Kenia: Unterernährung in der Kornkammer

Wichtige Agrarinvestitionen ausgeblieben

Von Miriam Gathigah | 17.02.2014

Nairobi. Jane Njeri lebt mit ihren fünf Kindern in Mukurweini, einem halbariden Bezirk in der kenianischen Zentralprovinz. Da hier im Jahr nie mehr als 200 Millimeter Regen niedergehen, fallen die Ernten meist mager aus. Die Bäuerin greift dann auf wilden Maniok zurück. Aufgrund der schlechten Maisernte in es um die Ernährungssituation in allen Teilen des Landes schlecht bestellt.

Njeris Kinder, die alle unter zehn Jahre alt sind, könnten nicht verstehen, warum der Tisch so häufig leer bleibe, berichtet die Mutter. "Wenn sie abends vor lauter Hunger nicht einschlafen können, sage ich ihnen, dass es Maniok gibt. Da sie inzwischen wissen, dass es eine Weile dauert, bis die Knollen durch sind, schlafen sie hin und wieder sogar ein."

Doch nicht nur Mukurweini leidet unter Dürre und Nahrungsmittelknappheit. Besonders schlimm ist die Lage in den Trockengebieten. Im Kreis Turkana in der Provinz Rift Valley sind 400.000 Menschen, die Hälfe der lokalen Bevölkerung, vom Hunger bedroht. Landesweit ist ein Viertel der kenianischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln unterversorgt, 1,7 Millionen Menschen, so das Kenianische Agrarforschungsinstitut (KAR), drohen Hunger und Tod.

Aufgrund der schlechten Maisernte herrscht nirgendwo im Land Ernährungssicherheit. Mais ist das Grundnahrungsmittel in Kenia. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO warnt, das dem Land zehn Millionen Sack Mais fehlen und die Dürre im August ihren Höhepunkt erreichen wird.

Die Agrarexpertin Mary Abukutsa-Onyango macht die Abhängigkeit des Landes von der bewässerungsabhängigen Landwirtschaft für Kenias Ernährungskrise verantwortlich. Den offiziellen Angaben zufolge werden bisher nur knapp sieben Prozent der Agrarflächen bewässert. Die Pläne der Regierung, mindestens eine halbe Million Hektar insbesondere in den ariden und semiariden Gebieten zu bewässern, kommen nicht wirklich voran.

Abukutsa-Onyango, Professorin für Gartenbauwirtschaft an der Jomo-Kenyatta-Universität für Landwirtschaft und Technologie, verweist auf das 2009 gestartete Todonyang-Projekt zur Bewässerung von 12.000 Hektar Land in der Nordostprovinz, das zum Erliegen kam. Das ist besonders bedauerlich, wenn man bedenkt, dass die Regierung im vergangenen September in Turkana auf 250 Milliarden Kubikmeter Frischwasser gestoßen ist, das die Region 70 Jahre lang versorgen könnte.

Indigene Nahrungsmittelpflanzen übersehen

Abukutsa-Onyango bemängelt die Fokussierung des Anbaus auf Mais. "Wir sind davon abgekommen, Sorghum, Fingerhirse, Maniok, Süßkartoffeln, Bambara-Erdnüsse, indigenes Gemüse und Obst zu pflanzen. Dabei können sie in vielen Teilen des Landes gedeihen und die Menschen ernähren", erläutert sie.

Die Expertin für Ernährungssicherheit Winnie Mapenzi macht eine Vielzahl von Gründen dafür verantwortlich, dass sich die Kleinbauern, die drei Viertel des Binnenmarktes mit Nahrungsmitteln versorgen, nicht in der Lage sahen, genug zu produzieren.

"Ihr Zugang zu Düngemitteln, Finanzdienstleistungen und Infrastrukturen ist begrenzt", kritisiert sie. Dadurch bleibe den Kleinbauern der Zugang zu den Märkten versperrt, auf dem sie ihre Überschüsse verkaufen könnten. Da es nicht genügend Speichermöglichkeiten gebe, verrotte ein Teil der Ernten.

Auch hat Kenia zu wenig in den Agrarsektor investiert, obwohl es zu den 53 afrikanischen Staaten gehört, die 2003 das Umfassende Afrikanischen Agrarentwicklungsprogramm zur Beschleunigung des Wachstums und zur Verringerung von Massenarmut, Ernährungsunsicherheit und Hunger unterzeichnet haben. In dem Abkommen kamen die Länder überein, mindestens zehn Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Landwirtschaft auszugeben. Doch im Finanzjahr 2012/13 investierte Kenia nur 3,6 Prozent seines BIP in den Sektor.

Hinzu kommt, dass vorhandene Mittel zurückgehalten wurden. So gab das Landwirtschaftsministerium nur 61 Prozent seines letztjährigen Etats aus. Obwohl KARI noch nicht einmal ein Prozent des kenianischen Haushalts erhält, konnte das Institut eine Reihe dürreresistenter Getreidesorten entwickeln. Dass sie von den Kleinbauern nicht verwendet werden, begründet Abukutsa-Onyango mit den Kosten. "Für die meisten Bauern ist das Hybridsaatgut unbezahlbar." (afr/IPS)

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