Kenia: Schwierige Zeiten in Makomboki

Produzenten in weltbekannter Teeregion rüsten sich gegen Klimawandel

Von Diana Omondi | 25.11.2015

Nairobi. Joseph Mwangi und seiner Frau Alice Muthoni bereitet es in letzter Zeit große Mühe, frühmorgens Tee zu pflücken. "Die Blätter sind mit Reif überzogen, und die Kälte schmerzt an den Händen." Das Ehepaar, das keine andere Einnahmequelle hat, kann inzwischen erst zwei Stunden später als üblich mit der Arbeit anfangen.

Teepflückerinnen im Hochland von Kenia (Bild: Kamweti Mutu, CC BY-NC-ND 2.0)

Heftiger Regen und Frost setzen den Teeproduzenten in Makomboki, einem der größten Anbaugebiete der Welt, schwer zu. Die für Ostafrika unüblichen Wetterphänomene werden auf den Klimawandel zurückgeführt.

"Früher habe ich täglich 70 Kilo Teeblätter geerntet, jetzt sind es nur noch 40 Kilo. Dadurch verdiene ich wesentlich weniger", berichtet Muthoni. Für zehn Kilo Teeblätter erhält sie umgerechnet einen US-Dollar.

Deutlicher Ernterückgang

Die Ernte wird an die Makomboki-Teefabrik geliefert. Produktionsmanager Evans Muchiri erklärt, dass die diesjährige Ernte aufgrund der Klimaveränderungen im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent gesunken sei.

In der Vergangenheit bot Kenia ideale Voraussetzungen für den Teeanbau: rote Vulkanböden und viel Sonne. Nicht zufällig ist das Zentrum des Landes die drittgrößte Teeanbauregion der Welt. Im Jahr 2013 hatte der Handel mit den aromatischen Blättern einen Anteil von 1,3 Milliarden Dollar am kenianischen Bruttoinlandsprodukt. Mehr als eine halbe Million Kleinbauern leben von diesen Geschäften.

Am besten gedeiht Tee in Bergregionen wie Makomboki auf einer Höhe von etwa 2.000 Metern. Voraussetzung sind Temperaturen zwischen 16 und 29 Grad Celsius sowie regelmäßiger Regen. Seit mehreren Jahren werden die Niederschläge allerdings immer unkalkulierbarer.

Laut einer Studie des kenianischen Instituts für Teeforschung erreichte die Produktion im Jahr 2012 den bisher niedrigsten Stand. Fast ein Drittel der Ernte ging verloren. "Die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Teebauern in Afrika sind bereits sichtbar", sagt Alexander Kasterine, Leiter der Abteilung für Handel und Umwelt am 'International Trade Centre' (ITC). "Steigende Temperaturen und extreme Wetterbedingungen schmälern die Produktivität."

Anbaugebiete werden kleiner

Die Non-Profit-Organisation 'Ethical Tea Partnership' (ETP), die sich für eine nachhaltige Teeproduktion einsetzt, geht davon aus, dass sich die Anbaugebiete bis zum Jahr 2050 um 40 Prozent verkleinern werden. Um die Existenzbedingungen der Bauern zu verbessern, ist ETP mit ITC und anderen unabhängigen Organisationen eine Partnerschaft eingegangen.

Im Rahmen eines Projekts soll den Farmern und Fabrikmanagern dabei geholfen werden, sich den Folgen des Klimawandels besser anzupassen. Zu den Partnern gehört auch die Fabrik in Makomboki. Den Bauern wird ein effizienter Umgang mit Wasser, etwa durch Tröpfchenbewässerung und Bodenschutz, beigebracht. Statt Holz verwenden sie Biogas, um die CO2-Emissionen zu begrenzen.

"Wir raten den Farmern, Bäume zu pflanzen und die Teepflanzen mit Stroh zu bedecken", sagt Joseph Gitau, der in der Teefabrik in Makomboki arbeitet. Diejenigen, die die Vorschläge umsetzen, erhalten Zertifikate von der 'Rainforest Alliance'. Wie Gitau erklärt, schützt die Nähe der Bäume die Teebüsche vor Frost. Das Mulchen erhöht die Fruchtbarkeit der Böden, beugt Erosion vor und verhindert ein Erfrieren der Wurzeln.

Alternative Energien zur Teetrocknung

Die Fabrik in Makomboki versucht, sich nicht nur dem Klimawandel anzupassen, sondern auch seine Auswirkungen abzumildern. Früher waren dort bei der Trocknung der Teeblätter monatlich etwa 2.000 Kubikmeter Holz verfeuert worden. Damit trug die Fabrik auch zur Dezimierung des Waldes bei. Inzwischen nutzt sie jedoch alternative Energiequellen.

"Wir verwenden jetzt Sägespäne, Reishülsen, Biomasse und Nussschalen", berichtet Evans Muchiri. "Aus dem Sägemehl und den Reisspelzen stellen wir Briketts her." Durch diese Initiative konnten mehr als 30.000 Bäume gerettet werden. Zudem reduzierten sich die Betriebskosten der Fabrik um 20 Prozent.

Die kenianische Behörde für Landwirtschaft, Ernährung und Fischerei verlieh der Fabrik in Makomboki kürzlich eine Auszeichnung für klimabewusstes Handeln. Die Manager der Anlage bereiten bereits neue Anpassungsmaßnahmen vor, die nicht nur der Umwelt, sondern auch Arbeitern wie Joseph Mwangi und seiner Frau helfen können. (afr/IPS)

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