Malawi: Mehr Sicherheit bei Geburten

Privatinitiative rettet Müttern das Leben

Von Mabvuto Banda | 12.07.2013

Lilongwe. Charity Salima ist es zu verdanken, dass mehr als 4.000 Babys in einer Entbindungsstation in 'Area 23', einem der ärmsten und überfülltesten Townships in Malawi, das Licht der Welt erblickten. Und die 54-Jährige ist stolz darauf, dass die Mütter allesamt überlebt haben. Ihr relativ einfacher Ansatz hat Vorbildwirkung und soll auch in anderen Einrichtungen etabliert werden. 

In dem südostafrikanischen Staat liegt das Risiko für eine Frau, im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt zu sterben, bei eins zu 36, wie das Programm 'Malawi Safe Motherhood' mitgeteilt hat. In den westlichen Ländern beträgt das Verhältnis eins zu 17.000.

"Ich habe früher oft beobachtet, wie hochschwangere Frauen sich abmühten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Anhalter zum Krankenhaus zu kommen. In den meisten Fällen starben die Frauen, verloren ihre Babys oder hatten nach der Geburt Probleme", berichtet Salima. "Diese Komplikationen hätten aber vermieden werden können, wenn sie rechtzeitig eine Fahrgelegenheit gefunden hätten oder medizinisch behandelt worden wären."

Salima arbeitete früher als Krankenschwester in der Forschung, bevor sie 2008 nahe der malawischen Hauptstadt Lilongwe eine eigene Klinik eröffnete, 'Achikondi Women Community Friendly Services'. Die Nationale Organisation für Krankenschwestern, ein Solidaritätsfonds für Schwestern und Hebammen im Ruhestand, spendete dem Projekt einen Leben rettenden Krankenwagen.

Angst vor Geburten weit verbreitet

"Wie so häufig in Afrika haben in Malawi alle Angst, wenn eine Frau schwanger ist. So viele Frauen sind hier während der Geburt gestorben. In Industriestaaten freuen sich die Familien dagegen über eine Schwangerschaft und sind guter Hoffnung", sagt Salima.

Nach Angaben des malawischen Gesundheitsministeriums sterben in dem Land täglich im Schnitt 16 Frauen an vermeidbaren Komplikationen, die mit der Schwangerschaft in Verbindung stehen. Somit ist Malawi auf dem Weg zu den UN-Millenniumsentwicklungszielen (MDG) bis 2015 zur Armutsbekämpfung mit zwei Zielen im Rückstand: der Senkung der Müttersterblichkeitsrate um 75 Prozent und dem universellen Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdiensten.

Die erfolgreiche Arbeit von Salima, deren Klinik vielen Müttern das Leben rettet, könnte ein Modell für Malawi werden. Martin Msukwa vom unabhängigen 'MaiKhanda Trust' lobt die Krankenhausleiterin vor allem wegen zwei Dingen: "Sie hat ein effizientes System eingeführt, um mit normalen Geburten umzugehen, und sorgt in komplizierten Fällen dafür, dass die Frauen in einem Hospital entbinden können."

Salima geht mit einfachen und kostengünstigen Methoden gegen die Müttersterblichkeit vor. Sie regt die Frauen dazu an, sich während der Schwangerschaft mit Gemüse zu ernähren, das sie selbst im Garten anpflanzen. Jede Schwangere in der Gemeinde wird registriert, so dass ihr Zustand überwacht werden kann.

Besondere Versorgung für Risikopatientinnen

Mit Hilfe ihrer Strategien kann sie herausfinden, welche Frauen während der Schwangerschaft besonders gefährdet sind. Diese Risikopatientinnen werden zur Behandlung in das größte Hospital in Lilongwe geschickt. "Außerdem haben wir mit Vorurteilen aufgeräumt, die oft dazu beigetragen haben, dass eine Frau die Geburt nicht überlebte", berichtet sie, "So wurde Frauen mit Geburtsschwierigkeiten nachgesagt, ihren Männern untreu gewesen zu sein."

Salima bietet ein großes Paket von Dienstleistungen an, dass auch die Versorgung von Kindern unter fünf Jahren außerhalb der Klinik umfasst. Kostenlos ist die Behandlung bei ihr allerdings nicht. Die Patientinnen zahlen umgerechnet drei US-Dollar, um sich an den Kosten für Medikamente zu beteiligen, die von einem staatlichen Lieferanten kommen.

Der nationalen Koordinatorin des 'Malawi Safe Motherhood'-Programms, Dorothy Ngoma, zufolge belegen die neuesten Trends zwar einen Rückgang der Müttersterblichkeit von 675 Todesfällen pro 100.000 Lebensgeburten zwischen 2006 und 2010 auf 460 Todesfälle pro 100.000 2012. Dennoch sei in Malawi noch viel zu tun, um das entsprechende Millenniumziel zu erreichen.

Das Programm versucht Salimas Ansatz in anderen Einrichtungen zu etablieren."Wir wollen zudem Mittel zusammenbringen, um Heime für Schwangere zu eröffnen, die zu weit entfernt von Gesundheitseinrichtungen leben", sagt Ngoma.

Rund 200 Hebammen ausgebildet

Außerdem bildet das Programm zurzeit rund 200 junge Frauen aus 20 Distrikten in 18 Monaten zu Hebammen aus. Nach dem Abschluss werden sie für fünf Jahre in ihren Gemeinden eingesetzt. "Wir wollen sicherstellen, dass werdende Mütter nicht weit fahren müssen, um sich ärztlich versorgen zu lassen. Damit verhindern wir mögliche Komplikationen während der Schwangerschaft."

Salimas erfolgreiche Initiative hat sich schon so weit im Land herumgesprochen, dass sie die Frauen, die zu ihrer Klinik kommen, gar nicht mehr alle versorgen kann. "Ich habe nicht genug freiwillige Helfer mit den notwendigen Kenntnissen, um der hohen Nachfrage nachkommen zu können." (afr/IPS)

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