Mauritius: Aquakultur in Küstengewässern

Aufzucht von Fischen in Käfigen wird kontroversiell diskutiert

Von Nasseem Ackbarally | 05.07.2013

Port Louis. "Keinen Streit, bitte. Jeder bekommt seinen Fisch. Gebt uns Zeit, damit wir unseren Fang abwiegen können." Patrick Guiliano Marie versucht die Menge zu beruhigen, die zur Schiffsanlegestelle des Fischerdorfes Grand Gaube im Norden von Mauritius angerückt ist, um frischen Fisch zu kaufen.

Es herrscht ein Geschiebe und Gedränge, denn niemand will ohne frischen Fisch nach Hause gehen, den Maries Kooperative aus Käfigen geholt hat. "Wir haben nicht das ganze Jahr über frischen Fisch und müssen dann tiefgefrorenen kaufen", meint Marie-Ange Beezadhur und versucht, sich weiter nach vorn zu schieben.

In der Bucht rund 500 Meter von der Küste entfernt hat die 'St. Pierre Fish Multi-Purpose Cooperative Society' zwei Plattformen errichtet, an denen jeweils vier Unterwasserkäfige befestigt sind. In jedem einzelnen der vier Quadratmeter großen Käfige befinden sich 5.000 Jungfische, die mit Presslingen und Seetang gefüttert werden.

Vier Tonnen Fisch pro Käfig

Insgesamt dauert es acht Monate, bis die Jungtiere es auf ein Gewicht von 500 Gramm bringen. In jedem Käfig können vier Tonnen Fisch produziert werden, in einem besonders großen sogar 25 Tonnen.

Bisher wird Aquakultur auf Mauritius, einem Inselstaat im Südwesten des Indischen Ozeans östlich von Madagaskar, an drei Stellen betrieben. Weitere 19 Standorte wurden ausgewählt. Die Regierung und die EU haben die Käfige, Netze, die Jungfische und das Futter im Rahmen des Dezentralisierten Kooperationsprogramms kostenlos zur Verfügung gestellt.

Marie und die übrigen 14 Genossenschaftsmitglieder holen ihren Fisch sieben Monate lang direkt aus dem Meer. Die restlichen fünf Monate des Jahres widmen sie sich nun der Aquakultur. Beigebracht hat ihnen dies das 'Albion Fisheries Research Centre', ein Forschungszentrum des Ministeriums für Agroindustrie, Nahrungsmittelproduktion und Ernährungssicherheit.

Noch vor einem Jahrzehnt brauchten die Fischer nur ihre Netze in der Bucht auswerfen, um so viel Fisch zu fangen, wie sie benötigten. Doch diese Zeiten sind vorbei. "Die Industrieproduktion, fehlende Kontrollen und die Rücksichtslosigkeit einiger Fischer, über Jahre die kleinen Fische wegzufangen, haben unsere Bestände dezimiert", so Marie gegenüber IPS.

Im Februar 2012 hatten die lokalen Fischer gegen ein Abkommen zwischen der EU und Mauritius protestiert, das europäischen Fischereibooten den Fang von jeweils 5.500 Tonnen Fisch über einen Zeitraum von drei Jahren gestattet. Den lokalen Fischern blieb dadurch nicht genügend Fisch für den Lebensunterhalt. 2012 konnten sie nur noch 5.100 Tonnen Fisch aus dem Meer holen – ein Rückgang um 50 bis 60 Prozent. Auf Mauritius werden insgesamt 29.000 Tonnen Fisch pro Jahr gefangen.

Am 13. Juni traf sich der Fischereiminister Nicolas Von Mally mit den kleinen Fischern von Grand Gaube, um ihnen die Aquakultur schmackhaft zu machen, die den Lebensstandard von 2.200 traditionellen Fischern heben soll. "Wir haben keineswegs vor, überall in den Küstengewässern Käfige auszubringen", versicherte er im IPS-Gespräch. "Wir beschränken uns auf einige wenige Gebiete, denn wir wollen nur so viel Fisch züchten, wie die Bucht verträgt."

Ökologische Bedenken

Doch nicht jeder ist mit dem Projekt einverstanden, und einige Fischer und Umweltschützer warnen vor möglichen negativen Folgen für das marine Ökosystem. "Wir beobachten, dass viele Fische und Raubfische wie Haie die Käfige umschwimmen, weil sie von dem Käfigfischen und dem Futter angezogen werden", berichtet ein Fischer aus Bambous Virieux im Süden von Mauritius.

Der Umweltingenieur Vassen Kauppaymuthoo gibt zu bedenken, dass zu viele Fische auf kleinem Raum für eine hohe Konzentration an Fischurin sorgen. "Die Fische werden mit Presslingen gefüttert, die Antibiotika und antimikrobielle Substanzen enthalten", warnt er.

Judex Rampaul vom Verband der Fischer ist der Meinung, dass Aquafarmen durchaus mit Hühnerfarmen zu vergleichen sind. "Der künstlich gezogene Fisch unterscheidet sich von seinen wild lebenden Artgenossen", meint er. Außerdem stört ihn, dass die Fischereiaktivitäten nun auf die Bucht beschränkt sind. .Rampaul und seine Kollegen hätten es lieber, wenn die Bucht nicht für die Fischzucht herhalten müsste. "Besser wäre es, wir würden die Bucht schützen, damit das Meer atmen kann."

Doch Von Mally zufolge werden die Aquafarmen den Fischern und ihren Kunden gleichermaßen zugute kommen. Derzeit werden 50 Prozent des auf Mauritius konsumierten Fisches importiert. "Die Nachfrage nach Fisch und der Druck auf die Meeresressourcen nehmen zu". sagt er. In dieser Hinsicht könnten Aquakulturen sehr wohl zum Schutz marinen Lebens beitragen.

"Wir wissen zwar nicht, ob die Bucht auch in der Zukunft genug Fisch hervorbringt", so der Minister. "Doch die Aquakultur könnte sich als ein gutes Geschäft erweisen und die Armut in den Fischerdörfern wirksam bekämpfen." (afr/IPS)

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