Mauretanien: 'Kostbarste Investition'

Dattelpalmen für Wüstenstaat von unschätzbarem Wert

Von Mohamed Abderrahmane | 29.08.2012

Nouakchott. "Wer Dattelpalmen besitzt, kann überleben", meint die mauretanische Bäuerin Tahya Mint Mohamed, Mutter dreier Kinder. "Wir essen die Früchte und fertigen aus den Palmwedeln Matten, Betten und Stühle. Die Blätter werden zu Körben verarbeitet oder verfüttert." Für dieses Jahr rechnet sie mit einer Ernte von bis zu einer Tonne Datteln.

Mint Mohamed ist die regionale Vorsitzende der Vereinigungen für partizipatives Oasen-Management der Region der zwei Hodhs im Südwesten Mauretaniens. Für eine Frau hat sie es in dem traditionell männerdominierten nordwestafrikanischen Wüstenstaat weit gebracht.

Die 44-Jährige ist sichtlich stolz auf ihre Palmenplantage, die jetzt, in der Erntezeit von Juni bis August, voller Leben ist. "Die Plantage ist meine kostbarste Investition", sagt sie. "Ich gehe sehr umsichtig mit ihr um." Für die Bewässerung hat sie ihren 'Schaduf', ein traditionelles Wasserschöpfgerät. Es besteht aus einer aufgesetzten Stange, an deren Ende ein Behälter baumelt, der nach seiner Befüllung mit Hilfe eines Gegengewichts aus der Tiefe gezogen wird.

Die Ernteerträge hängen zum einem von der Niederschlagsmenge ab und zum anderen von den Erfolgen, die sich im Kampf gegen Heuschrecken-, Vögel- und andere Plagen erzielen lassen. Mint Mohamed rechnet für dieses Jahr mit einem Erntevolumen von 500 bis 1.000 Kilo Datteln.

In Mauretanien wachsen Dattelpalmen auf einer Fläche von 10.000 Hektar. Die Angabe schließt die bereits produktiven Bäume ebenso ein wie die jungen Palmen, die noch keine Früchte tragen, und die männlichen Bäume, deren Blütenstände für die Bestäubung der Blüten der weiblichen Palmen benötigt werden.

Lebensgrundlage für 20.000 Menschen

Nach Angaben von Mohamed Ould Ahmed Banane vom Nachhaltigen Oasen-Entwicklungsprogramm (PDDO) verschafft die Dattelproduktion in fünf Oasenregionen – in Adrar im Norden, Tagant in der Landesmitte, in Assaba und den zwei Hodhs im Südosten – fast 20.000 Menschen ein Auskommen. Das jährliche Output liegt bei durchschnittlich 60.000 Tonnen. 1.000 Tonnen werden aus Algerien und 500 Tonnen aus Tunesien importiert. Fast zwei Drittel der Datteln werden in der Erntezeit 'Guetna' zwischen Juni und August verzehrt. Der Rest wird getrocknet und über das Jahr hinweg gegessen.

Der Ernährungsexperte Mohamed Baro schwört auf Datteln. Sie sind reich an Kalium, Eisen und Zink, enthalten Folsäure und sind die reinsten Energiebomben, wie er betont. Oft sind sie in arabischen Ländern das erste, was Muslime nach Sonnenuntergang im Fastenmonat Ramadan zu sich nehmen.

Doch den Oasen Mauretaniens machen Dürren zu schaffen. Sie leiden zudem unter Versalzung, Wassermangel und sinkender Bodenproduktivität. "In Adrar ist die Dattelproduktion in diesem Jahr aufgrund von Klimaanomalien wie geringen Niederschlägen, Staub und Wind erheblich geringer ausgefallen", erklärt Sid’Ahmed Ould Hmoymed, der Bürgermeister von Atar, der größten Stadt der Region.

Auch der Bauer Mohamed Ould Haj zeichnet angesichts der diesjährigen Dürre ein düsteres Bild: "Wir gehen diesmal leer aus", sagt er. "Es gibt keine Datteln, keinen Weizen, keine Gerste, kein Gemüse und auch keine Wassermelonen." Doch trotz der schwierigen Lage werde er es auf Einnahmen in Höhe von 2.000 bis 2.500 US-Dollar bringen, meint Cheikh Ould Moustapha, der für das PDDO zuständige Koordinator.

Oasenschutzprogramme

Die Regierung hat das PDDO 2002 zum Schutz der wertvollen aber empfindlichen Oasenökosysteme und zur Eindämmung der Landflucht ins Leben gerufen. Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) hat 37 Millionen Dollar beigesteuert, wie Alioun Demba, der Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit im Ministerium für ländliche Entwicklung berichtet.

"Das Programm soll die Bauern im Umfeld der Oasen ermutigen, zivilgesellschaftliche Organisationen zu gründen, die die partizipativen Oasen-Management-Vereinigungen (AGPOs) am Leben halten und kollektive Investitionen tätigen", erläutert Banane.

Als Teil des Projekts ist es die Aufgabe der AGPOs, sich um die Projekte zu kümmern, die im Rahmen des PDDO finanziert werden. Lokale Kleinbauern sind aufgerufen, Vertreter zu wählen, ihre eigenen Prioritäten zu artikulieren und die Einnahmen zu kontrollieren. Etliche AGPOs sind bereits in den Genuss von PDDO-Zuschüssen in Höhe von 46.000 bis 92.000 Dollar gekommen.

Um den Bauern nachhaltige Management-Techniken zu vermitteln, hat das PDDO kleine 100 Quadratmeter große Pflanzenschulen und eine Plantage geschaffen, auf der Dattelpalmen, Obstbäume und Gemüse wachsen. "Mit diesem Drei-Ebenen-Ansatz wirken wir der Bodenerosion entgegen und ermöglichen einen guten Schutz, eine effiziente Bewässerung und eine Diversifizierung der bäuerlichen Einnahmen", versichert Banane.

In Adrar, wo fast die Hälfte der Palmenplantagen zu finden sind, tun sich die kleinen Bauern mit der Anwendung moderner Techniken offenbar schwer, wie der regionale PDDO-Koordinator Cheikh Ould Moustapha berichtet.

Kurse für die Bauern

Empfohlen werden dort die manuelle Pflanzenbestäubung, Tröpfchen- und Rohrbewässerung sowie die Verwendung von organischem Dünger. In Adrar sind die wohlhabenden Bauern dazu übergegangen, beide Bewässerungssysteme mit Strom aus Sonnenenergie zu betreiben. Was die Vermarktung angeht, hat das PDDO bei der Gründung einer Gruppe in Adrar geholfen, die den Transport der Datteln in die Hauptstadt Nouakchott koordiniert.

Dattelpalmen und Kamele – die beiden Motoren der ländlichen mauretanischen Wirtschaft, sind an das Wüstenklima in der Sahara und Sahel angepasst. "Auch deshalb", so Moustapha, "sind sie für unser Land von unschätzbarem Wert". (afr/IPS)

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