Kenia: Insekten und Wildfrüchte zum Abendbrot

Die aktuelle Dürre gilt als hausgemachtes Problem

Von Miriam Gathigah | 15.02.2017

Nairobi (IPS/afr). Kenia wird von einer extremen Dürre geplagt. Die Regierung hat in großen Teilen des Landes den Katastrophenzustand ausgerufen. 23 der insgesamt 47 Bezirke sind betroffen. Ein Lokalaugenschein im Bezirk Baringo im Westen des Landes offenbart, dass die Krise hausgemacht ist.

In den 23 von der Dürre betroffenen Bezirken brauchen eine Million Kinder dringend Nahrung. (Bild: Miriam Gathigah/IPS)

Der Wahlkreis Tiaty im Bezirk Baringo liegt etwa 300 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Nairobi. Für die mehr als 130.000 Einwohner sind Trockenperioden nichts mehr Neues. Der ostafrikanische Staat erlebt seit die zwölfte schwere Dürre seit 1975. Studien zeigen, dass vor allem die Regionen im Westem des Landes besonders anfällig für Trockenheit sind.

Laut dem Roten Kreuz in Kenia wissen derzeit 2,7 Millionen Menschen nicht, wie sie an ihre nächste Mahlzeit gelangen sollen. Eine Million Kinder brauchen dringend Nahrungsmittelhilfe.

"In den meisten Bezirken müssen Mütter ihre Kinder mit Wildfrüchten und Knollen ernähren", erzählt die Umweltschützerin Hilda Mukui. Zur Zubereitung steht oft nur schmutziges Wasser zur Verfügung. Die Frauen lassen den Kochtopf deshalb oft zwölf Stunden am Feuer, um die Giftstoffe zu beseitigen.

Hitze und kaum Niederschläge

Mukui, die früher eine leitende Funktion im Landwirtschaftsministerium innehatte, arbeitet seit zwei Jahrzehnten in den betroffenen Regionen. Sie erklärt, dass das Klima in den 23 Bezirken zuletzt von ausbleibenden Niederschlägen und ungewöhnlich hohen Temperaturen geprägt war.

In Tiaty sind die Flüsse längst ausgetrocknet. Teresa Lokwee hat acht Kinder - allesamt unter zwölf Jahre alt. Für sie stellt der Kochtopf ein Symbol der Zuversicht dar: "Wenn unsere Kinder sehen, dass etwas gekocht wird, haben sie die Hoffnung auf eine Mahlzeit, die sie in Schwung hält."

Die Situation ist mittlerweile so schlimm geworden, dass allein im Bezirk Baringo zehn Schulen und 19 Vorschulen völlig verwaist sind. Die Kinder sind - wie alle anderen Familienmitglieder auch - ständig auf der Suche nach Wasser.

Die Familie von Teresa Lokwee ist da keine Ausnahme: "Oft machen wir uns bereits in den Morgenstunden auf, um nach Wasser zu suchen, und kehren erst am Abend zurück", erzählt Lokwee.

Manchmal bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als Insekten zu essen. Vor allem Termiten, die bisher als Tabu galten, werden zu einfachen Mahlzeiten zubereitet. Das Kenya Bureau of Standards, das die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln bewertet, hat Insekten als "unrein" eingestuft und rät von deren Verzehr dringend ab.

Wüstenbildung durch Waldvernichtung

Expertin Hilda Makui befürchtet indes, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Das Ausbleiben der Regenzeiten werde eine noch schwerere Krise nach sich ziehen, meint Makui: "Wir erleben jetzt die Folgen der Wüstenbildung, weil wir mehr Bäume schneiden als wir pflanzen."

Makui sieht vor allem die Regierung gefordert. Sie verweist auf den nationalen Entwicklungsplan Kenya Vision 2030, der bis zum Jahr 2030 eine Aufforstung mit mindestens einer Milliarde Bäume zur Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels vorsieht. Allerdings sei diesbezüglich bislang nichts passiert, so Makui.

Eine Untersuchung des Kenya Forest Service hat ergeben, dass die Waldbedeckung des Landes mit sieben Prozent deutlich unter dem globalen Standard von zehn Prozent liegt. Bereits ein Viertel des Mau-Waldes - dem größten Wassereinzugsgebiet des Landes - ist menschlichen Aktivitäten zum Opfer gefallen.

Kampf gegen Landverödung

Für Hilda Makui ist es daher kein Wunder, dass die Ernährungssicherheit von Millionen Kenianerinnen und Kenianern gefährdet ist. Laut der Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) leben bereit zehn Millionen Menschen in verödeten Gebieten des Landes.

UNCCD-Statistiken zeigen außerdem, dass 80 Prozent von Kenias Fläche aride oder semiaride Gebiete sind. Viele der Gegenden waren einst fruchtbar, heute werfen ihre Böden aber kaum mehr Ertrag ab.

Die UNCCD arbeitet daher mit verschiedenen Einrichtungen in Kenia zusammen, um die Wiederherstellung von mindestens fünf Millionen Hektar degradiertem Land sicherzustellen. Als Schlüssel gilt dazu der Schutz bestehender Wälder und Wiederaufforstung.

Die Kosten der Landverödung sind enorm. Die UNCDD schätzt, dass der Verlust mindestens fünf Prozent des kenianischen Bruttoinlandsproduktes beträgt. Die Wiederherstellung der degradierten Landstriche berge aber auch eine große Chance: Mit jedem investierten Dollar könnte Kenia vier Dollar verdienen, so die UNCCD-Experten. (Ende)

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