Kenia: Gute Geschäfte im Handelsdorf

Gemeinsame Direktvermarktung schafft Einkommen und Ernährungssicherheit

Von Justus Wanzala | 12.02.2016

Busia. Der Klimawandel hat im Tangakona-Gebiet im westlichen Kenia zu Ernteausfällen und heftigen Einkommensverlusten für die ländliche Bevölkerung geführt. Vor einigen Jahren haben sich deshalb krisengeschüttelte Bauern zu einer Produktions- und Vermarktungsinitiative zusammengeschlossen. Das 'Handelsdorf' genannte Konzept trägt nun Früchte.

Die Zentrale des Handelsdorfes von Tangakona in Busia County im Westen von Kenia (Bild: Justus Wanzala/IPS)

Um dem Klimawandel zu trotzen, setzen die Bauern von Tangakona auf den Anbau von Maniok und orangefarbene Süßkartoffeln. Die Knollenfrüchte gelten als ausgesprochen dürreresistent. Der Anbau wird durch einzelne Bauern oder in Gruppen bewerkstelligt, die Vermarktung erfolgt jedoch gemeinsam. Das Konzept scheint aufzugehen: Das Handelsdorf sorgt für regelmäßige Einkommen und Ernährungssicherheit seiner Mitglieder samt ihrer Familien.

Eine Schüsselrolle kommt der Weiterverarbeitung der agrarischen Produkte zu: Die Bauern machen aus Maniok und den Süßkartoffeln verzehrfertige Produkte wie z. B. Kuchen, Mandazi (Krapfen) oder Chapati (Fladenbrot). Durch die gemeinsame Direktvermarktung können mehr Kunden erreicht und bessere Preise erzielt werden.

Das Handelsdorf wächst und gedeiht

Catherine Amusugut ist für die Wertschöpfung im Handelsdorf zuständig. Sie erläutert, dass das Konzept bereits im Jahr 2011 von der NGO Farm Concern International in die Region gebracht worden ist. Laut Amusugut zählte die Initiative zu Beginn elf Gruppen mit insgesamt 196 Mitgliedern. Heute sind es mehr als 10.000 Personen, die vom Anbau von Maniok und Süßkartoffeln leben.

"Durch die Zusammenarbeit konnten wir die Produktion erhöhen und damit die Bedürfnisse des Marktes besser bedienen", sagt Amusugut. Maurice Olaba, verantwortlich für die Produktion, bestätigt den Aufwärtstrend. "Die Nachfrage hat dermaßen stark zugenommen, dass wir heute mehrere Tonnen liefern müssen", sagt Olaba. Die Tür stehe deshalb jederzeit offen für neue Mitglieder und neue Ideen. "Wir wollen in Zukunft auch Gemüsesorten wie Soja-Bohnen und Fingerhirse anbauen."

Alleine in Tangakona beträgt die Anbaufläche für Maniok und der orangefarbenen Süßkartoffel mehr als 445.000 Quadratmeter. Das Ziel sei, auch langfristig eine hohe Produktion an Knollenfrüchten zu gewährleisten, so Olaba. "Die Kultivierung von Maniok und der orangefarbenen Süßkartoffel ist der Schlüssel für die Ernährungssicherheit der Bevölkerung", ist er überzeugt. Außerdem wolle man den Lebensunterhalt für Kleinbauern nachhaltig sicherstellen und den Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessern. Süßkartoffeln würden einen besonders hohen Gehalt an Vitamin A aufweisen, weiß Olaba.

Kenneth Ekisa Lok Okwanyang’ayel ist der Vorsitzende des Handelsdorfes. Er rechnet vor, dass sich die Initiative für die Mitglieder auszahlt. Während der aktuellen Ernte hätte eine Gruppe von 34 Bauern immerhin 4.700 US$ mit dem Verkauf von 370 Säcken mit Süßkartoffelblättern und zwei Tonnen Süßkartoffeln verdient. Den einsamen Rekord halt aber bislang ein einzelner Bauer, der bei einem Verkauf 10.000 US$ erzielt haben soll.

Noch funktioniert noch nicht alles

Trotz des Fortschritts müssen die Mitglieder des Handelsdorfs auch immer wieder Rückschläge einstecken. Olaba berichtet von herben Verlusten bei der Maniokernte, die in Folge einer Pflanzenkrankheit aufgetreten seien. Außerdem sei es schwer, die Jugend für die Landwirtschaft zu begeistern – und das obwohl die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen enorm hoch sei. Und nicht zuletzt würden auch die Felder der Bauern immer kleiner werden, wodurch das Wachstum der Handelsdorfes behindert werde.

Laut Olaba beträgt die durchschnittliche Anbaufläche in Busia County gerademal zwei Hektar. Trotzdem blicken die Verantwortlichen im Handelsdorf zuversichtlich in die Zukunft: Man wolle bald ein eigenes Gebäude anschaffen, um dort Workshops durchzuführen. Außerdem sei die Anschaffung von Maschinen geplant, die eine noch bessere Wertschöpfung garantieren sollen.

Charles Olweyo Oliwa ist einer der Bauern, die vom Handelsdorf profitiert haben. Mit dem verdienten Geld zahlt er die Schulgebühren seiner Kinder und spart für die Gesundheitsvorsorge. Oliwa schwört auf die Initiative, ortet aber auch Verbesserungspotenzial: "Ich möchte gerne die Produktion von Maniok und Süßkartoffeln ausbauen", sagt er. "Aber ich habe nicht genügend Kapital, um Arbeiter zu bezahlen und Setzlinge zu kaufen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn es zinsgünstige Darlehen geben würde." (afr/IPS)

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