Kenia: Vermehrte Landwirtschaft in Wassereinzugsgebieten

Starke Bedrohung für den natürlichen Ressourcenreichtum

Von Miriam Gathigah | 02.05.2014

Nairobi. Peter Gichangi besitzt im Landkreis Nyeri in Kenias Zentralprovinz ein vier Hektar großes Grundstück, auf dem er Gemüse und Pfeilwurz anbaut. Wenn der nahe gelegene Fluss Nduyi über seine Ufer tritt, sind die Verluste vergleichsweise gering. "Sowohl die Ernten als auch die Einnahmen aus dem Verkauf sind in der Regel ausgezeichnet", freut er sich.

Doch Gichangi gehört zu einer zunehmenden Zahl kommerzieller Bauern, die ihre Landwirtschaft in Wassereinzugsgebieten betreiben und deshalb dem Ministerium für Umwelt, Wasser und natürliche Ressourcen ein Dorn im Auge sind. In dem ostafrikanischen Land produzieren die Kleinbauern mindestens 75 Prozent der Agrarprodukte.

"Der Run auf immer knapper werdende Böden und eine miederschlagsabhängige Landwirtschaft haben dazu geführt, dass immer mehr Farmer in die Wassereinzugsgebiete ausweichen", berichtet Nancy Mumbi, eine staatliche Agrarberaterin in der Zentralprovinz. Dieses Phänomen sei vor allem im Rift Valley, dem Brotkorb des Landes, und in Zentralkenia verbreitet. Mumbi zufolge versucht die Regierung der Praxis mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 600 US-Dollar und/oder bis zu sechsmonatigen Gefängnisstrafen gegenzusteuern.

Nationale Strategie erforderlich

Ken Muchai aus dem Umweltministerium fürchtet bereits, "dass wir ohne eine nationale Naturressourcen-Managementstrategie unsere kostbaren Naturressourcen einbüßen werden". In den nächsten 20 Jahren könnten die letzten Löwen des Landes verschwunden sein. "Jedes Jahr sorgen Konflikte zwischen Mensch und Tier für den Verlust von 100 Löwen." Muchai verweist auf einen geplanten Entwicklungs- und Managementplan, der Antworten auf diese Fragen finden soll. Außerdem gebe es viele andere Teilmaßnahmen, mit denen man versuche, Umweltschutz und verantwortliches Umweltmanagement voranzubringen.

Schätzungen zufolge verfügt das Land über mindestens 90 Gesetzesregelungen zum Schutz der nationalen Ressourcen. Doch nach Ansicht von Experten sind sie viel zu schwach, um der Herausforderung eines nachhaltigen Ressourcenmanagements gewachsen zu sein.

Auch nach Ansicht von Kevin Kinusu, Klima- und Energieberater bei 'Hivos', einer niederländischen Entwicklungsorganisation, haben sich die Gesetze als unwirksam herausgestellt. "Die marktwirtschaftlichen Akteure übersehen die Bedeutung, die einem nachhaltigen Management der natürlichen Ressourcen zukommt", sagt er. Kinusu verurteilt den "derzeitigen Wahn, Grundstücke für den Immobilienmarkt zu entwickeln", So würden Feuchtgebiete im Landkreis Nairobi, Teile des Landkreises Kiambu und viele andere Regionen in Wohnsiedlungen umgewandelt.

Zwar gibt es einen Atlas mit den Feuchtgebieten des Landes und einen Management-Masterplan für Wassereinzugsgebiete. Doch eine umfassende Strategie zum Schutz der für die Wasserversorgung wichtigen Feuchtgebiete sei nicht vorhanden, moniert Kinusu. Der wahre Wert der geschützten Gebiete werde einfach nicht geschätzt. Außerdem gehe die Entscheidung, marktwirtschaftlichen Überlegungen den Vorzug zu geben, zu Lasten der ökologischen Gesundheit und der natürlichen Ressourcen.

Zahnloses Gesetz

Kinusu zufolge fehlt es allerdings nicht an Erfolgsgeschichten, was die Wiederherstellung des natürlichen Reichtums angeht. Dazu gehört die Wiederherstellung des Mau-Waldes, dem größten der fünf kenianischen Wassertürme. Außerdem ist die Walddecke nach einem Rückgang um zwei Prozent wieder um sechs Prozent gewachsen.

Duncan Okowa vom unabhängigen 'Institute for Law and Environmental Governance' (ILEG) bedauert, dass das Gesetz für Umweltmanagement- und –koordination aus dem Jahr 1999 nicht als politischer Rahmen genutzt wurde. Inzwischen ist es veraltet und in Teilgesetzen wie dem Wassergesetz von 2002, dem Waldgesetz von 2005 und dem Landgesetz von 2012 aufgegangen.

Zudem gibt es in der Verfassung von 2010 Auflagen, die keinen Eingang in die Landesgesetze gefunden haben. Dem kenianischen Grundgesetz zufolge müssen die Gemeinden im Mittelpunkt des Naturressourcenmanagements stehen, doch werden bis heute noch viele dieser Vorgaben von der Milliarden Dollar schweren Bergbauindustrie ignoriert. Die Verträge zwischen Staat und Unternehmen begünstigten meist die Unternehmen, da sie im Rahmen des archaischen Erdölgesetzes von 1986 geschlossen worden seien, bestätigt Samuel Kimeu, Exekutivdirektor des Kenia-Büros der Anti-Korruptions-Organisation 'Transparency International'. (afr/IPS)

| Tags: , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus