Kenia: 450.000 Liter Wasser in nur zwei Stunden

Große Nachfrage nach neuartigen Regenwasseranlagen

Von Justus Wanzala | 26.07.2016

Narok. Sammelanlagen für Regenwasser sind in Afrika nicht neu. Aber in einem wasserarmen Land wie Kenia, wo zwei Drittel der Gebiete trocken oder halbtrocken sind, wird laufend nach effizienteren Methoden für das Auffangen von Regenwasser gesucht. Die Organisation African Water Bank (AWB) hat eine neue Technik entwickelt, mit der große Mengen an sauberem Trinkwasser gewonnen werden können.

Regenwasseranlage in NarokAWB-Techniker verpassen einer Regenwasseranlage bei Duka Moja im Narok County den letzten Schliff (Bild: Justus Wanzala/IPS)

Die Regenfälle in Kenia sind oft nur von kurzer Dauer aber von ungemeiner Intensität. Das Regenwassersystem der AWB kann bei zwei bis dreistündigen Regengüssen bis zu 450.000 Liter Wasser sammeln. Möglich wird das durch eine ausgeklügelte Konstruktion aus Dächern, Rinnen und Tanks. Außerdem verfügt die Anlage über eine First-Flush-Vorrichtung, die das vom Schmutz auf dem Dach verunreinigte Wasser ausscheidet.

In Kenia konzentriert die AWB ihre Arbeit derzeit vor allem auf das Narok County im Südwesten des Landes. Der Großteil des Verwaltungsgebiets, in dem auch das Naturschutzgebiet Masai Mara liegt, wird als Halbwüste eingestuft. Dementsprechend gilt die Wasserversorgung hier als eine enorme Herausforderung.

Große Nachfrage

Bei der Entwicklung der AWB-Anlage wurde höchster Wert darauf gelegt, dass das System nicht nur große Wassermengen auffangen sondern auch ganz einfach vor Ort gewartet werden kann. Es gibt in der Anlage keine Teile, die nicht von der lokalen Bevölkerung selbst repariert oder ausgewechselt werden können.

Der Geschäftsführer der AWB, Chip Morgan, weiß worauf es ankommt. Der Australier arbeitet seit Jahrzehnten im Entwicklungssektor. Wassermangel ist für ihn einer der Hauptgründe dafür, warum Menschen in vielen Teilen der Welt arm bleiben. Mit seinem Regenwassersystem hat er offenbar voll ins Schwarze getroffen: "Dieses Jahr sind wir völlig ausgebucht", sagt er. "Wir planen, pro Jahr 50 Anlagen zu errichten."

Vor allem bei öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Schulen stehen die AWB-Anlagen hoch im Kurs. Mit dem Bau begonnen wird aber erst dann, wenn 50 Prozent der Finanzierung stehen. Das erforderliche Geld kommt zumeist von Gemeinden, Organisationen und spendenfreudigen Einzelpersonen.

Regenwasseranlage sorgt für Schülerboom

Wie die AWB-Tanks die Wasserversorgung entscheidend verbessern können, zeigt das Beispiel der Ilkeek Aare Primary School. Hier wurde der Bau des Wasserspeichers im vergangenen März abgeschlossen. Mit einem Fassungsvermögen von 600.000 Liter ist die Anlage die bislang größte, die von der AWB im Narok County errichtet worden ist. Allein das Auffang-Dach kommt auf eine Fläche von 400 Quadratmetern.

Der Schuldirektor Tonkei Ole Tempa ist begeistert – durch den Wasserspeicher sei die Attraktivität seiner Schule und des angeschlossenen Internats enorm gesteigen. "Im Jahr 2013 hatten wir nur 106 Schülerinnen und Schüler", erzählt Ole Tempa, "jetzt beträgt die Anzahl 410." Auch der finanzielle Aspekt spiele eine große Rolle: Bislang musste er alle drei Monate 430 Euro für Wasser aufbringen, jetzt fallen keine zusätzlichen Kosten mehr an.

Im kenianischen Schulsystem dauert die Primary School acht Jahre – die Absolventen sind also bereits im jugendlichen Alter. Studien des kenianischen Bildungsministeriums haben gezeigt, dass zwischen der Verfügbarkeit von sauberem Wasser und dem Lernerfolg von Mädchen ein starker Zusammenhang besteht. Denn viele junge Frauen bleiben während der Menstruation Schulen fern, wenn es dort keine entsprechenden Hygienestandards gibt. Die häufigen Fehlzeiten wirken sich stark auf die schulischen Leistungen aus.

Frisches Gemüse und zwei Milchkühe

Direktor Ole Tempa denkt indes darüber nach, wie er die Ernährungssituation an seiner Schule verbessern kann. Demnächst möchte er einen Garten errichten, um die Schule mit frischem Gemüse zu versorgen. Auch die Anschaffung von zwei Milchkühen ist geplant. Für beide Vorhaben ist jetzt erstmals genügend Wasser vorhanden.

Die Kosten für die Errichtung der Regenwasseranlage an der Ilkeek Aare Primary School beliefen sich auf 40.000 Euro. Die Mittel wurden vom Rotary Club in Kenia und Partner der AWB zur Verfügung gestellt. Aber auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler wurden in die Pflicht genommen und mussten einen Beitrag von je 5.000 Kenia-Schilling (45 Euro) beisteuern.

Auch die kenianische Regierung hat die hohe Bedeutung von Regenwassersystemen für die Bildungsstätten in ariden und semiariden Regionen erkannt. Der Generalsekretär des Wasserministeriums, Fred Sengor, drängt Schulen dazu, das Sammeln von Regenwasser zu forcieren. Dadurch könne das Auftreten von Krankheiten unter Schülern deutlich reduziert und die wertvollen Wasserressourcen des Landes entscheidend geschont werden, so Sengor. (afr/IPS)

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