Kamerun: Unsichere Zukunft auf Bakassi

Halbinsel hat großen Nachholbedarf bei Entwicklung

Von Ngala Killian Chimtom | 26.09.2013

Bakassi-Halbinsel. Der 35-jährige Fischer Thomas Effiom aus der kleinen Ortschaft Jabane auf der Halbinsel Bakassi schöpft wie schon so oft Meerwasser aus seinem Haus. Denn es kommt immer wieder vor, dass der Atlantik die Küstengebiete überschwemmt. "Die Wassermassen sind schon ein großes Problem", meint er im IPS-Gespräch.

"Manchmal verschwinden unsere Häuser in den Fluten, weil sie nicht stark genug sind, um den Kräften der Natur zu trotzen", so Effiom weiter. Wie 90 Prozent der 300.000 Einwohner ist Effiom nigerianischer Staatsbürger. Er ist auf der erdölreichen Bakassi-Halbinsel im Golf von Guinea geboren und aufgewachsen. Auch wenn er nicht weiß, wie sein Leben unter kamerunischer Souveränität aussehen wird, ins 168 Millionen Menschen zählende Nigeria will er nicht umziehen. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas musste seinen Anspruch auf Bakassi aufgeben.

Auch der Chef der Bakassi-Fischereivereinigung, James Nnandi, macht sich Gedanken über seine Zukunft. Er würde gern nach Nigeria gehen, doch da er eine neunköpfige Familie zu ernähren hat, will er bleiben. "Hier können wir von der Fischerei leben", erläutert der 50-Jährige. "Und ich weiß nicht, ob ich in Nigeria einen Job finden würde."

Langwieriger Übergabeprozess

2002 hatte der Internationale Gerichtshof nach einem langjährigen Territorialstreit die Halbinsel Kamerun zugeschlagen. Doch mussten vier weitere Jahre vergehen, bis sich Nigeria bereit erklärte, Bakassi an Kamerun abzutreten. 2008 begann der fünfjährige Übergabeprozess, der am 14. August zum Abschluss kam. Seither genießt Kamerun die volle Souveränität über das Gebiet.

Die mit UN-Hilfe ausgehandelten Bedingungen des am 21. Juni 2006 geschlossenen kamerunisch-nigerianischen Vertrags sehen vor, dass die auf Bakassi lebenden Nigerianer bleiben dürfen. Ihnen steht es frei, die nigerianische Staatsbürgerschaft zu behalten oder die kamerunische Nationalität anzunehmen. Wie immer sie sich entscheiden – das Abkommen verpflichtet Kamerun dazu, die grundlegenden Rechte der Nigerianer zu respektieren.

Doch das Leben in Bakassi war schon unter nigerianischer Hoheit schwierig. Hier haben die Menschen einen eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsdiensten und anderen grundlegenden Basisleistungen wie Strom und fließendem Wasser. Und das zentralafrikanische Land Kamerun muss noch viel tun, um die Lage vor Ort zu verbessern.

Die 40-jährige Lehrerin Glory Benson berichtet, dass die Gesundheitsversorgung auf der Halbinsel nach wie vor in einem schlechten Zustand ist. "Wir wollen, dass die Regierung eine Hebamme im Krankenhaus einstellt", sagt sie.

Prekär ist auch das Bildungssystem in Bakassi, wie Pierre Mufuh Chong, Leiter der staatlichen Wabane-Grundschule, betont. Zudem sei es unsäglich schwer, Eltern von der Notwendigkeit zu überzeugen, ihren Kindern den Schulbesuch zu gestatten. Obwohl der Unterricht in der Primärstufe gratis ist, liegt die Einschulungsrate bei geschätzten 50 Prozent.

"Die meisten Eltern hier sind immer in Bewegung. Der Überlebenskampf ist hart, und oft nehmen die Eltern ihre Kinder zum Verkauf ihres geräucherten Fischs nach Nigeria mit", sagt er. Zusammen mit den Lehrern versuche man, die Eltern durch Haus-zu-Haus-Besuche vom dem Sinn einer Grundschulausbildung für ihre Kinder zu überzeugen. "Wir verkünden das Bildungs-Evangelium", meint er.

Effiziente Entwicklungspolitik gefordert

Die Bakassi-Halbinsel braucht nach Ansicht von Professor Ntouda Ebude, einem Geostrategieexperten an der Universität von Jaunde, eine effiziente Entwicklungspolitik. Er geht nicht davon aus, dass Kamerun auf der Bakassi-Halbinsel die Millenniumsentwicklungsziele zur Armutsbekämpfung bis 2015 erreichen wird. Die Ziele sehen unter anderem den verbesserten Zugang zu Bildung, einem Rückgang der hohen Mütterlichkeit und die Bekämpfung des Hungers vor.

Auch wenn keine Zahlen über die Müttersterblichkeit auf der Halbinsel vorliegen, so sei sie den Erfahrungen zufolge relativ hoch, so der Professor. Das Gleiche lasse sich auch über die Säuglingssterblichkeit sagen. 2010 hatte die kamerunische Regierung der Region immerhin acht Millionen US-Dollar für Entwicklungsprojekte bereitgestellt.

Der Gouverneur der kamerunischen Südwestregion, Bernard Okalia Bilai, macht keinen Hehl daraus, dass es auf der Bakassi-Halbinsel an dem Grundlegendstem fehlt. Strom und fließendes Wasser seien nicht vorhanden, und die Staatsbediensteten selbst lebten außerhalb der Region, erklärte er im August. Die Regierung arbeite aber daran, das Leben vor Ort zu verbessern, versicherte er.

Nach Angaben von Bertha Ndoh Bakata vom Koordinierungsausschuss zur Umsetzung der Bakassi-Projektprioritäten hat die kamerunische Regierung schon etliche Schulgebäude, Gesundheitszentren und Behördeninfrastrukturen sowie Fischerei-Infrastrukturen für die lokalen Fischer gebaut.

Sie beklagt vor allem den Fachkräftemangel vor Ort. "Nehmen wir die Kinder- und Müttersterblichkeit. Es stimmt, es sind einige Krankenhäuser gebaut worden. Doch wo finden wir das erforderliche Personal? Und was ist mit der Ausrüstung?" Auch sei die Malaria ein ernstes Problem. "Die meisten Menschen leben in undichten Behausungen. Der Schutz der Menschen vor der Überträgermücke ist somit gar nicht gegeben."

Immerhin werden die Behörden noch in diesem Jahr mit den Bau einer Verbindungsstraße zum Festland beginnen, berichtet Bakata. "Das ist eine Entwicklung, die den Menschen zugute kommt." (afr/IPS)

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