Kamerun: Kaffee für die Welt

Daniederliegender Sektor soll wiederbelebt werden

Von Ngala Killian Chimtom | 18.08.2014

Kouoptomo. Issah Mounde Nsangou streift durch seine 6,5 Hektar große Kaffeefarm in Kouoptomo in der kamerunischen Westregion. Hin und wieder bückt er sich, um das ein oder andere Unkraut zu entfernen. Für den 50-jährigen Bauern genießt das Wohlergehen seiner Kaffeepflanzen höchste Priorität. "Ich will ja schließlich, dass die Ernten wieder gut ausfallen", sagt er.

In Kouoptomo wird traditionell Kaffee angebaut. Doch wie in anderen Teilen des zentralafrikanischen Landes ist die Produktion immer weiter zurückgegangen. Vorbei sind die Zeiten, als Nsangou 4,8 Tonnen Bohnen beziehungsweise 80 Sack Bohnen erntete. Das war zuletzt vor 20 Jahren der Fall gewesen. 2013 war es gerade einmal ein Viertel.

Talfahrt der Kaffeproduktion

Der gesamte Jahresoutput der kamerunischen Kaffeeproduktion belief sich im letzten Jahr auf 16.142 Tonnen – gegenüber 2012, als sich die Ernte auf 38.000 Tonnen belief, war das ein Einbruch um 56 Prozent. Doch auch das Erntevolumen von vor zwei Jahren nimmt sich gemessen am Ertrag von 1986 bescheiden aus. Damals waren es der kamerunischen Kaffee- und Kakaobehörde CICC zufolge stolze 140.0000 Tonnen gewesen.

Kamerun gehörte einst zu den weltgrößten Kaffeeproduzenten, wie CICC-Geschäftsführer Omer Maledy Gaetan betont. "1980 belegten wir den achten, und 1992, als wir den Sektor liberalisierten, den zwölften Platz. Heute sind wir auf den 30. Platz abgerutscht."

Es gibt viele und unterschiedliche Gründe für den Niedergang. Gaetan zufolge sind die Preise für Düngemittel dramatisch gestiegen, seitdem die Regierung in den 1990er Jahren die Subventionen abschaffte und auch den Sektor nicht länger schützte. Der Anstieg der Produktionskosten in Verbindung mit den damals niedrigen Marktpreisen sorgte dafür, dass sich viele Kaffeebauern anderen Anbauprodukten zuwandten.

"Ohne Dünger, Insektizide, Fungizide und Sprühgeräte fiel es vielen Bauern schwer, ihre Kaffeefarmen am Leben zu halten", meint Nsangou. Hinzu kommen auch weitere Schwierigkeiten in Form von unzuverlässigen Niederschlägen und dem Mangel an technischer Hilfe.

Hoffnungsstrahl am Horizont

Angesichts der stetig steigenden Kaffeenachfrage – der Zuwachs liegt bei jährlich drei Prozent – ist Kamerun bestrebt, den Sektor wieder auf Spur zu bringen. Die CICC hat unter dem Namen 'Neue Generation' ein Projekt gestartet, das junge Leute für den Kaffeeanbau begeistern soll, der derzeit von den älteren Bauern am Leben gehalten wird.

Wie Gaetan erläutert, zielt das Programm ausschließlich auf junge Leute ab. "Jedes Jahr führen wir dem Kaffeeanbau rund 200 junge Leute zu, denen wir drei Jahre lang zur Seite stehen. Ab 2015 werden es jährlich 600 Neuzugänge sein. So sind wir guter Hoffnung, den Sektor wieder auf Vordermann bringen zu können. Es ist nicht nur wichtig, die alten Farmen zu modernisieren, sondern den Sektor auch zu verjüngen."

Im Februar hatten die Europäische Union und Kamerun als Teil eines Plans, der Branche neues Leben einzuhauchen, ein Abkommen über 30 Millionen Euro zur Wiederbelebung der kamerunischen Kaffeeproduktion geschlossen. Laut Gaetan wird das bis 2020 laufende Programm dem Sektor aus der Misere helfen und die Kaffeebauern unterstützen. Ziel ist es, in sechs Jahren eine 3.600 Hektar große Kaffeeanbaufläche zu erschließen.

"Die Bauern werden mit der Ausnahme von Arbeitskräften alles von uns bekommen, was sie benötigen", meint Gaetan. Dazu gehörten landwirtschaftliche Inputs ebenso wie Pflanzenschulen und Infrastrukturen, um Verluste nach der Ernte zu vermeiden. In den ersten drei Jahren wird der Schwerpunkt auf der Entwicklung von 2.200 Hektar Land in Upper-Nyong in der Ostregion, dem Küstengebiet und in Noun in der Westregion liegen.

Wertschöpfung soll gesteigert werden

Nach Angaben von Landschaftsminister Essimi Menye kommt dem Kaffeeanbau im nationalen Entwicklungsplan bis 2035 eine wichtige Rolle zu. Er trägt zu rund sechs Prozent zum kamerunischen Bruttoinlandsprodukt und zur Lebensgrundlage von 400.000 Bauern bei. Bis 2015, so Menye, soll Kamerun 120.000 Tonnen Kaffee produzieren.

Doch gilt es auch die Wertschöpfung der Bohnen zu steigern. Bisher werden nach Angaben der CCIC nur fünf Prozent des Kaffees lokal weiterverarbeitet und die Bauern somit um bedeutende Preissteigerungen gebracht. "Die Wertschöpfung ist das Beste, was einem Kaffeebauern im Kaffeesektor passieren kann", meint der Marketing-Direktor der Nord-West-Genossenschaftsvereinigung, einer Bauernkooperative, die Kaffeemarketing betreibt.

"Wenn wir unseren Kaffee weiterverarbeiten, springt für die Farmen automatisch mehr dabei heraus als jetzt. Denn wenn sich ein Kilogramm Pergamentkaffee (die bis zur Pergamenthaut der Bohne entfleischte und fermentierte Kaffeekirsche, Anm.) für 500 CFA (etwa ein US-Dollar, Anm.) verkaufen lässt, können wir den Bauern mindestens 1.500 CFA bezahlen, wenn der gleiche Pergamentkaffee veredelt wurde", berichtet er.

Gaetan hatte unlängst vor Journalisten erklärt, dass es sich für Kamerun lohnt, sich wieder verstärkt dem Kaffeegeschäft zuzuwenden. Alle Untersuchungen wiesen darauf hin, dass die globale Kaffeeindustrie ein durchaus lohnender Sektor sei. (afr/IPS)

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