Kamerun: Kaffeeproduzentin mit großen Ideen

Lokale Wertschöpfung soll Renditen von Erzeugern verbessern

Von Ngala Killian Chimtom | 03.08.2017

Yaoundé (IDN/afr). Hermine Tomaino Ndam Njoya leitet einen der größten Kaffeebetriebe in Kamerun. Ihre Farm in Foumban im Westen des zentralafrikanischen Landes erstreckt sich über 150 Hektar. Mit neuen Plänen will sie kamerunischen Kaffee zum Höhenflug verhelfen und gleichzeitig die Einkommen der Produzenten verbessern.

Hermine Tomaino Ndam Njoya will die Kaffeewirtschaft in Kamerun stärken. Dazu setzt sie u. a. auf die Etablierung einer einheimischen Kaffeehauskultur. (Bild: Ngala Killian Chimton/IDN)

Die Unternehmerin ist im Bezirk Noun in der Region West aufgewachsen. Bereits in ihrer Kindheit konnte sie miterleben, wie ihre Eltern die Kaffeefarm mit großer Sorgfalt führten. "Dadurch habe ich mich in den Kaffee verliebt", sagt sie und nimmt wie zum Beweis einen Schluck des aromatischen Getränks.

Die Anfänge der Kaffeeproduktion in Kamerun geht auf die deutsche Kolonialzeit zurück. Erste Anbauversuche lassen sich bis ins Jahr 1884 zurückdatieren. Die Kolonialisten erkannten, dass vor allem das Hochland und das Grasland im Westen ideale Anbaugebiete für Kaffee waren. Seitdem hat Kaffee eine bedeutende Rolle für die kamerunische Wirtschaft gespielt - wenn auch unter sehr wechselhaften Bedingungen.

Um das Jahr 1990 erlebte die Kaffeewirtschaft in Kamerun ihren bisherigen Höhepunkt. 1989 betrug die Kaffeeerzeugung in Kamerun zwei Prozent der Weltproduktion - das Land lag damals auf Platz 12 der größten Kaffeenationen. Im nachfolgenden Jahr wurden 156.000 Tonnen exportiert - ein bis heute unerreichter Rekord.

Politische Fehlentscheidungen

Dann setzte als Folge politischer Fehlentscheidungen ein rapider Rückgang der Produktion und damit auch der Exporte ein. 2015 wurden nur noch 28.000 Tonnen ins Ausland geliefert. In der Rangliste der weltweit größten Kaffeeproduzenten rangiert Kamerun heute nur noch auf Platz 30.

Die Gründe für den Abwärtstrend sind vielfältig. Laut Omer Maledy Gaetan, Geschäftsführer des Cocoa and Coffee Interprofessional Council (CICC), hat die Regierung in den 1990er-Jahren den Sektor liberalisiert und stützende Instrumene wie Subventionen und Preisschutz beseitigt. Die Produktionskosten für die Bauern stiegen an, gleichzeitig verfielen die Marktpreise. Viele Bauern wandten sich vom Kaffeeanbau ab.

Vor allem die für den Anbau notwendigen Betriebsmittel konnten sich viele Landwirte aufgrund der fehlenden staatlichen Unterstützung nicht mehr leisten. "Ohne Dünger, Insektizide, Fungizide und Sprühgeräte war es für die Bauern schwer, ihr Farmen zu erhalten", erzählt der Kaffeebauer Issah Mounde Nsangou.

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Hermine Tomaino Ndam Njoya gab allerdings nicht auf. Sie verstand, dass die Preisschwankungen zyklisch waren. "Ich haben den Bauern geraten, dass sie ihre Farmen behalten sollten", erzählt sie. "Ich sagte ihnen, dass die Preise zwar jetzt am Boden sind, aber wieder steigen werden, weil die Nachfrage nach Kaffee steigen wird."

Ndama Njoya sollte Recht behalten. Bedingt durch die stetig wachsende globale Nachfrage nach Kaffee haben die Weltmarktpreise im Jahr 2015 um sechs Prozent zugelegt. Analysten rechnen damit, dass der Trend anhalten wird. Vor allem der scheinbar unstillbare Durst von Kaffeeliebhabern aus den USA treibt die Preise auf Rekordhöhe.

Einen starken Aufwind verzeichnet der Kaffeekonsum dort vor allem bei jungen Menschen. Laut den Marktforschern von Dataseential in Chicago macht die Altersgruppe von 19 bis 34 Jahren etwa 44 Prozent der Nachfrage in den USA aus. Aber auch in China, Japan und Indien steigt der Kaffeeverbrauch rasant.

