Kenia: Jubel über Lupita Nyong'o

Oscar-Preisträgerin lässt heimische Filmindustrie hoffen

Von Miriam Gathigah | 12.03.2014

Nairobi. Der Oscar für eine Lupita Nyong'o hat in Kenia die Hoffnungen auf einen Senkrechtstart der noch jungen einheimischen Filmindustrie geschürt. Gerade junge, arbeitslose und talentierte Menschen könnten profitieren. Die Schauspielerin Nyong'o wurde für ihre Rolle als Sklavin in dem britisch-US-amerikanischen Kinofilm '12 Years a Slave' ausgezeichnet.

Nyong'os  Erfolg, untermauert durch den 'Academy Award' am 2. März in Hollywood, sei ein Beweis dafür, dass die Unterhaltungsbranche - ähnlich wie das Lehrer- und Medizinstudium - eine berufliche Perspektive aufzeige, erklärt der in Nairobi lebende Marktanalyst Danson Mwangangi. In Kenia, wo 40 Prozent aller Menschen im erwerbsfähigen Alter beschäftigungslos und 70 Prozent von ihnen jünger als 35 Jahre sind, könnte Nyong'os Oscar-Auszeichnung der Entwicklung der einheimischen Unterhaltungsindustrie Auftrieb geben und damit auch die Wirtschaft des ostafrikanischen Landes beleben.

Mwangangi erinnert daran, dass die Regierung durch die staatliche Kenianische Filmkommission das Ziel verfolgt, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Unterhaltungsbranche zu erwirtschaften. Kürzlich veröffentlichte die Weltbank Zahlen, denen zufolge auf etwa 800.000 Arbeitssuchende in Kenia nur rund 50.000 freie Stellen kommen.

Die Bemühungen der Regierung erscheinen vor diesem Hintergrund eine wichtige Initiative zugunsten der jüngeren Bevölkerungsgruppen zu sein. Die Unterhaltungsindustrie sei allerdings nichts für Zaghafte, meinen kenianische Schauspieler. Ihre Erfahrungen zeigen, dass in dem Land noch viel passieren muss, bis Kultur als ernstzunehmendes Berufsfeld angesehen wird.

Publikum will Kultur gratis

"Das größte Problem besteht darin, dass viele Menschen nicht bereit sind, für den Besuch einer Aufführung zu bezahlen", berichtet der Schauspieler Paschal Kilei, der mit der Gruppe 'Talent Tappers' ('Talentsucher') in Bezirk Mombasa in der Küstenprovinz, etwa 480 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, zusammenarbeitet.

Kilei und seine Kollegen treten vorerst gratis auf und hoffen, dass das Publikum irgendwann auch Karten kaufen wird. Die Talent Tappers zeigen ihr Können etwa an Bushaltestellen, auf Märkten oder an anderen Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen. Der Applaus ist groß, doch Geld verdienen sie damit bisher nicht.

Ähnliche Erfahrungen hat die Schauspielerin Asia Majimbo aus Mombasa gemacht. "Fernsehdarsteller, die etwa 250 US-Dollar pro Folge verdienen, werden von vielen beneidet", sagt sie. "In einem Monat werden etwa vier Folgen ausgestrahlt, manchmal aber auch weniger. Und nicht alle Schauspieler sind jedes Mal dabei, wenn sie nicht die Hauptrollen haben."

Auch Nyong'os Erfolg kam nicht über Nacht. Das neue 'It-Girl' Hollywoods musste sich erst einmal hocharbeiten. So war sie Mitglied von Produktionsteams mehrerer Filme. "Bei den Dreharbeiten von 'Der ewige Gärtner' des brasilianischen Regisseurs Fernando Meirelles etwa erledigte sie Botengänge und holte Kaffee", sagt der Theaterliebhaber Stückeschreiber Peter Nderi. Er erinnert sich noch gut an die Zeit, in der sie in der kenianischen Hauptstadt die weibliche Hauptrolle in Shakespeares Drama 'Romeo und Julia' spielte. "Sie war erst 14, versprach aber schon damals, eine große Schauspielerin zu werden."

Nderi zufolge fehlt es den kenianischen Talenten meist an einer soliden Ausbildung. Die inzwischen 31-jährige Nyong'o ist da eine Ausnahmeerscheinung. Sie besuchte nach ihren ersten Bühnenerfolgen in Kenia die renommierte 'Yale School of Drama' in den USA. 2007 drehte und produzierte sie dann bereits ihren ersten längeren Dokumentarfilm 'In My Genes', der von Kenias Albinos handelte. Später trat sie in der MTV-Serie 'Shuga' auf, die gemeinsam von der Anti-Aids-Initiative 'PEPFAR' der US-Regierung und der Stiftung 'Staying Alive' des Senders produziert wurde.

Auch wenn es nicht alle wie Nyong'o nach Yale schaffen könnten, sollten die kenianischen Schauspieler nicht mutlos werden, meint Mwangangi. Immerhin habe die kenianische Regierung die Filmkommission bereits damit beauftragt, eine Filmakademie zu eröffnen. Ferner seien Kenias 47 Landkreise aufgefordert worden, die Unterhaltungsindustrie als Jobmaschine zu fördern.

'Nollywood' als Vorbild in Afrika

Als großer Vorreiter auf dem Kontinent gilt Nigeria. "Nollywood produziert wöchentlich etwa 50 Filme", berichtet Mwangangi. Nigeria und Kenia richteten ihr Augenmerk vor allem auf ihre erstarkende Mittelschicht. In Kenia habe sich diese Bevölkerungsgruppe im letzten Jahrzehnt auf 6,5 Millionen verdoppelt.

Obwohl die kenianische Filmindustrie noch längst nicht mit Nollywood mithalten kann, ist sie nach Angaben der Kenianischen Filmkommission in den letzten sieben Jahren stetig gewachsen. Die Zahl der Filmproduktionsfirmen ist demnach um 85 Prozent und die Zahl der Beschäftigten in der Branche um mehr als 45 Prozent gestiegen.

Die Comedy-Fernsehserie 'The Samaritans' ('Die Samariter'), die ineffizient arbeitende Hilfsorganisationen aufs Korn nimmt, hat wie berichtet inzwischen international Interesse geweckt. Videoclips und Rezensionen kursieren überall auf der Welt auf Nachrichtenseiten und in sozialen Netzwerken im Internet. Wie der Produzent der Serie, Hussein Kurji, stolz berichtet, wurden Videoausschnitte auf Vimeo und YouTube innerhalb von zwei Wochen mehr als 150.000 Mal aufgerufen. Allein der Trailer der Serie auf YouTube wurde mehr als 90.000 Mal angeklickt. (afr/IPS)

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