Kenia: Terroranschläge verunsichern Investoren

Hoher Schaden für Wirtschaft erwartet

Von Brian Ngugi | 10.12.2012

Nairobi. Die Welle der Gewalt, die in den vergangenen Monaten über Kenia hereingebrochen ist, hat der Wirtschaft des Landes schweren Schaden zugefügt: Investoren verhalten sich zögerlich, viele Touristen haben ihre Reisen storniert. Auch haben die Terroranschläge mutmaßlicher Islamisten dazu geführt, dass sich der Hass der Bevölkerung gegen somalische Händler richtet.

Das wahre Ausmaß des Schadens für die Wirtschaft ist zwar nicht bekannt. "Schlüsselbereiche büßen aber wegen der beispiellosen Gewalt eindeutig Einnahmen ein", berichtet Abdi Mohammed, Analyst bei der Firma 'Stanbic Management Service'.

Während des vergangenen Jahres hat das ostafrikanische Land eine Welle von Terroranschlägen auf Zivilisten erlebt, für die zumeist die militante islamistische Gruppe Al-Shabaab verantwortlich gemacht wurde. Diese Anschläge haben Länder wie Großbritannien und die USA dazu bewogen, Reisewarnungen für Kenia auszusprechen.

Nach Angaben von Polizeikommissar Mathew Iteere sind in Kenia seit Anfang des Jahres 58 Granatenangriffe verübt worden, die auf Sympathisanten von Al Shabaab zurückgeführt werden. 67 Menschen wurden dabei getötet und weitere 308 verletzt.

Wie Mohammed hervorhebt, wurde der Tourismus dadurch besonders schwer getroffen. Die Hochsaison im Dezember steht dem Land gerade bevor. Sollte die Instabilität weiter zunehmen, wird das ohnehin empfindliche Geschäftsklima auf lokaler und internationaler Ebene weiter geschädigt. "Wir verstehen, dass viele potenziellen Investoren überlegen, ob sie ihr Geld anderswo einbringen, wenn sich die Gewalt fortsetzt", meint der Analyst.

Einbußen von mehreren Millionen Dollar monatlich

Ähnlich argumentiert auch Johnson Nderi von der 'Suntra Investment Bank' in Nairobi. Die Wirtschaft des Landes verliere monatlich mehrere Millionen US-Dollar, erklärte er. Die rund um die Welt verbreiteten Berichte über gewaltsame Zwischenfälle in Kenia zerrütteten das erst kürzlich erstarkte Geschäftsklima, sagt er. Wie groß der Schaden ausfalle, werden erst später offensichtlich.

Der Minister für Innere Sicherheit, Katoo Ole Metito, erklärte kürzlich, der Terrorismus sei eine der größten Herausforderungen für die Sicherheitsbehörden. "Ich will den Kenianern versichern, dass wir entschlossen sind, gegen den Terrorismus im Land zu kämpfen. Und wir brauchen dazu ihre Unterstützung."

Kenianische Wirtschaftsführer ermahnten die Regierung, entschieden gegen die zunehmende Gewalt vorzugehen. "In den Unternehmen macht man sich ernsthafte Sorge über das, was im Land vor sich geht", sagt Vimal Shah, Vorsitzender der Kenianischen Fabrikantenvereinigung.

Patrick Obath von der Kenianischen Allianz des Privatsektors, sieht das Image des Landes als Wirtschaftsstandort international angekratzt. Dies können auswärtige Direktinvestitionen in Kenia verzögern, meint er. "Kenia ist ein sehr stabiles Land, aber angesichts dieser Sicherheitsgefahren werden wir in kurzer Zeit erleben, dass die Investitionen aufgeschoben werden."

Somalier als Sündenböcke

Im Land wächst derweil das Misstrauen gegen Ausländer, vor allem gegen Somalier. Mohammed Hirsi aus Eastleigh, einem Vorort von Nairobi, ist einer von Hunderten wohlhabenden Händlern aus Somalia, der unter den jüngsten Ereignissen zu leiden haben. Sein Supermarkt wurde geplündert, nachdem am 18. November bei einem Anschlag auf einen Bus sieben Passagiere getötet und weitere 30 verletzt worden waren. Daraufhin kam es tagelang zu Zusammenstößen, weil Einheimische somalische Immigranten für die Tat verantwortlich machten.

Außer Hirsis Supermarkt wurden weitere Geschäfte von Somaliern geplündert. Während der Auseinandersetzungen mussten etwa 30 Menschen im Nationalen Kenyatta-Hospital behandelt werden. Polizei und Militär patrouillierten auf den Straßen. Angst und Misstrauen gehen seither in der Bevölkerung um.

Er habe bei den Angriffen und Plünderungen viel Geld verloren, sagt der 64-jährige Hirsi verbittert. "Die langjährigen guten Beziehungen zwischen Somaliern und anderen Gemeinschaften sind geschädigt worden." Seiner Ansicht nach werden die Attacken auf Muslime und vor allem auf Somalier von "ignoranten Einzelpersonen" aus religiösen Gründen verübt. Hirsi und andere Händler leben nun in ständiger Furcht vor neuer Gewalt.

Kenianer werfen hingegen den Somaliern vor, Sympathisanten von Al Shabaab, die in ihrer Nachbarschaft leben, nicht bei der Polizei anzuzeigen. "Wenn sie behaupten, gesetzestreue Bürger zu sein, warum zögern sie dann, der Polizei kriminelle Elemente zu melden?" ereifert sich ein Mann.

Staatspräsident Mwai Kibaki und Regierungschef Raila Odinga haben sich inzwischen öffentlich zu den Zwischenfällen geäußert. Wie sie erklärten, wurden die Sicherheitsvorkehrungen landesweit verschärft, damit das laufende Verfahren der Wählerregistrierung ohne Gewalt fortgesetzt werden könne. (afr/IPS)

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