Malawi: Fischereiverbot soll Buntbarsche retten

Überfischung des Malawisees treibt Händlerinnen in den Ruin

Von Mabvuto Banda | 08.01.2019

Mangochi (IPS/afr). Der Malawisee, der drittgrößte See Afrikas, ist für viele Fischerfamilien die wirtschaftliche Lebensader. Die Überfischung gefährdet nun die Existenz der kleinen Betriebe. Die Regierung hat Rettungsmaßnahmen ergriffen.

Die Fischhändlerin Judith Twaili vor leeren Trockengestellen (Bild: Mabvuto Banda/IPS)

Der Malawisee beherbergt die größte Anzahl an endemischen Fischarten der Welt: 90 Prozent der fast 1.000 Arten im See sind nur hier zu finden. Der überwiegende Teil sind Buntbarsche, von denen dem Chambo eine besonders hohe Bedeutung zukommt: Der Speisefisch ist ein wichtiger Proteinlieferant und eine Ernährungsgrundlage für die Bevölkerung am See.

Allerdings sind die Bestände im Malawisee in Folge von Überfischung im Laufe der Jahre dramatisch geschrumpft. Betroffen sind vor allem Frauen, die vom Fischhandel leben. Ein Beispiel dafür ist Judith Kananji aus dem Lakeshore-Viertel in Mangochi, einer Stadt am südlichen Zipfel des Sees. Kananji erzählt, dass sie den Handel mit Fischen aufgegeben habe, weil er immer weniger lukrativ geworden sei.

"Das Problem ist, dass nur noch kleine Fische erhältlich sind, die obendrein viel zu teuer sind", sagt Kananji. Früher konnte sie mit größeren Fischen gute Gewinne erzielen. Ihr Kapitaleinsatz hat sich in den letzten acht Jahren aber vervielfacht: Im Jahr 2010 bezahlte sie für den Ankauf von Fischen 137 US-Dollar. Heute muss sie für die gleiche Gewichtsmenge 1.095 Dollar aufbringen.

Die "Southern African Development Community" (SADC) bestätigt den Rückgang der Fischmenge. Laut ihrem Bericht haben Fischer vor wenigen Jahren täglich bis zu 5.000 Fische gefangen. Heute beträgt die Ausbeute manchmal sogar weniger als 300 Fische.

Kananji vermutet, dass der Rückgang an Speisefischen vor allem auf die wachsende Anzahl von gewerblichen Kuttern zurückzuführen sei. Für die Experten der SADC liegt ein Grund aber auch am fallenden Wasserspiegel des Sees, der durch Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Abholzung verursacht wird.

Händlerinnen und Kinder leiden

"Leider sind vor allem wir Frauen betroffen", erzählt Kananji. "Wir werden aus dem Geschäft gedrängt, weil die Fischer bei kleinen Fangmengen die Preise erhöhen, um ihre Betriebskosten zu decken. Das wirkt sich zu unserem Nachteil aus, da die Fischpreise auf dem Markt relativ niedrig sind."

Wie Judith Kananji hat auch Chrissy Mbatata von der Dorfbank ein Darlehen erhalten, um ihren Fischhandel aufzubauen. Derzeit hat Mbatata allerdings Schwierigkeiten, die laufenden Kreditraten zu tilgen.

"Am Anfang war es einfach für mich, den Kredit zu bedienen und meine Familie zu unterstützen", sagt Mbatata. "Ich habe gutes Geld verdient. Nun ist es sogar schwer, kostendeckend zu arbeiten. Ich weiß nicht, woher ich das Geld für die Rückzahlung des Darlehens aufbringen soll."

Die schwindende Fischmenge betrifft aber nicht nur die Familienbetriebe. Die Ernährungssicherheit von rund 1,5 Millionen Menschen hängt von den Fischen im Malawi-See ab. Laut Angaben der UNICEF ist es vor allem um die Ernährungssituation der Kinder schlecht bestellt: 46 Prozent sind im Wachstum zurückgeblieben, 21 Prozent sind untergewichtig.

"Der Chambo war für uns die billigste Eiweißquelle", sagt die vierfache Witwe Angela Malajira, "jetzt ist er ein Luxus, den wir uns nur noch am Monatsende leisten können. Ein einzelner Fisch kostet 2,4 US-Dollar."

Fischereiverbot greift

Die Regierung hat gemeinsam mit Fischereiverbänden Maßnahmen ergriffen. Im November und Dezember ist die Fischerei auf dem Malawisee untersagt, damit sich der Fischbestand erholen kann. Die Anrainergemeinden gehen sogar weiter und haben das Fischereiverbot auf fünf Monate bis Ende März ausgedehnt.

Das Verbot wird von den Fischereiverbänden mit Verständnis aufgenommen, wie Malufu Shaibu, stellvertretender Dorfvorsitzender von Makanjira Beach, bestätigt. Die Bewertung des fünfmonatigen Fischereiverbots habe gezeigt, dass das Fischvolumen in dieser Zeit deutlich zunahm. Shaibu tritt dafür ein, dass das Fischereiverbot auf sechs Monate verlängert wird.

Doch wie Judith Kananji beklagt auch Shaibu, dass sich kommerzielle Fischereibetriebe nicht immer an das Verbot halten. Verstöße werden allerdings mit einer Geldstrafe von 1.095 US-Dollar oder 60 Monaten Gefängnis mit harter Arbeit geahndet. Den Fischereiinspektoren am Malawisee sind bereits mehrere Schwarzfischer ins Netz gegangen. (Ende)

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