Kongo: AIDS-Programme laufen aus

Regierung fordert Engagement von Unternehmen

Von Arsène Séverin | 25.02.2013

Brazzaville. In der Republik Kongo laufen Ende des Jahres etliche international geförderte Anti-AIDS-Programme aus. Die Programme haben teilweise große Erfolge erzielt. Nach Vorstellungen der Regierung sollen die gutverdienenden privaten Erdöl-, Bergbau- und Holzunternehmen in die Bresche springen und einen Teil der Finanzierung leisten.

Christine Loumboussi ist froh, dass es das Programm gegen die Übertragung von HIV von Müttern auf ihre Kinder (ETME) gibt. "Ich wurde kostenlos behandelt und habe Milch für mein Baby bekommen", erzählt die 26-Jährige. Vor drei Jahren hatte sie einen Mikrokredit von umgerechnet 120 Dollar erhalten, um als HIV-positive Mutter über die Runden zu kommen.

Andere Frauen haben erst durch einen Test in einer mobilen Gesundheitsstation von ihrer HIV-Infektion erfahren. "Dank ETME sind meine dreijährige Tochter und ich noch am Leben, und es geht uns gut", berichtet Irène, die ihren Nachnamen nicht nennen will.

In dem zentralafrikanischen Land wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Rate der HIV-Infizierten und AIDS-Kranken zu drücken: von 4,2 Prozent im Jahr 2007 auf 3,1 Prozent im vergangenen Jahr. Dank einer mobilen Einsatzstation mit freiwilligen Helfern, die seit 2009 mit 215.000 US-Dollar betrieben wird, haben Hunderte Menschen erst von ihrer HIV-Infektion erfahren.

HIV-Infektionen deutlich reduziert

2007 konnten sich schwangere Frauen nur in landesweit 14 Gesundheitszentren testen lassen. Heute gibt es 124 dieser Zentren. "Wir stellen fest, dass die Zahl der HIV-Infektionen zurückgegangen ist und weiter sinkt", erklärt Marie Francke Puruenhce, die Exekutivsekretärin des Nationalen Rats zur AIDS-Bekämpfung (CNLS).

Bei den Schwangeren ist der Anteil der HIV-Überträgerinnen von 3,4 Prozent in 2008 auf 2,8 Prozent 2012 gesunken. Mahamat Goadi Louani, der das Weltbank-Projekt zur Bekämpfung von HIV/AIDS in der Hauptstadt Brazzaville leitet, führt diese Erfolge auf neue Strategien zurück. Dazu gehören neben den freiwilligen Tests auch die Prävention der Virusübertragung von Müttern auf ihre Kinder und die Behandlung infizierter Menschen.

Nach Angaben des Experten haben Schüler und Studenten 600.000 Lehrbücher erhalten, die über AIDS-Gefahr aufklären. Außerdem wurden 2012 mehr als 6.200 Soldaten und Polizisten über die Krankheit informiert. Im Jahr 2004 waren im Kongo gerade einmal rund 500 AIDS-Waisen versorgt worden. Mit Hilfe der Weltbank konnten inzwischen mehr als 12.000 in das Programm aufgenommen werden.

Zudem hat die Regierung im vergangenen Jahr erstmals die HIV-Verbreitung unter Risikogruppen wie Prostituierten und Strafgefangenen untersucht. Die Ergebnisse stehen noch aus.

Im Juni 2011 trat ein Gesetz in Kraft, das die Rechte HIV-positiver Menschen stärkt. Im Rahmen eines nationalen Programms zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung finanzierten Regierung und Weltbank zu gleichen Teilen ein 20 Millionen Dollar teures Projekt.

Zwischen 2004 und 2012 hat die Weltbank in dem afrikanischen Land Programme im Umfang von 25 Millionen Dollar finanziert. Der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria stellte dem Kongo 2011 mehr als 35 Millionen Dollar zur Verfügung. Ende Dezember 2012 sind jedoch alle Finanzierungen ausgelaufen. Viele Menschen, denen bereits geholfen worden ist, befürchten nun, allein dazustehen.

UNAIDS hält mehr Finanzmittel für notwendig

Michel Bitemo, Berater des UN-Programmes UNAIDS, ist der Meinung, dass noch größere finanzielle Anstrengungen als bisher notwendig sind, um die AIDS-Bekämpfung im Kongo weiter voranzutreiben.

Nach Ansicht von Jean Lucien Atondou, Leiter der Vereinigung 'Congo plus', gibt es für ein Land wie den Kongo mit Erdöleinnahmen in Milliardenhöhe keinen Grund, die erfolgreichen Maßnahmen gegen AIDS einzuschränken.

Im vergangenen Dezember hat die Regierung einen nationalen Rat zur AIDS-Bekämpfung gegründet, der durch den Staat sowie private Erdöl-, Holz- und Bergbauunternehmen finanziert wird. "Die Regierung bleibt der größte Beitragszahler", erklärt Puruenhce. "Nun müssen aber auch andere Partner ihren Teil leisten." (Ende)

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