Malawi: Größte Umsiedlungsaktion von Elefanten in Afrika

500 Dickhäuter erhalten neuen Lebensraum im Nhkotakota-Reservat

Von Charles Mkoka | 02.08.2016

Lilongwe. Die bisher größte Umsiedlungsaktion von Elefanten in Afrika hat Anfang Juli in Malawi begonnen. Insgesamt sollen 500 Dickhäuter vom Liwonde-Nationalpark im Süden des Landes ins 300 Kilometer entfernte Nhkotakota-Reservat im Zentrum von Malawi eine neue Heimat finden. Das Großprojekt kostet 1,4 Millionen Euro.

Elefanten in MalawiZäune sollen Konflikte zwischen den Elefanten und der Bevölkerung am Rande des Nkhotakota-Reservats vorbeugen (Bild: Charles Mkoka/IPS).

Noch vor ein paar Jahrzehnten streiften etwa 1.500 Elefanten durch das Nhkotakota Wildlife Reserve, dem größten Naturschutzgebiet in Malawi. Diese Zahl hat sich allerdings im Lauf der Zeit auf 100 Tiere reduziert. Nun soll das 1.800 Quadratkilometer große Reservat revitalisiert werden.

Die Umsiedelung der Dickhäuter verlangt den Verantwortlichen alles ab. Die Aktion wird von der NGO African Parks mit Sitz in Südafrika geleitet. Die Tiere werden vom Helikopter aus betäubt und dann per Kran auf Lastwägen gehoben, die sie nach Nhkotakota bringen.

Im Reservat wurde ein spezielles Ankunftsgehege eingerichtet. Laut Samuel Kamoto, dem für Nkhotakota zuständigen Manager von Africa Parks, wurde dieser Platz mit höchster Sorgfalt gewählt: Im geschützten Gehege gibt es genügend Wasser, Nahrung und Unterstände für die Grauhäuter.

"Wir lassen die Elefanten zu Beginn im Gehege, damit sie sich ausruhen können und die Familien wieder zusammenfinden", erklärt Kamoto. "Wenn wir sie sofort in die Freiheit entlassen würden, wären sie verwirrt."

Dialog mit der lokalen Bevölkerung

Die Umsiedelung nach Nhkotakota wurde auch deshalb notwendig, weil der Liwonde-Nationalpark mit einer Fläche von 548 Quadratkilometern relativ klein ist. Die große Dichte an Elefanten hatte dort bereits zu schweren Schäden der Vegetation geführt, es kam in der Folge immer häufiger zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung.

Diese Konflikte sollen in Nhkotakota von vornherein ausgeschlossen werden. Nachdem African Parks das Reservat im Juli letzten Jahres von der malawischen Regierung übernommen hatte, wurde sofort der Dialog mit der lokalen Bevölkerung gesucht. Traditionelle Entscheidungsträger aus den vier angrenzenden Bezirken Nkhota, Mzimba, Ntchisi und Kasungu werden direkt in die Entscheidungen miteinbezogen.

"Zusammen mit den Menschen vor Ort haben wir eine gute partnerschaftliche Zusammenarbeit mit African Parks etabliert", sagt Malijani Kachombo, die Traditionelle Authorität des Dorfes Mphonde im Bezirk Nkhota. Die Elefanten wären mit einem Zaun gut gesichert, die lokalen Gemeinden würden Eigentumsanteile am Reservat erhalten, betont Kachombo.

Neben den Elefanten findet auch eine stattliche Anzahl weiterer Tiere in Nkhotakota eine neues Zuhause, darunter zwei Nashörner, 23 Zebras, 25 Elenantilopen, 220 Wasserböcke und 284 Impalas.

Hälfte des Lebensraums verloren

Nach Angaben des World Wildlife Fund (WWF) sind Elefanten in Afrika immer noch stark gefährdet. Hauptgründe dafür sind die Jagd nach Elfenbein, Konflikte zwischen Mensch und Tierwelt und die Einschränkung des Lebensraums. Seit 1979 haben die afrikanischen Elefanten lauf WWF die Hälfte ihres natürlichen Einzugsgebiets verloren. Weniger als 20 Prozent der Lebensräume von Elefanten sind derzeit in Afrika unter Schutz gestellt.

"Die meisten Geschichten, die wir über Elefanten in Afrika hören, sind geprägt von Vernichtung und Untergang", meint Peter Fearnhead, Geschäftsführer von African Parks. "Die Umsiedelung von 500 Elefanten ist ein entscheidender Moment für Malawi, die sich als führende Nation im Schutz von Elefanten präsentiert. Es ist nun eine Geschichte über Hoffnung und Überleben."

Die Umsiedlung der Elefantenpopulation dauert sieben Wochen und kostet über 1,4 Millionen Euro. Die notwendigen Finanzmittel wurden mit Unterstützung der Dutch Postcode Lottery, der People's Post Code Lottery, der Wyss Foundation, der Wildcat Foundation, der Dioraphte und von Donna und Marvin Schwartz aufgebracht. (afr/IPS)

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