Malawi: Abwertung trifft Arme und die Mittelklasse

Export soll angekurbelt werden

Von Claire Ngozo | 31.05.2012

Lilongwe. Auf Anraten der Wirtschaft und internationaler Geber und in der Hoffnung, den Außenhandel anzukurbeln, hat Malawis Präsidentin Joyce Banda die Landeswährung massiv abgewertet. Die Verbraucher sind geschockt, zumal sich seitdem Grundnahrungsmittel, Strom und Treibstoffe drastisch verteuerten. 75 Prozent der mehr als 14 Millionen Malawier müssen mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag auskommen.

Am 7. Mai beschloss Banda, den Wert des US-Dollars gegenüber dem Kwacha von bisher eins zu 168 auf eins zu 250 anzuheben. Die Verbraucher reagierten mit Panikkäufen von Grundnahrungsmitteln wie Maismehl, Reis und Speiseöl, die sich um durchschnittlich 50 Prozent verteuerten. Am 11. Mai wurden zudem die Strom- und Benzinpreise um 63 beziehungsweise 30 Prozent angehoben.

"Die Abwertung macht uns noch ärmer", klagt Mada Mayuni. "Unsere Gehälter sind unverändert, wie soll man da so viel mehr für Maismehl bezahlen?" Die Witwe muss für sieben Kinder im Alter von vier bis 16 Jahren sorgen. Sie arbeitet als Schreibkraft für den Staat in der Hauptstadt Lilongwe. "Mein Gehalt reicht gerade mal für die Fahrtkosten ins Büro", sagt sie. Jetzt überlegt sie, aufs Land zu ziehen und ihre Familie mit einer kleinen Landwirtschaft durchzubringen.

"Es sind die Durchschnittsbürger, die die Abwertung des Kwacha zu spüren bekommen", bedauert Matthew Chikankheni, Präsident der Industrie- und Handelskammer, die alle Unternehmen und Wirtschaftsverbände Malawis vertritt. "Dank dieser notwendigen Maßnahme werden die Exporteure mehr verdienen können", hofft er. Das Land werde von der Abwertung profitieren und mehr exportieren.

Immer wieder hatten der Internationale Währungsfonds (IWF) und einheimische Wirtschaftsexperten Bingu wa Mutharika, den Amtsvorgänger von Präsidentin Banda, aufgefordert, die Landeswährung abzuwerten und damit den Niedergang der Wirtschaft aufzuhalten. Doch dazu war der 78-Jährige Mutharika bis zu seinem Tod Anfang April nicht bereit.

Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit sexuellen Minderheiten wie Lesben, Schwulen und Transsexuellen sorgten dafür, dass Geberstaaten ihre für Malawi bestimmten Gelder von bis zu 400 Millionen Dollar einfroren. Washington blockierte die Auszahlung eines 350-Millionen-Dollar-Kredits. Malawis Regierung bestreitet ihr Budget zu 40 Prozent aus Gebermitteln.

Die jetzt vorgenommene Abwertung gilt als Indiz für die Bereitschaft der Regierung in Lilongwe, die Verhandlungen mit dem IWF wieder aufzunehmen. Sie werde die Nachfrage nach einheimischen Gütern stärken und die Verbraucher davon abbringen, teure Importwaren zu kaufen, meint Chikankheni. Zudem werde Malawi mehr Devisen verdienen und der wirtschaftliche Aufschwung allmählich auch bei der Bevölkerung ankommen.

Abwertung durch stützende Strategien begleiten

Nach Angaben der Statistikbehörde importiert Malawi derzeit jährlich elektronische Güter, Lebensmittel und Möbel im Wert von schätzungsweise zwei Milliarden Dollar. Exportiert werden Agrarprodukte, hauptsächlich Tabak (60 Prozent), aber auch Tee, Zucker und Erdnüsse, die 1,2 Milliarden Dollar einbringen.

Auch Dalitso Kubalasa, Direktor des Netzwerks für Wirtschaftsgerechtigkeit in Malawi, das mehr als 100 Zivilorganisationen vertritt und sich für gute Wirtschaftsführung einsetzt, betont, die Abwertung der einheimischen Währung treffe zwar die Armen und Mittelklasse besonders hart. Doch stärke sie die Konkurrenzfähigkeit malawischer Exportgüter auf dem Weltmarkt. Kurzfristig werde die Nachfrage nach Exporten aus Malawi steigen. Auf lange Sicht sei mit der Ankurbelung der Produktion zu rechnen und damit auch mit mehr Exportgütern, die mehr Devisen einbrächten, meint er.

Die ständig steigenden Preise hätten Importgüter für viele Verbraucher unerschwinglich gemacht, berichtet Kubalasa. Jetzt könnten Malawier eher daran denken, teure Importe durch einheimische Produkte zu ersetzen und die Nachfrage nach malawischen Gütern zu stärken. Das wäre auch ein Ansporn für die Industrie im Land, unterstreicht er.

"Auch wenn wir schwierige Zeiten hinter uns haben und uns auf noch härtere Zeiten einstellen müssen, ist eine Alternative nicht in Sicht", erklärt der Experte. "Es musste ganz schnell etwas geschehen, um den Niedergang der Wirtschaft zu stoppen." Allerdings sei es mit der Abwertung allein nicht getan. Um sie effizient zu machen, müsse sie durch Strategien und gut durchdachte, stützende Maßnahmen ergänzt werden. (afr/IPS)

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