Mauretanien: Hungernde Menschen, sterbendes Vieh

Notprogramm reicht nicht aus

Von Mohamed Abderrahmane | 18.07.2012

Nouakchott. Seit Stunden wartet Habi Amadou Tidjane Diop in Nouakchott in brütender Hitze vor einer der 400 Verkaufsstellen, die im Rahmen des Notprogramms der Regierung verbilligte Lebensmittel an besonders Bedürftige abgeben. Als sie endlich an der Reihe ist, muss sie sich mit zwei Kilo Reis, einem Kilo Zucker und einem Liter Speiseöl begnügen - viel zu wenig für die Mutter von neun Kindern.

Das von Ministerpräsident Moulaye Ould Mohamed Laghdaf Ende Januar eingerichtete Programm 'Emel 2012' ist mit 137 Millionen US-Dollar ausgestattet und wird zur Hälfte von internationalen Partnern finanziert. Es subventioniert in dem von Dürre geplagten nordwestafrikanischen Land nicht nur Lebensmittel, deren Preise für viele Mauretanier inzwischen unerschwinglich sind, sondern auch Viehfutter für die auf den verdorrten Weiden hungernden Tiere. Für Herdenbesitzer gibt es zudem Gutscheine, mit denen sie den Zugang zu Wasser und Tierarztkosten bezahlen können.

Vor dem Parlament berichtete Laghdaf im Juni, die im Rahmen des Programms landesweit eingerichteten 1.235 Läden hätten in den vergangenen vier Monaten 50.000 Tonnen Lebensmittel und 100.000 Tonnen Viehfutter ausgegeben.

Knappe Mittel, schlechte Organisation

Doch die allgemeine Kritik an dem Hilfsprogramm wird immer lauter, weil es zu knapp bemessen ist und schlecht organisiert wird. Parlamentarier aller Parteien warfen der Regierung vor, das Management des Hilfsprogramms sei chaotisch. Es entspreche qualitativ und quantitativ nicht den Erwartungen der Bevölkerung. Zudem seien viele Verkaufsstellen am falschen Ort eingerichtet worden.

"Es kommt sieben Monate zu spät", stellte Moustapha Ould Bedredine von der Opposition fest. Die Regierung wolle sich mit Emel 2012 lediglich politische Unterstützung verschaffen. Houssein Ahmed Hady von der Regierungspartei berichtete, die Kritik der Menschen an dem Hilfsprogramm sei einhellig. Ahmed Ould Daddah von der 'Democratic Forces Party' warnte, die Lage der Herdenbesitzer im Land sei katastrophal. Er forderte von der Regierung schnellstens effiziente Lösungen, damit sich das Schlimmste abwenden lasse.

Nur die großen Herdenbesitzer profitieren vom Hilfsprogramm

Hacen Ould Taleb, Vorsitzender einer Dachorganisation von Viehzüchtern, klagte über die schlechte Qualität des subventionierten Futters. Es sei für Ziegen und Schafe ungeeignet, sagte er IPS. Zudem bringe 'Emel 2012' Viehzüchtern mit kleinem Tierbestand nichts. "Nur die Großen und die Weizenhändler profitieren davon."

"Ein Teil des subventionierten Viehfutters schadet den Tieren mehr als es ihnen nützt", kritisierte Khalil Ould Khairi, Vorsitzender des mauretanischen Verbandes für Verbraucherrechte. "Eine der Sorten riecht verdorben, weder Kamele noch Kühe vertragen das Futter und sterben", erklärte er.

Die Dürre hat die ohnehin instabile Versorgungslage in Mauretanien weiter verschlimmert. Nach Schätzungen des Welternährungsprogramms (WPF) waren Ende 2011 800.000 der 3,3 Millionen Mauretanier von der akuten Krise betroffen. Bis September werden es einer Untersuchung der internationalen Hilfsorganisation 'Save the Children' mehr als eine Million sein.

Mohamad Baro, der in Nouakchott für das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) arbeitet, berichtete gegenüber IPS, in der Altersgruppe zwischen sechs und 24 Monaten sei jedes achte mauretanische Kleinkind unterernährt. (afr/IPS)

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