Kenia: Wälder als Entwicklungschance

UN-Initiative REDD+ sorgt für Aufschwung im Süden

Von Peter Kahare | 01.09.2014

Kasigau. Als Mercy Ngaruiya vor zehn Jahren nach Kasigau im Südosten Kenias zog, war von den Wäldern nicht viel übrig geblieben. Der Einschlag von Büschen und Bäumen hatte die Region zu einem Trockengebiet gemacht. "Bei meiner Ankunft wuchs auf meiner Farm kein einziger Baum", erinnert sie sich.

"Es war heiß und der Zugang zu Frischwasser begrenzt", fährt Ngaruiya fort. "Es herrschten Armut und Arbeitslosigkeit, und Bildung und Gesundheitsversorgung waren mangelhaft."

Auch Mike Korchinsky von 'Wildlife Works', einem Unternehmen zur Umsetzung von REDD+-Projekten, kann sich noch gut an die Zeit des Niedergangs erinnern. "Als ich hierher kam, konnte man ununterbrochen hören, wie die Menschen mit Äxten die Bäume fällten", sagt der Firmenchef. "Das war doppelt schlimm. Denn zum einen wurden Klimagase freigesetzt, die Jahrhunderte lang von den Bäumen gespeichert worden waren, und zum anderen gab es nichts mehr, was das von Menschen produzierte CO2 hätte binden können."

REDD+ ist eine UN-Initiative zum Schutz der Wälder, die Kompensationszahlungen für überprüfbare CO2-Emissionsreduzierungen durch Waldschutzmaßnahmen, nachhaltige Agrar- und Waldbewirtschaftungsformen und die Verbesserung der Wirtschaftslage von Waldbewohnern vorsieht.

Zwischen Tsavo Ost und Tsavo West im Bezirk Voi 150 Kilmeter nordwestlich der Küstenstadt Mombasa hat sich Kasigau dank seiner boomenden 'grünen' Wirtschaft wie der Phönix aus der Asche erhoben. Die Region mit fast 100.000 Menschen befindet sich auf Wachstumskurs, seitdem das von Wildlife Works 2004 durchgeführte REDD+-Projekt im Kasigau-Korridor Früchte trägt.

"Die Natur erholt sich wieder"

"Die Dinge verändern sich, seitdem sich unser Dorf zur Mitarbeit am Umweltschutz bereiterklärt hat", erklärt Ngaruiya. "Die Natur erholt sich wieder." Der Wald im Kasigau-Korridor wird immer größer und das REDD+-Projekt trägt dazu bei, dass tausende Menschen ihr Zerstörungswerk an den Wäldern eingestellt haben und stattdessen einem nachhaltigen Lebensunterhalt nachgehen.

Derzeit generiert das Kasigau-REDD+-Projekt durch den Handel mit CO2-Zertifikaten, die an der Afrikanischen Kohlenstoffbörse für acht US-Dollar pro Tonne CO2 gehandelt werden, mehr als eine Million Dollar jährlich. Ein Drittel der Einnahmen geht in Entwicklungsprojekte und in Einkommen schaffende grüne Initiativen wie die Herstellung von Ökokleidung, Agrowaldwirtschaft und die Produktion künstlicher Kohle. Ein Teil wird an kenianische Landeigentümer ausgezahlt, die ihre Bäume beziehungsweise Wälder schützen.

"Wir sind nicht länger gezwungen, aus unseren Bäumen Holzkohle zu machen. Wir nutzen Biogas und Ökokohle aus getrockneten Blättern. Wir können kochen, ohne unsere natürlichen Ressourcen zu opfern", meint Nicoleta Mwende, eine Frau aus der Region.

Chief Pascal Kizaka ist der offizielle Verwalter des Kasigau-Projekts. Wie er gegenüber IPS bestätigt, hat sich REDD+ als Armutsbekämpfungsmaßnahme bewährt. "Neben dem ökologischen Nutzen hat uns REDD+ die Mittel für den Bau von 20 modernen Klassenräumen in örtlichen Schulen, für Stipendien für 1.800 Schüler, ein Gesundheitszentrum und für ein Industrievorhaben verschafft", betont Kizaka. "Dadurch hat sich unser Lebensstandard verbessert."

Die Kasigau-Initiative ist das erste verifizierte REDD+Projekt in Kenia, durch das die Bewohner der Region an Maßnahmen zum Schutz ihrer natürlichen Ressourcen verdienen.

Der Handel mit CO2-Zertifikaten steckt in Kenia allerdings noch in den Kinderschuhen. Doch nach Ansicht von Alfred Gichu, Wald- und Klimaexperte beim Kenianischen Forstdienst, einer staatlichen Einrichtung zum Schutz und Management der Wälder, sieht die Zukunft des Handels mit CO2-Zertifikaten rosig aus. 16 solcher Projekte werden bereits umgesetzt, und 26 weitere befinden sich im Registrierungsprozess.

"Von den 26 sind 19 energiebezogen wie das Erdwärme-Entwicklungs-Unternehmen. Bei sieben handelt es sich um Wiederaufforstungsprogramme", erläutert Gichu. Die Regierung setze ihre Hoffnungen insbesondere auf den ausgedehnten Mau-Wald im kenianischen Rift Valley.

In Sachen Waldschutz gehört Kenia zu den Ländern, in denen sich konkrete Maßnahmen ausgezahlt haben, wie der Bericht 'Deforestation Success Stories 2013' der 'Tropical Forest and Climate Initiative' bestätigt. Der Report führt auch das Kasigau-Korridor-REDD+-Projekt als Erfolgsgeschichte an und weist darauf hin, dass die Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Credits Ende 2012 bei 1,2 Millionen Dollar lagen.

Wie dem Bericht 'Emissions Gap 2013' des UN-Umweltprogramms UNEP zu entnehmen ist, haben die bewaldeten Flächen deutlich an Raum gewonnen. Das sei einem Sammelsurium an Maßnahmen wie dem Pflanzen von Bäumen auf Farmen, Schulhöfen und auf dem Gelände öffentlicher Einrichtungen, den Einschlagsverboten in öffentlichen Wäldern und der Sensibilisierung der Bevölkerung durch staatliche und nichtstaatliche Akteure zu verdanken.

Mangel an Expertise und Geldern

Allerdings gilt es noch eine Reihe von Herausforderungen zu meistern, die der Entwicklung der REDD+Projekte hinderlich sind. Moses Kimani, der Leiter der Afrikanischen Kohlenstoffbörse, bedauert in diesem Zusammenhang den Mangel an Expertise und Finanzmitteln.

Auf der UN-Klimakonferenz in Polen im letzten Jahr verständigten sich die Teilnehmer auf einen Rahmen für REDD+ und sagten Finanzierungshilfen in Höhe von 280 Millionen Dollar zu. Doch Umweltschützer kritisieren, dass es an konkreten Mechanismen fehlt, damit die Dividenden dieser Anpassungsfonds auch bis zu den lokalen Gemeinschaften durchdringen.

Dem Naturschützer John Maina zufolge ziehen die Kenianer, die diese Projekte durchführen, häufig gegenüber den Händlern den Kürzeren. "Die Regierung, Zivilgesellschaft und Nichtregierungsorganisationen müssen zusammenarbeiten, um die Regulierungsmechanismen zu stärken und die Kenianer über die CO2-Projekte umfassend zu informieren und auf Finanzierungsmöglichkeiten hinzuweisen." (afr/IPS)

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