Mauretanien: Landesweites Verbot für Plastiksackerl

Neues Gesetz wird kontrovers diskutiert

Von Mohamed Abderrahmane | 07.02.2013

Nouakchott. In Mauretanien ist es seit dem 1. Januar verboten, Weichplastik auf nationalem Territorium herzustellen, zu verkaufen, zu verwenden und/oder zu importieren. Sechs Monate hatten die 3,2 Millionen Einwohner des Landes Zeit, sich auf das umweltfreundliche Verbot einzustellen. Doch Geschäftsleute werfen der Regierung in Nouakchott vor, nicht für Alternativen gesorgt zu haben.

Seit Dezember wurden in Tevragh-Zeina, einem Stadtviertel der Hauptstadt Nouakchott, insgesamt rund 100.000 Beutel aus biologisch abbaubarem Material verteilt, wie Mohamed Ould Abdallahi aus dem Umweltministerium erklärt. Offenbar reichte die Anzahl nicht aus. Wie Rachida Ibrahim, die Inhaberin einer Bäckerei, kritisierte, muss sie ihren Kunden die Ware inzwischen ohne Verpackung in die Hand drücken.

Landesweit hatte die Regierung auf riesigen Plakaten für die Neuregelung geworben. In der am Atlantik gelegenen Stadt Nouadhibou im Nordwesten Mauretaniens hat der Fischereisektor bereits reagiert und benutzt nur noch Verpackungen aus Hartplastik.

Mitarbeiter des Umweltministeriums und der Polizei kontrollieren inzwischen auf den Straßen der größeren Städte, ob das Verbot eingehalten wird. Wer weiterhin Weichplastik herstellt, muss mit Geldbußen von zwischen 4.000 und 5.000 US-Dollar rechnen. Für die Verteilung und Verwendung der Tüten werden Strafgelder zwischen 200 und 300 Dollar fällig.

Unzufriedenheit bei Unternehmern

Bei einigen Industrieunternehmern stößt die Neuregelung auf Kritik. Die sechs Monate lange Umsetzungsfrist sei viel zu kurz, um alle Lagerbestände an Plastik abzusetzen, meint Hamoud Ould Etheimine, Generalsekretär der mauretanischen Vereinigung der Industriebetriebe und Bergwerke. "Industrieunternehmer haben teure Maschinen angeschafft, um Plastiktüten herzustellen. Sie müssen entschädigt werden."

Auch Moktar Ould Towf, Vorsitzender der mauretanischen Vereinigung für Verbraucherschutz, verlangt eine Entschädigung der betroffenen Fabrikanten und neue Arbeitsmöglichkeiten für die Beschäftigten des Sektors.

Der Staatssekretär im Umweltministerium, Yeslem Ould Lemine, ist hingegen davon überzeugt, dass das Verbot zu einem vernünftigen und ökologisch korrekten Umgang mit Abfällen führen wird. Es reduziere das Müllaufkommen und die damit verbundenen Kosten für die Städtereinigung und verbessere Hygiene und Gesundheit der Bevölkerung.

Plastikfabriken von Unternehmen wie 'Plastrim' und 'Limour Ould Weddad', die die umstrittenen Tüten produziert hatten, mussten inzwischen schließen, Händler und Verbraucher umdenken. Plastikfolien wurden sogar zur Verpackung von Eis und Minze und in Schönheitssalons als Schablonen für Henna-Tatoos verwendet.

Sensibilisierungskampagne mit Hilfe von UNDP

Wie der Beamte Abdallahi ausführt, führt das Umweltministerium gemeinsam mit dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP eine groß angelegte Sensibilisierungskampagne durch, um Industrie und Bevölkerung Alternativen zu Plastiktüten schmackhaft zu machen.

Laut Claude Desrousseaux von dem französischen Unternehmen 'Pizzorno', das Müll in Nouakchott einsammelt, fallen in der Stadt bisher etwa 225.000 Tonnen Abfall pro Jahr an. Plastik macht ungefähr ein Viertel davon aus. "Es gibt hier verschiedene Arten von Plastik, und das Recycling ist teuer", berichtet er. Seine Firma beschränkt sich darauf, die Materialien außerhalb der Stadt zu vergraben. (afr/IPS)

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