Kenia: Mini-Shops florieren dank Sonnenkraft

Solarkioske bringen Elektrizität in abgelegene ländliche Gebiete

Von Justus Wanzala | 16.12.2015

Olkiramatian. In der Ortschaft Olkiramatian in der ausgedorrten Region um den Magadi-See in Südkenia gibt es keinen Strom aus der Steckdose. Bislang konnten hier also keine elektrischen Geräte betrieben werden. Nun soll Solarenergie den Handel und das Dienstleistungsgewerbe in den ländlichen Regionen des ostafrikanischen Staates weiter voranbringen.

Solarkiosk in KeniaEin Solarkiosk in Kenia: Neben Produkten des täglichen Bedarfs wird hier auch Energie aus Sonnenkraft verkauft (Bild: Justus Wanzala/IPS).

Der 'Solarkiosk E-Hubb' wird von der Solarkiosk AG in Berlin vertrieben und wurde vom Architekturbüro Graft entworfen. Vor zwei Jahren eröffnete die Firma Solar Kiosk Kenya in Olkiramatian den ersten ausschließlich durch Sonnenenergie betriebenen kleinen Laden. Inzwischen sind in dem Land bereits 23 solcher Kioske in Betrieb.

In Olkiramatian leben vor allem Maasai-Hirten, frühere Nomaden, die jedoch seit ein paar Jahren nicht mehr ständig von einem Ort zum anderen ziehen. 'E-Hubbs' können ihnen nun dabei helfen, gekühlte Lebensmittel und Getränke sowie Solarenergie für elektrische Geräte zu verkaufen. Bis Ende 2015 will das Unternehmen Solarkiosk in drei Kontinenten mehr als 100 'E-Hubbs' einführen.

Betreiber dieser Kioske können sich autonom mit Energie versorgen und dank der sich tagsüber aufladenden Solarzellen bis spät in den Abend hinein ihre Dienste anbieten. Solar Kiosk Kenya liefert die Kioske in entlegene Regionen sowie in Vororte von Städten.

Wie an vielen anderen Orten in Kenia nutzen bislang auch die Einwohner von Olkiramatian hauptsächlich Kerosinlampen und Dieselgeneratoren, die nicht nur laut sind, sondern auch die Umwelt belasten.

Energiequelle der Zukunft

Jan Willem Van Es, Geschäftsführer von Solar Kiosk Kenya, sieht Sonnenenergie als die Stromquelle der Zukunft. "Dieser erneuerbare Energieträger hat das Potenzial, das Wachstum in entlegenen Regionen voranzutreiben", erklärt er. Die Solarzellen mit einer Leistung von insgesamt zwei Kilowattstunden, mit denen der Kiosk ausgestattet sei, könnten so viel Energie speichern, dass sie mindestens 24 Stunden ohne Sonnenlicht funktionieren würden.

Seuri Lesino, der den Solarkiosk in dem Ort betreibt, ist mit seinen Geschäften mehr als zufrieden. "Früher brauchte man Kerosinlampen, um ein Geschäft nach Sonnenuntergang geöffnet zu halten. Diese Lampen geben aber nicht genug Licht ab", sagt er. "Inzwischen können wir bis Mitternacht verkaufen. Die Bewohner von Olkiramatian wissen es zu schätzen."

Wie Lesino berichtet, erzeugt das 'E-Hubb' genug Strom für einen Fernseher, einen Drucker, ein Laminiergerät, ein Handy-Ladegerät, einen Rasierapparat und einen Fotokopierer. Außer diesen Dienstleistungen, Internetzugang und gekühlten Lebensmitteln offeriert der Kiosk eine breite Palette an Geräten, die mit Solarstrom betrieben werden. Außerdem werden energieeffiziente Kochöfen und nachhaltig hergestellte Briketts verkauft.

"In der Zukunft können wir dieses E-Hubb in ein Mini-Einkaufszentrum verwandeln. Wenn ein weiterer Interessent beispielsweise Fleischwaren verkaufen will, können zusätzliche Solarzellen eingebaut werden", sagt Van Es.

Auch abends noch Licht für Schularbeiten

Der Dorfvorsteher Josphat Maiponyi berichtet, dass er in einem provisorischen Raum neben dem Kiosk mit dem Ältestenrat nach Sonnenuntergang Treffen abhalten kann. Schüler freuen sich darüber, dass sie abends Licht ohne Kerosingestank haben, um Hausaufgaben zu erledigen.

Die Einzelteile, aus denen die Solarkioske in Kenia zusammenmontiert werden, kommen bisher aus Deutschland. Bald sollen sie aber auch im Land hergestellt werden. Die Solarkiosk AG ist auch in Äthiopien, Tansania, Ruanda, Botswana und Ghana am Markt vertreten.

Wie das UN-Umweltprogramm UNEP feststellte, hatten im Jahr 2010 etwa 34 Millionen der insgesamt 40,5 Millionen Kenianer keinen Zugang zum herkömmlichen Stromnetz. Weltweit können 1,5 Milliarden Menschen, darunter 800 Millionen Einwohner Afrikas, keine Elektrizität nutzen.

In Afrika wird nach wie vor ein Großteil des Stroms aus nicht nachhaltigen und schmutzigen Quellen gewonnen, obwohl durch die vorhandene Sonneneinstrahlung nach Erkenntnissen der Weltbank täglich etwa vier bis sechs Kilowattstunden Elektrizität pro Quadratmeter erzeugt werden könnten.

Van Es befürchtet allerdings, dass die schlecht ausgebaute Infrastruktur in ländlichen Regionen Kenias die Investitionen in das 'E-Hubb' bremsen könnten. "Von der Regierung ist bisher nicht viel Hilfe gekommen", bedauert er. Wenn die lokalen Behörden die Kioske unterstützen würden, könnten das Unternehmertum und die wirtschaftliche Entwicklung in ruralen Gebieten durch erschwingliche, verlässliche und saubere Energie gefördert werden. (afr/IPS)

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