Malawi: Nahrungsmittelengpässe nach der Dürre

Mais-Knappheit trifft vor allem Frauen und Kinder

Von Mabvuto Banda | 10.05.2013

Lilongwe. Esnart Phiri, eine Witwe mit fünf Kindern, schläft jede Nacht vor den Toren einer staatlichen Maisverkaufsstelle in der malawischen Hauptstadt Lilongwe. Seit Tagen wartet sie darauf, endlich das begehrte Grundnahrungsmittel kaufen zu können. Mit ihr stehen Tausende Menschen in der schier endlos erscheinenden Schlange vor dem Admarc-Markt.

Wie Phiri berichtet, stellt sich ihr ältestes Kind in der Nacht für sie an, damit sie ihren Platz nicht verliert. In der Zeit schläft sie mit den anderen Kindern in einem Büroeingang auf der anderen Straßenseite. "Der Markt ist vorübergehend zu einem Zuhause für mich und meine Kinder geworden", erzählt die Frau, die in der Gemeinde Chinsapo, etwa 40 Kilometer von Lilongwe entfernt, wohnt.

In dem südostafrikanischen Land ist Mais neben Maniok, Süßkartoffeln und Hirse das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung. Nach Angaben der UN-Agrarorganisation FAO ist die Getreideproduktion in Malawi in der Erntesaison 2011/2012 um sieben Prozent zurückgegangen.

Mehr als zwei Millionen Menschen drohen in diesem Jahr Nahrungsengpässe. Die steigenden Lebensmittelpreise haben die Inflationsrate der Verbraucherpreise im März auf 36,6 Prozent ansteigen lassen.

Lange Fußmärsche zu Märkten

Phiri sagt, sie habe nicht die Kraft, jeden Tag die 40 Kilometer bis zum Markt zu Fuß zu laufen. Memory Jamesi, die im vierten Monat schwanger ist, steht hingegen jeden Morgen in aller Frühe auf und macht sich auf den Weg. Vor einigen Wochen hatte die Mutter von drei Kindern einen Schwächeanfall, als sie in der langen Schlange anstand, wie sie berichtet. Etwa die Hälfte aller Einwohner von Chinsapo leidet seit dem drastischen Anstieg der Preise unter Nahrungsmittelengpässen.

Ein Sack mit 50 Kilo Mais kostete früher umgerechnet etwa 13 US-Dollar. Inzwischen liegt der Preis bei 30 Dollar und hat sich damit mehr als verdoppelt. Viele Arme, denen weniger als 20 Dollar im Monat zur Verfügung stehen, können sich den Mais nicht mehr leisten. Frauen und Kinder tragen die Hauptlast der Misere. In Malawi sind rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte und Brotverdiener weiblich.

In den vergangenen zwei Monaten hat sich die Ernährungslage weiter verschlechtert, nachdem etwa 30.000 Tonnen Mais in den Getreidelagern verdorben sind. Nach Angaben von Jeffrey Luhanga vom Landwirtschaftsministerium hätte diese Menge ausgereicht, um fast 400.000 der zwei Millionen Hungernden im Land zu ernähren. "Nun müssen wir 50.000 Tonnen aus Sambia importieren, um die Lücken zu füllen", sagt Luhanga.

Zum ersten Mal seit sechs Jahren muss Malawi somit Mais aus dem benachbarten Sambia einführen. Zwischen 2006 und 2011 hatte Land sogar Rekordernten eingefahren, nachdem den ärmsten Bauern im Rahmen eines erfolgreichen Förderprogramms bei der Anschaffung von Dünger und Saatgut 40 Prozent Rabatt eingeräumt wurden.

Hilfsprogramm durch Korruption unterhöhlt

In früheren Jahren ging es Malawi vergleichsweise gut. 2003 nahm das Land das Umfassende Afrikanische Agrarentwicklungsprogramm (CAADP) zur Bekämpfung des Hungers an. Während der darauffolgenden Dürreperioden und aufgrund von Korruption bei der Verteilung von Düngemitteln gingen die Ernten jedoch zurück.

"In den letzten beiden Jahre unter der Regierung von Präsident Bingu wa Mutharika wurde das Düngeprogramm manipuliert, und die Hilfen erreichten die Empfänger nicht. Hinzu kamen die Auswirkungen der Trockenheit", sagt Luhanga.

Agrarminister Peter Mwanza geht allerdings davon aus, dass die nächste Ernte dank häufiger Regenfälle gut ausfallen wird. Nach vorläufigen Schätzungen könnten demnach 3,5 Millionen Tonnen Mais zusammenkommen, mehr als im vergangenen Jahr. Der Inlandsbedarf liegt bei mindestens 2,8 Millionen Tonnen. (afr/IPS)

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