Malawi: Hunger durch Agrarsubventionsprogramm

Korruption führte zu Engpässen bei Düngerlieferungen

Von Mabvuto Banda | 02.12.2013

Lilongwe. Für Gogo Munthali aus Rumphi, einem Dorf mehr als 400 Kilometer nördlich der malawischen Hauptstadt Lilongwe, ist das Leben zu einem Alptraum geworden. Die 65-jährige Bäuerin, die fünf Enkel zu versorgen hat, überfällt jeden Morgen die panische Angst, die Kinder nicht satt zu bekommen.

Der Jüngste ist vier Jahr alt und HIV-positiv. "Samson wird bald nicht mehr unter uns sein", sagt sie. "Er muss Medikamente einnehmen, doch kann ich ihm nicht die Nahrungsmittel geben, die er braucht." Dabei gehörte Munthali zu den ersten, die vom staatlichen 'Farm Input Subsidy Programme' (FISP) profitierten. Aufgelegt hatte es der inzwischen verstorbene Staatspräsident Bingu wa Mutharika vor acht Jahren.

Rund 1,6 Millionen arme Familien wurden für das Programm ausgewählt, das ihnen Dünger und Hybridmais zur Hälfte des üblichen Marktpreises in Aussicht stellte. Vor allem von Frauen und Kindern geführte Haushalte sollten von der Initiative profitieren. Die ersten Ergebnisse waren ermutigend. So konnte die Maisproduktion bis 2010 auf 2,27 Tonnen pro Hektar verdoppelt werden. Dies führte zu einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um durchschnittlich 7,4 Prozent.

Doch ist die 65-jährige Witwe Munthali in die extreme Armut abgestiegen. Schuld daran hatten die regelmäßigen Verzögerungen bei den Lieferungen des subventionierten Düngers, die sie dazu zwangen, die Aussaat um drei Wochen zu verschieben, was sich in Ernteeinbußen niederschlug. Rumphi liegt in der Nordregion und gehört zu den Mais- und Tabak-Hauptanbaugebieten des Landes. Doch in diesem Jahr reiht es sich in die 21 der 28 Bezirke des Landes, in denen die Menschen hungern.

Lieferprobleme

Nach Regierungsangaben sind 14,3 Prozent der 16 Millionen Malawier auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Verzögerungen bei der Lieferung der subventionieren Düngemittel, der beschränkte Zugang zu Finanzdienstleistungen und Märkten sowie die ungünstigen Wetterverhältnisse haben in Rumphi zu schweren Ernteeinbrüchen geführt.

Auch Mary Juma geht es schlecht. "Wir hatten uns so daran gewöhnt, jedes Jahr auf den preiswerten Dünger zu warten. Doch nun ist alles anders. Mal kommt er rechtzeitig, mal nicht", sagt sie, die Bewohnerin des Bezirks Dedza in Zentralmalawi. Die in ihr Dorf gelieferten FISP-Düngemittel reichten hinten und vorne nicht, und viele Familien, die von dem Programm profitieren sollten, gingen leer aus.

Jumas Mann entschloss sich daraufhin, einen Kredit aufzunehmen, um Saatgut zum marktüblichen Preis kaufen zu können. Doch aufgrund einer verlängerten Trockenperiode fiel die Ernte aus. Zurück blieben Schulden in Höhe von 400 US-Dollar. Nach der Geburt ihres dritten Kindes hat sich Juma von ihrem Mann getrennt.

Munthalis und Jumas Erfahrungen zeigen vor allem eins: FISP hat die Situation der armen Bauern und insbesondere Bäuerinnen in dem Land im südlichen Afrika nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert. Doch über das Problem wollen nur die wenigsten in der Region sprechen, weil über FISP meist nur Gutes berichtet wird.

"Niemand hat die Lage der armen Bauern überprüft oder sich gefragt, was wohl aus ihnen geworden ist", meint Chris Chisoni von der Katholischen Gerechtigkeits- und Friedenskommission, die in 19 Bezirken die Auswirkungen der Korruption im Zusammenhang mit FISP untersucht hatte. Unter anderem kam heraus, dass diejenigen, die für den Verkauf der Düngemittel zuständig waren, den armen Bauern mehr als die 500 Kwacha (zwei US-Dollar) abverlangt hatten, die sie eigentlich hätten zahlen müssen. "Dadurch sahen sich diejenigen Bauernfamilien, die sich den Dünger nicht leisten konnten, gezwungen, ohne auszukommen", berichtet Chisoni.

Die grassierende Korruption innerhalb des FISP hatte einen großen Anteil daran, dass sich das Leben für viele Farmer verschlechterte. Eine unveröffentlichte Evaluierung des Programms durch das malawische Anti-Korruptionsbüro (ACB) von 2007, in die IPS Einblick nehmen konnte, zeigt, dass FISP 2005 fast am Ende war, nachdem ein Vorzugslieferant aus Saudi-Arabien nicht rechtzeitig mit einer größeren Düngemittellieferung nachkam.

Dem ACB zufolge hatte der damalige Finanzminister Goodall Gondwe den Rat missachtet, den Liefervertrag nicht an ein saudisches Unternehmen zu vergeben. Gondwes Entscheidung, so die Ermittlungsergebnisse, führte dazu, dass die betreffende Firma gerade einmal die Hälfte der vereinbarten Düngemittelmenge lieferte. Die dadurch verursachten finanziellen Verluste für Malawi beliefen sich auf 6,8 Millionen Dollar.

Joyce Banda reagiert

Gondwe, ehemaliger Afrika-Vizepräsident des Internationalen Währungsfonds (IWF), wies die ACB-Kritik an seiner Person zurück. Auch an dem Vorwurf, er habe sich bestechen lassen, sei nichts dran gewesen. "Staatspräsident Mutharika hatte mich meines Amtes enthoben, bis die Untersuchungen abgeschossen waren. Weil ihn die ACB-Unterstellungen nicht überzeugten, wurde ich ins Kabinett zurückgeholt."

Da jedoch niemand wegen Fehlverhaltens bestraft wurde, wurden die Verzögerungen bei den Düngemittellieferungen zur Norm. In vielen Fällen gingen die Lieferaufträge an Firmen mit Beziehungen zu der regierenden Elite, die dann aber nicht über die nötigen Kapazitäten verfügten, ihre Verträge einzuhalten.

Die derzeitige Staatspräsidentin Joyce Banda hat inzwischen gehandelt. Die Verträge mit den unzuverlässigen lokalen und internationalen Firmen wurden gekündigt. Und auch die Unternehmen, die sich nicht an die seit kurzem geltenden strikteren Auflagen hielten, wurden geschasst. "FISP ist an für sich ein gutes Programm", erklärte Jeffrey Luhanga, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium. Die Korruption sei schuld daran, dass es vielen Farmern schlecht gehe und sich andere bereichern konnten. (afr/IPS)

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