Malawi: Weniger Wasser, weniger Fisch

Malawi-See gerät zunehmend unter Druck

Von Mabvuto Banda | 29.05.2013

Lilongwe. Lloyd Phiri, ein Fischer aus der Senga-Bucht an den Ufern des Malawi-Sees in Zentralmalawi, beobachtet mit Sorge den Rückgang seiner Fänge. In den letzten Jahren hat er 80 Prozent weniger Fisch in den Netzen. Waren vor vielen Jahren 5.000 Fische am Tag die Norm, kann er inzwischen froh sein, wenn er mit einem Fünftel dieser Menge nach Hause kommt.

"Oft sind es sogar nur 300 Fische", berichtet er. Das schrumpfende Fangvolumen führt er auf den sinkenden Wasserpegel des Sees infolge von Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Entwaldung zurück. Die Entwicklung wiederum bedroht die Biodiversität und somit auch den Artenreichtum von Fischen, was sich wiederum negativ auf Phiris Einnahmen auswirkt. "Ich habe Probleme, die Schulgebühren meiner Kinder zu bezahlen", sagt der Fischer.

"Die Abnahme des Wasserspiegels hat dazu geführt, dass der Fischbestand in den letzten zwei Jahrzehnten von jährlich 30.000 Tonnen auf nur noch 2.000 Tonnen zurückgegangen ist", berichtet der Umweltschützer Raphael Mweneguwe.

Und Yanira Mtupanyama aus dem Umweltministerium berichtet, dass der Wasserstand des Malawi-Sees in den letzten 30 Jahren von 477 Meter über dem Meeresspiegel in den 1980er Jahren auf fast 475 Meter gefallen ist. Die Oberfläche des zwischen Malawi, Mosambik und Tansania eingebetteten Binnengewässers erstreckt sich über 29.600 Quadratkilometer.

"Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der See auch in den kommenden Jahren immer weiter zurückziehen wird", weiß Mtupanyama. Die Niederschlagsmenge werde abnehmen und immer mehr Wasser verdunsten.

Etwa 1.000 verschiedene Fischarten tummeln sich im drittgrößten See Afrikas, dessen Fisch rund 60 Prozent des Eiweißbedarfs der Malawier deckt. Doch einige in dem Binnenmeer beheimatete Buntbarscharten sind bereits vom Aussterben bedroht.

Fischbestände nur noch Schatten ihrer selbst

Der nationalen Fischereibehörde zufolge sind die Fischbestände in den letzten 20 Jahren um 90 Prozent zurückgegangen. Das ist umso beunruhigender, als dass der See allein in Malawi 1,5 Millionen Menschen ernährt. Hinzu kommt die Sorge, dass in dem Gewässer Öl und Gasreserven lagern könnten. Umweltschützer Raphael Mweneguwe befürchtet, dass die Erdöl- und Gasproduktion den Artenverlust noch weiter beschleunigen wird.

Williman Chadza, Geschäftsführer des Zentrums für Umweltstrategie und –beratung, einer lokalen Nichtregierungsorganisation, teilt die Sorge. "Öl ist extrem wichtig für ein Land wie Malawi, das nach alternativen Einkünften sucht, um seine sozioökonomische Entwicklung voranzubringen. Doch die Entdeckung von Öl und Gas in den Tiefen des Malawi-Sees könnten das Artensterben weiter vorantreiben und das Wasser verseuchen, meint Chadza.

Auch der Bergbau bringt den Malawi-See in Gefahr. Eine Uranmine in Karonga, einer Stadt in der Nähe des Gewässers im Norden des Landes, die seit vier Jahren von dem australischen Bergbauriesen 'Paladin' (Africa) betrieben wird, gilt als größte Gefahrenquelle.

"Uran ist hoch radioaktiv und die Gefahr der radioaktiven Verseuchung des Seewassers groß", meint der Menschenrechtsaktivist Udule Mwakasungura. "Wir müssen die Verseuchung des Sees verhindern. Denn hier hängen die Menschen in einem größeren Ausmaß als anderswo auf der Welt von den biologischen Ressourcen ab."

Ein Dorf zieht die Rettungsleine

Das gilt auch für die 18.000 Familien, die in dem Fischerdorf Nguwo in der Senga-Bucht zu Hause sind. "Wir wissen, dass die Fischpopulationen aufgrund nicht nachhaltiger Fangmethoden schrumpfen", so der Dorfvorsteher Radson Mdalamkwanda.

Mdalamkwanda zufolge arbeiten die Fischer der Ortschaft mit den lokalen Bezirksbehörden zusammen, um den Malawi-See zu retten. Seit fünf Jahren organisiert ein lokaler Entwicklungsausschuss regelmäßige Treffen, auf denen sich die Menschen vor Ort über die geltenden Bestimmungen und Maßnahmen zum Schutz des Malawi-Sees informieren können.

"Wir wollen aber nicht nur die Fischbestände schützen, sondern den See als Trinkwasserquelle erhalten", meint Ibrahim Kachinga, Vorsitzender des Dorfkomitees von Nguwo. "Dafür werben wir auf Hochzeiten, Beerdigungen und anderen Zusammenkünften."

Seit einigen Jahren ist das Fischen mit besonders wirksamen Fangvorrichtungen in der Laichzeit verboten. Mtupanyama aus dem Umweltministerium weist darauf hin, dass die Regierung 2003 einen Zehnjahresplan auf den Weg gebracht hatte, der zur Regeneration der Fischpfründe führen soll.

"In den letzten zehn Jahren haben wir die Fischbestände des Sees aufgestockt, indem wir Jungfische außerhalb des Sees aufgezogen und dann dem See wieder zugeführt haben", berichtet sie. In wie weit die Aktivitäten zu einer Regenerierung der Fischbestände im Malawi-See beigetragen haben, vermag sie nach eigenen Angaben jedoch nicht zu sagen.

Doch was immer aus den Rettungsmaßnahmen erwachsen wird – die Einwohner von Nguwo sind sich im Klaren darüber, dass sie den See allein schon aus Eigeninteresse schützen müssen. (afr/IPS)

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