Kamerun: Land für die Hirten

Neues Gesetz soll Weide- von Agrarland scheiden

Von Ngala Killian Chimtom | 22.10.2013

Ndop. Adamou Harounas Rinder grasen friedlich auf einer Weide in Ndop, einem Dorf in Kameruns Nordwestregion. "Die Herden sind unser Schicksal. Das war schon zur Zeit unserer Vorväter so", meint der Hirte. "Kein Mbororo kann ohne seine Rinder überleben." Harouna ist einer von fast 2,5 Millionen Angehörigen der kamerunischen Mbororo.

Als seine Vorfahren vor rund einem Jahrhundert in das Gebiet Bamenda in der Nordwestregion kamen, waren Weideland und Wasser reichlich vorhanden. Doch mit den Jahren ist die Zahl derer, die sich der Landwirtschaft zuwandten, gestiegen, und das Weideland für die Mbororo wurde knapp. Die Entwicklung führte unweigerlich zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den Hirten und den sesshaften Bauern.

Der Bericht 'Property Rights and Resource Governance' der US-Entwicklungsbehörde (USAID) führt die Auseinandersetzungen auf drei Faktoren zurück. Zum einen findet die Landwirtschaft zunehmend auf traditionellen Weideflächen statt, zum anderen hat die Wüstenbildung die Nomaden in den Süden getrieben. Und last but not least haben sich die Herden vergrößert.

Lokale Bauern machen Stimmung gegen die Mbororo

Mit der Anbausaison beginnt für Harouna die Zeit der Angst. Dann nämlich muss er mit seiner Herde das Farmland verlassen, will er nicht riskieren, dass seine Rinder vertrieben oder gar getötet werden. "Im letzten Jahr habe ich 50 Stück verloren", erzählt er. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die lokalen Bauern lieber heute als morgen die Hirten los wären. "Wir und unsere Vorväter waren schon da, bevor diese Nomaden hier auftauchten", meint der lokale Bauer Divine Che. "Ich verstehe nicht, wie sie darauf kommen, Ansprüche auf unser Weideland zu erheben. Sollen sie doch woanders hingehen, wo die Menschen noch nicht sesshaft sind. Für uns ist das Zusammenleben mit ihnen viel zu kompliziert."

Doch Harouna wüsste gar nicht, wohin er mit seiner Herde ziehen sollte. "Hier bin ich geboren und vor mir mein Vater. Von denjenigen, die uns sagen, dass wir weggehen sollen, hätte ich gern gewusst wohin", sagt er.

Die Mbororo hoffen nun auf die baldige Verabschiedung eines neuen Gesetzes, dass das Problem ein allemal lösen könnte. Seit 2010 arbeitet die kamerunische Behörde für Nutztiere, Fischerei und Viehzucht zusammen mit der Zivilgesellschaft an einer Reform der Landbesitzverordnung von 1974, der zufolge nicht registrierter Landbesitz automatisch dem Staat zufällt. Die bisherigen Verfahren, Landbesitz anerkennen zu lassen, sind langwierig, kompliziert und teuer. Gerade für die Mbororo, die weder schreiben noch lesen können, ist es nach geltendem Recht fast unmöglich, in den Besitz von Land zu kommen.

Abstimmung über Hirtengesetz im November

Das kürzlich entworfene Hirtengesetz sieht eine Demarkierung von Weide- und Ackerland vor. Laut Fon Nsoh, dem Vorsitzenden der lokalen Kamerunischen Bewegung für das Recht auf Nahrung, sind im Hirtengesetz die Verfahren für die Einrichtung und Verwaltung der Gemeindeweiden festgelegt. Wie aus Kreisen der Behörde für Nutztiere, Viehzucht und Fischerei zu hören ist, wird das Hirtengesetz dem Parlament im November zur Abstimmung vorgelegt. Sobald es in geltendes Recht überführt ist, haben die Mbororo einen Anspruch auf das Land, das sie seit fast einem Jahrhundert nutzen.

Ursprünglich sind die Mbororo Nomaden, sehen sich im Zuge des Bevölkerungswachstums und der Umwandlung von Weide- in Agrarland aber immer häufiger gezwungen, sesshaft zu werden. Die Vorsitzende der Mbororo-Vereinigung für Kultur- und Entwicklung, Hawe Bouba, weiß nur zu gut, wie schwierig es für ihr Volk ist, sich Landtitel zu verschaffen. Ihr Vater habe dazu 20 Jahre gebraucht, sagt sie. Das Hirtengesetz sei ein großes Glück. "Es ist nicht richtig, die Mbororo, die so lange von ihrem Land gelebt haben, einfach zu vertreiben. Sie kamen, um zu bleiben, und nicht um wegzugehen, wie sich dies einige Leute vorstellen."

Amadou ist zuversichtlich, dass er mit Hilfe des neuen Gesetzes in der Lage sein wird, zumindest einen Teil des Landes zurückzufordern, das er und seine Familie über viele Jahrzehnte genutzt hatten. (afr/IPS)

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