Malawi: Strom aus Mosambik

Mit Importen gegen chronische Energiedefizite

Von Claire Ngozo | 14.06.2012

Lilongwe. Mit Stromimporten aus Mosambik will Malawi seine Energieversorgung auf solide Füße stellen. Das Projekt, das von der Regierung des verstorbenen Staatschefs Bingu wa Mutharika gestrichen worden war, soll unter Präsidentin Joyce Banda dem Energiemangel im südostafrikanischen Land ein nachhaltiges Ende bereiten.

Malawi benötigt derzeit 300 Megawatt Strom, kann aber selbst nur bis zu 266 MW generieren. Den Prognosen zufolge wird der Bedarf in einem Land, in dem laut Weltbank nur acht Prozent der 14 Millionen Malawier ans Stromnetz angeschlossen sind, weiter wachsen. Das Energieministerium schätzt die Nachfrage bis 2015 auf 603 MW und bis 2020 auf 829 MW.

Die Kapazitäten von Malawis Wasserkraftwerk am Shire, dem größten Fluss des Landes, sind begrenzt. Sedimentablagerungen und eine Technologie, die den Ansprüchen nicht mehr genügt, sind Teil des Problems, Unterbrechungen bei der Stromversorgung die Folge. So kommt es täglich zu Stromausfällen von bis zu sechs Stunden. Für die Unternehmen des Landes – ob klein oder groß - ist diese Situation unerträglich.

"Die Stromversorgung muss unbedingt besser werden. Ich setze meine Hoffnungen auf das neue Abkommen mit Mosambik", sagt Judith Chilika, Geschäftsführerin eines Friseursalons und Restaurants in der Hauptstadt Lilongwe, stellvertretend für Malawis Unternehmer, denen die häufigen Blackouts erhebliche finanzielle Einbußen bescheren. "Ich musste meine Läden bereits mehrfach schließen, denn ich kann mir den Langzeit-Betrieb meiner Standby-Generatoren einfach nicht leisten", sagt Chilika. Treibstoffe sind seit Monaten knapp und die Preise gestiegen.

Projekt mit Hindernissen

Der 1974 erbaute Cahora-Bassa-Damm in Mosambik soll dem Nachbarland aus der Energiekrise helfen. Er versorgt nicht nur die einheimische Bevölkerung, sondern exportiert Strom nach Südafrika. Der Plan von 2008, auch Malawi zu beliefern, der von der Weltbank mit 200 Millionen US-Dollar gefördert wird, wurde im letzten Jahr von der damaligen malawischen Regierung aus Kostengründen ad acta gelegt.

Doch Amtsnachfolgerin Banda, die drei Tage nach dem plötzlichen Tod von Präsident Mutharika im April die Regierungsgeschäfte übernahm, hat das Projekt wiederbelebt. Am 12. Mai kam es zur Unterzeichnung einer Absichtserklärung.

Der Anschluss Malawis an das mosambikanische Stromnetz liegt auf einer Linie mit Plänen der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC), bei der Nutzung der gemeinsamen Wasserressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung, regionalen Integration und Armutsbekämpfung eng zusammenzuarbeiten. Die Ziele sind im Revidierten Protokoll zur Nutzung der gemeinsamen Gewässer von 2003 festgeschrieben. Es geht um die gemeinsame Entwicklung, Übertragung und Speicherung bei gleicher Kostenbeteiligung.

Auf die Nachricht, dass das tot gesagte Projekt nun doch wiederbelebt werden soll, reagieren die Malawier verhalten optimistisch. "Wir hoffen auf eine verlässlichere Stromversorgung, die Industrie und Wirtschaft voranbringt und zur Armutsbekämpfung beiträgt", meint John Kapito von der Malawischen Verbraucherzentrale. Die Stromunterbrechungen müssten endlich ein Ende haben, damit das Land wirtschaftlich auf die Beine komme. "Wir setzen unsere ganze Hoffnung auf dieses Abkommen."

Zur Klärung der Details nach Mosambik

Doch Malawis Energieminister Cassim Chilumpha mahnt seine Landsleute zu Geduld. Erst müssten die Details des Abkommens geklärt werden. Wie er kürzlich vor dem Parlament erklärte, wird ein Expertenteam nach Mosambik reisen und den Verhandlungsprozess zum Abschluss bringen. "Wir bemühen uns, den Vorgang zeitnah abzuwickeln, damit wir alle möglichst bald von dem neuen Abkommen profitieren."

Malawis Bemühungen um Energiesicherheit hatten im Juli 2011 einen herben Rückschlag erlitten. Die 'Millennium Challenge Corporation' (MCC), eine US-Hilfsagentur, fror einen Kredit in Höhe von 350,7 Millionen Dollar zur Modernisierung des Wasserkraftwerks ein. Mit den Geldern sollten die Kapazitäten der Generatoren, die Übertragungs- und Verteilungsmechanismen und die Effizienz und Nachhaltigkeit der lokalen Stromversorgung verbessert werden.

Die MCC begründete ihre Entscheidung mit der blutigen Niederschlagung der friedlichen Proteste am 20. und 21. Juli 2011 und Versuchen, die Presse mundtot zu machen. 21 Menschen kamen bei den Ausschreitungen ums Leben, 275 wurden verhaftet. Die Proteste richteten sich gegen Mutharika, den die Menschen für die häufigen Stromausfälle und den Treibstoff-, Devisen- und Trinkwassermangel verantwortlich machen. (afr/IPS)

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