helfen sie uns, die Qualität unserer Erzeugnisse und unser Einkommen zu verbessern", betonte Fangooa.

Der Zertifizierung geht ein zweifaches Prüfverfahren durch Fair Trade International und ein unabhängiges Gremium voraus. Die Produzenten müssen sich verpflichten, Kriterien wie Demokratie, Transparenz, gutes Regieren und Umweltschutz einzuhalten.

"Die Erzeugnisse werden regelmäßig kontrolliert", sagte Narain Phagoo gegenüber IPS. Der Bauer hat sich der Zertifizierung unterzogen. "Neben regelmäßigen Kontrollen und Inspektionen überprüfen zudem europäische Labors die Qualität unserer Produkte. Wenn man darin unerlaubte Stoffe findet, werden unsere Exporte nicht akzeptiert", berichtete er.

Zustimmung und Kritik

Nach Ansicht von Rajen Hemoo von der 'Victoria Cooperative Society' im nördlichen Congomah eignet sich das Fair-Trade-Modell für Kleinbauern, zumal die Kriterien der Zertifizierung leicht zu erfüllen seien. "Dieses Konzept bietet direkte und indirekte Vorteile. Unsere Vorleistungen werden subventioniert, wir erhalten Zuschüsse und niedrig verzinste Kredite. Außerdem können wir uns in die Gemeinden unserer Region einbringen."

Von Farmern, die sich am fairen Handel beteiligen, wird erwartet, dass sie einen Teil ihres Gewinns mit ihren Gemeinden teilen, indem sie sich finanziell an sozialen Aktivitäten oder an der Entwicklung ihrer Dörfer beteiligen.

Vom Fair-Trade-Modell wenig begeistert ist der Verband der Plantagenbesitzer im Süden (SPA). "Wir betreiben die Zuckerrohrplantagen und produzieren den Zucker, doch das zusätzliche Geld verwalten die Gemeinden selbst", kritisierte Verbandspräsident Gassen Modely. "Wir dachten, die zusätzlichen Einnahmen würden direkt an die Farmer fließen, damit sie ihre wachsenden Produktionskosten auffangen können."

"Bislang hat die Regierung den Kooperativen Zuschüsse für die jährlichen Kontrollen gegeben. Das sind hohe Kosten von 1.000 bis 3.500 Dollar", sagte er.

Auch Inder Rajcoomarsingh von der 'Sebastopol Multi-Purpose Cooperative Society' ist skeptisch. "Viele Leute wissen nicht, dass die Regierung uns einen Teil der Kontrollkosten ersetzt. Wenn wir diese Ausgaben selbst aufbringen müssten, von unserem Gewinn bliebe nichts übrig."

Der für Wirtschaft und Kooperativen zuständige Minister Jim Seetaram betonte, in Mauritius sollten Kleinerzeuger wählen können zwischen traditionellem Anbau und dem von Fair Trade geforderten nachhaltigen Bewirtschaftungskonzept. Er empfahl den Farmern, ihre Exportpalette zu erweitern und auch Litchis, Blumen, Zitronen und Honig zertifizieren zu lassen. (afr/IPS)

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