Beschleunigt wurde der Preisanstieg aber auch durch den Rückgang der Produktion in Brasilien. Eine anhaltende Dürre in den Anbaugebieten hat beim größten Kaffeeerzeuger der Welt zu hohen Ernteausfällen geführt.

Produzenten bleibt nur ein Bruchteil

Unter normalen Umständen sollten diese Entwicklungen eine gute Nachricht für die kamerunischen Kaffeebauern sein. Allerdings glaubt Ndam Njoya, dass es eine Verschiebung von politischen Prioritäten braucht, um neue Produzenten zu gewinnen. "Es sind die Zwischenhändler, die am meisten profitieren", erklärt sie.

Die Unternehmerin berichtet von einer Forschungsarbeit, die ihre Tochter Amatullah Ndam Njoya durchgeführt hat. In der Untersuchung wurde festgestellt, dass Bauern aus dem kleinen Dorf Kouoptamo im westlichen Kamerun für ein Kilo ungerösteten Kaffee von Zwischenhändler nur 0,64 US-Dollar erhalten.

In der Hafenstadt Douala, die sechs Stunden von Kouoptamo entfernt liegt, wird das Kilo dann um 3,26 US-Dollar an Handelsvertreter verkauft. "Und wenn jemand bei Starbucks in den USA einen schwarzen Filterkaffee im 355-Milliliter-Becher zum Preis von 1,75 US-Dollar kauft, dann liegt der Kilopreis schon bei 24,07 US-Dollar. Das bedeutet, dass kleine Landwirte nur 2,66 Prozent des Endwertes ihres Produktes verdienen."

Kaffeehäuser und Baristas

Hermine Tomaino Ndam Njoya hat konkrete Pläne, um die Situation der Kleinbauern zu verbessern. Sie fordert für die Landwirte einen besseren Zugang zu Marktinformationen, damit die Produzenten die Vorlieben ihrer Endkunden kennenlernen. Damit könnte die Qualität des Kaffees von den Erzeugern selbst besser eingeschätzt werden, wodurch sich Preissteigerungen erzielen lassen würden.

Außerdem fordert sie Barista-Ausbildungen, damit in kamerunischen Cafés perfekter Kaffee serviert werden kann. Sie schränkt aber auch ein, dass eine solche Ausbildung davon abhängt, ob sich in Kamerun überhaupt eine Kultur um den Kaffeekonsum entwickeln ließe.

Ndam Njoya hat hier eine Vorreiterrolle übernommen. Sie hat in der Hauptstadt Yaoundé ein Kaffeehaus gegründet, in dem sie ihre Ideen realisiert: "Wir wollen, dass die Menschen hier alles Wissenswertes über Kaffee erfahren, wie z. B. über Anbaugebiete und Sorten. Es ist wie ein Kaffeemuseum."

Regionalen Absatz fördern

In dem Kaffeehaus vermarktet sie auch ihren eigenen Kaffee und bildet Baristas für die perfekte Kaffeezubereitung aus. "Der Barista kann Ihnen alle Arten von Kaffee servieren - egal ob Espresso, Cappuccino oder Macchiato", sagt sie. Ndam Njoya experimentiert aber auch mit neuen Geschmacksrichtungen. "Wir haben sogar Kaffee mit Ingwer, um dem Getränk einen einzigartigen Geschmack zu verleihen."

Die Unternehmerin ist überzeugt, dass ihr Konzept aufgehen wird. Sie verweist auf das Beispiel Äthiopien, wo 71 Prozent des angebauten Kaffees im Land selbst verbraucht werden. Die lokale Wertschöpfung ermöglicht dort auch für die Produzenten eine höhere Rendite. "Wir haben in unserem Nachbarland Nigeria einen sehr großen Markt, den wir für den Export von bereits verarbeitetem Kaffee nutzen könnten", so Ndam Njoya.

Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg. Lediglich zehn Prozent der kamerunischen Kaffeeproduktion werden vor Ort verarbeitet. Die Regierung hat angekündigt, dass der lokalen Wertschöpfung von Agrarpodukten Priorität eingeräumt soll. Bislang ist es allerdings bei dieser Ankündigung geblieben. (Ende)

Anmerkung: IDN ist die Flaggschiff-Agentur des International Press Syndicate

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