Mauretanien: Beschneiderinnen legen ihr Messer beiseite

Umfassende Aufklärungskampagne

Von Mohamed Abderrahmane | 17.04.2012

Nouakchott. In Mauretanien sind mehr als zwei Drittel aller Mädchen und Frauen beschnitten. Befürworter der weiblichen Genitalverstümmelung bringen religiöse und ästhetische Gründe vor und betonen, sie sei gut für die Sittsamkeit der Mädchen. Doch eine Aufklärungskampagne und ein islamisches Rechtsgutachten (Fatwa) haben dafür gesorgt, dass im März 35 Beschneiderinnen öffentlich mit der Tradition gebrochen und ihr Messer beiseite gelegt haben.

Viele dieser Frauen stammten aus der Zentralregion Tagant, wo schätzungsweise 97 Prozent aller Mädchen beschnitten werden. Sie können zwar nicht mit einer direkten Entschädigung rechnen. Doch sie werden bei der Vergabe von Mitteln zur Existenzgründung bevorzugt und können schneller als andere Aspirantinnen Alphabetisierungskurse besuchen.

Eine wertvolle Stütze der vom Ministerium für Soziales, Kinder und Familie durchgeführten Kampagne, an der sich medizinische Experten, Gesundheitsbeamte und Aktivisten beteiligen, sind lokale Religionsführer, die sich öffentlich gegen die Genitalverstümmelung aussprechen.

So berichtete Hademine Ould Saleck, Imam der alten Moschee von Nouakchott, er habe gemeinsam mit Kollegen 2010 eine Fatwa verfasst, die die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) verbietet.

Fatwa auch in anderen Ländern

Die FGM könne schwere, lebenslange Gesundheitsschäden verursachen und verstoße gegen die Menschenwürde, betonte Saleck. "Wir fordern die zivilen und die Justizbehörden auf, gegen diejenigen vorzugehen, die sich nicht an das Verbot halten", sagte er IPS. Inzwischen hätten Religionsführer aus Burkina Faso, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal und Tschad die Fatwa gegen die FGM übernommen, betonte der Imam.

Die Gynäkologin Djeinaba Ba, die in der Hauptstadt Nouakchott praktiziert, beobachtet zwar eine allmähliche Abkehr von einigen Traditionen wie der Frühehe und dicht aufeinander folgenden Geburten. Diesem Trend folgten jedoch vor allem gebildete Städterinnen.

Die ausgebildete Hebamme Aziza Mint Meslem, die sich für ein FGM-Verbot in ihrem Land einsetzt, beklagte das Fehlen eines gesetzlich verankerten Beschneidungsverbots. Ein solches Verbot gehöre ins Strafgesetz, erklärte die Aktivistin, die für die Mauretanische Vereinigung für die Gesundheit und Entwicklung von Frauen arbeitet. "Die FGM ist eine empörende Verletzung der Rechte von Mädchen. Schließlich fordern internationale Menschenrechte die körperliche Unversehrtheit jedes Menschen." sagte sie.

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