Kenia: Samburu setzen auf Waldgärten und Nahrungswälder

Aufforstung soll vor den Folgen des Klimawandels schützen

Von Robert Kibet | 05.08.2015

Samburu. Sipian Lesan beugt sich über den kleinen Mispelbaum mit dem wissenschaftlichen Namen Vangueria infausta. Während er die Zweige richtet, achtet er penibel darauf, keine der Blüten der dürreresistenten Pflanze zu beschädigen. "Überall hier herrscht große Trockenheit", berichtet der 51-jährige Halbnomade vom Volk der Samburu.

Community tree planting in the semi-arid Samburu, mostly around the manyattas to ensure protection from destruction by livestockSamburu pflanzen dürreresistente Bäume, die essbare Früchte abwerfen (Bild: Robert Kibet/IPS). 

Sipian lebt in Lekuru, einem entlegenen Dorf an den Ausläufern der Samburu-Berge mehr als 350 Kilometer nördlich der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Die Siedlungen der Samburu werden 'Manyattas' genannt, Aufgrund der großen Hitze und Trockenheit dominieren hier dornenbewehrte Akazien die Landschaft. Kahle rote Böden zeugen von Überweidung.

Der Landkreis Samburu, zu dem Lekuru gehört, ist eine der kenianischen Regionen, die unter wiederkehrenden Dürren leiden. Die Bevölkerung ist arm, und die Viehzucht infolge des Klimawandels keine nachhaltige Angelegenheit mehr.

"Die schwere Dürre hat viele unserer Tiere hinweggerafft. Und der Trend wird sich fortsetzen", weiß Joshua Leparashau, einer der Dorfvorsteher. "Natürlich hängen wir an unseren Herden. Sie sind unser ganzer Stolz. Doch wir müssen wir umdenken. Wenn wir uns als Gemeinschaft nicht auf die kommenden Gefahren einstellen, müssen wir damit rechnen, dass uns die Natur gnadenlos vernichtet."

Während er an seinem Beeren produzierenden Bäumchen herumzupft, erzählt Sipian, dass sein Volk vor der Ankunft "gieriger Menschen" vor einigen Jahrzehnten, die die Bäume gefällt hätten, in Dürrezeiten auf Wildfrüchte zurückgreifen konnte.

Mit Waldgärten eigene Zukunft sichern

Doch heute pflanzen die Hirten Sträucher und Bäume, die in der unwirtlichen Region überleben können. Sie legen Waldgärten oder Nahrungswälder an, eine Form der Wiederaufforstung, die der israelische Umweltschützer und Gründer der Umweltorganisation Sadhana Forest, Aviram Rozin, in Kenia bekannt gemacht hat.

"Die Geschwindigkeit, mit der die Gemeinschaft das Konzept umsetzt, ist vielversprechend", sagt Rozin, der in diesem Teil des nördlichen Kenias den Menschen hilft, verlorenes Terrain wieder wettzumachen. Ihm schwebt vor, dass alle Manyattas über eigene Nahrungswälder verfügen, die in konzentrischen Kreisen angelegt und immer weiter vergrößert werden, bis sie zu riesigen Waldgebieten zusammenwachsen.

Doch die Arbeit von Sadhana Forest beschränkt sich nicht nur auf die Wiederaufforstung, wie die 35-jährige Resinoi Ewapere berichtet. "Einst war ich zum Wasserholen oftmals bis mittags unterwegs. Doch ohne Wasser und Frühstück konnten meine Kinder nicht zur Schule gehen."

Das ist inzwischen anders geworden, seit Sadhana Forest einen Brunnen gebohrt hat. Das Wasser wird mit Hilfe eines aus Solar- und Windkraft betriebenen Energiesystems nach oben gepumpt. Der Service ist für die Lokalbevölkerung kostenlos. "Außerdem haben wir gelernt, wie man Permakulturen anlegt", fügt Ewapere hinzu.

Sadhana hat der Hirtengemeinschaft auch geholfen, 18 unterschiedliche einheimische Baumarten zu pflanzen, die nährstoffreiche Früchte tragen und dürreresistent sind. "Wir verteilen die Pflanzensamen an die Lokalbevölkerung, damit sie diese in ihren Manyattas ausbringen", erzählt Rozin.

Die freiwilligen Helfer der Organisation vermitteln behutsame Bodenbewirtschaftungs- und Bewässerungsmethoden, die eine bestmögliche Nutzung des spärlichen Wassers garantieren. Die Bodenqualität wird mit Hilfe von Bohnen und anderen Stickstofflieferanten verbessert. Auch arbeitet man mit Mulch, um das Erdreich vor dem Austrocknen zu bewahren.

Wertvolle Nährstofflieferanten

Zu den ausgebrachten Baumarten gehört die afrikanische Eiche (Afzelia Africana), deren Früchte reich an Proteinen und Eisen sind. Aus den Samen lässt sich Mehl zum Backen herstellen. Eine weitere Spezies, die gepflanzt wird, ist die Moringa stenopetala, die von stillenden Müttern geschätzt wird, weil die Früchte den Milchfluss erhöhen und die Säuglinge vor Unterernährung bewahren.

"Die Menschen hier verstehen, dass sie ihr bisheriges halbnomadisches Leben an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen", sagt George Obondo, Koordinator der Nichtregierungsorganisation 'Coordination Board', die beim UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) 50.000 US-Dollar für das Sadhana-Projekt beantragt hatte. Die Gelder wurden für den Aufbau eines Trainingszentrums verwendet. Die 35 Freiwilligen unterschiedlicher Nationalitäten machen die Lokalbevölkerung mit der Produktion des Saatguts und mit grünen Energiesystemen vertraut.

"Die Dinge verändern sich, und den Samburu ist inzwischen klar, dass sie diversifizieren müssen", so Obondo. Auch aus diesem Grund sei die Initiative von Sadhana Forest sehr wichtig. Und sie habe die Hirten befähigt, sich angemessen auf härtere Zeiten einzustellen. (afr/IPS)

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