Kenia: Klimaanpassung durchs Radio

Neue Techniken für Kleinbauern

Von Isaiah Esipisu | 10.07.2012

Makueni. Es ist ein warmer Mittwochmorgen im Mutitu-Andei-Township in Kenia. Josephine Mutiso macht das Radio an und hört auf 98,1 FM den Meteorologen dabei zu, wie sie über den veränderten Regenfall in ihrem Land diskutieren. Mutiso hört die Station Radio Mang'elete häufig und hat mit den Tipps, die die Experten geben, bereits Erfolge bei der Ernte gehabt.

Mutitu Andei liegt in dem ziemlich trockenen Bezirk Makueni im Osten Kenias. In den vergangenen 15 Jahren hat es immer seltener geregnet. "Nur jede zehnte Regenzeit ist ergiebig genug, um landwirtschaftliches Wachstum zu garantieren", sagt Michael Arunga, Sprecher der afrikanischen Sektion der Hilfsorganisation 'World Vision'. "Vor 30 Jahren ist der Regen allenfalls alle zwei Jahre schwach ausgefallen", fügt er hinzu.

Frauen helfen sich selbst

Mutiso und andere Kleinbauern müssen nun auf alternative Anbaumethoden ausweichen. Radio Mang'elete hilft ihnen dabei. Gegründet wurde die Station vor drei Jahren vom Integrierten Mang'elete-Gemeinschafts-Entwicklungsprogramm (MCIDP), einem Netzwerk, dem 33 Frauen-Selbsthilfegruppen angehören.

"Die Welt verändert sich immer schneller. Es gibt neue Krankheiten, neue Technologien, neue Klimabedingungen – und dadurch erneuert sich auch die Welt immer wieder von Grund auf", sagt Sabina Mwete, Vorstandsmitglied des Mang'elete-Entwicklungsprogramms. "Wir dachten, dass wir Hilfsmittel brauchen, um in dieser neuen Umgebung zu überleben."

Ein Großteil des Programms wird durch Informationen zu Klimaanpassungsmöglichkeiten bestritten. Es geht um Fragen zum Anbau dürreresistenter Feldfrüchte oder welche Nutztiere geeignet sind, um Klimaanomalien am besten zu widerstehen. Darüber hinaus sind technologische Innovationen im Agrarbereich Thema sowie der Einsatz von Dünger.

"In der Regel laden wir uns Experten ins Studio ein oder andere Menschen, die Erfahrung auf einem Gebiet gesammelt haben", sagt Programmdirektor Dominic Mutua. Daneben sendet Radio Mang'elete einen Wetterbericht, dessen meteorologische Daten gepaart sind mit traditionellem indigenem Wissen über Wettervorhersagen.

Das Wissen über globale Umweltveränderungen und die Auswirkungen auf die eigenen Lebensbedingungen sind im ländlichen Kenia schwach ausgeprägt, wie die Heinrich-Böll-Stiftung vor zwei Jahren in einer Studie berichtete. Darin zitiert sie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup, nach der nur knapp über die Hälfte der Kenianer – 56 Prozent – aussagten, dass sie über die globale Erwärmung Bescheid wissen. Ein Großteil davon gehörte der ländlichen Bevölkerung an.

Die Bäuerin Josephine Mutiso hat über das Radio von der traditionellen 'Zai'-Methode erfahren, bei der 30 Zentimeter tiefe Gruben in den Boden gegraben werden. Diese werden mit Humus gefüllt, der Feuchtigkeit länger speichern kann und so mehr Nutzen aus dem wenigen Regen zieht, der in der Region fällt.

"Ich teste diese Methode zum ersten Mal auf meinem ein Hektar großen Feld. Ich kann jetzt schon sehen, dass mein Spinat auf diese Weise besser wächst als in den Ackerfurchen", sagt Mutiso.

Vorhersagen helfen Bauern bei Pflanzentscheidungen

Auch Susan Wambua hat bereits vom Programm des Radios profitiert. Die 66-Jährige bestellt ein Feld im Dorf Makongeni im Verwaltungsbezirk Nthongoni. "Im vergangenen Jahr hat es hier acht Monate lang überhaupt nicht geregnet." Erst im Februar dieses Jahres sei der Regen endlich gekommen. Wambua war darauf vorbereitet: Sie hatte die entsprechenden Prognosen im Radio Mang'elete verfolgt, und dem Vorschlag der Experten entsprechend pflanzte sie ihren Mais in die trockene Erde kurz bevor der Niederschlag einsetzte.

"Andere Bauern warten mit dem Pflanzen, bis es tatsächlich anfängt zu regnen. Das reicht aber häufig nicht, und die Ernte wird nichts, weil sie nicht genügend Regen abbekommt." So war es auch in diesem Jahr. Während Wambua vor dem Regen gepflanzt hatte und später eine gute Ernte einfahren konnte, gingen viele andere Bauern leer aus.

"Es ist besser, den Verlust der Setzlinge zu riskieren, als gar keine Ernte zu haben", sagt Wambua und will das Prinzip noch einmal anwenden. "Nach Angaben des Radios soll es in den kommenden sechs Tagen anfangen zu regnen, deshalb pflanze ich jetzt wieder." Fünf Tage nach dem Interview kam tatsächlich der Regen. (afr/IPS)

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