Kamerun: Gemüse mit Abwässern gedüngt

Bauern betreiben riskanten Anbau

Von Monde Kingsley Nfor | 07.09.2012

Yaoundé. Die Bäuerin Juliana Numfor baut vor den Toren von Kameruns Hauptstadt Yaoundé auf sechs Parzellen Mais, Maniok, Süßkartoffeln, Kohl und Okraschoten an. Der Boden, auf dem sie pflanzt, ist feucht, und in der Nähe fließt ein Bach. Auf den ersten Blick muten die Felder idyllisch an. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der Bach als dunkle Kloake.

Es handelt sich um Abwasser, das aus einem knapp 400 Meter entfernten Studentenviertel in Yaoundé kommt. Ohne das dreckige Nass wäre der Anbau auf dem staatlichen Grund gar nicht möglich. Doch Numfor bringt mit ihren Ernten sich und die Konsumenten in Gefahr.

Wie die Bäuerin erklärt, ist auf den Regen kein Verlass mehr – er komme dann, wann er am wenigsten erwartet werde. "Mein Gemüse wächst auf jedem Boden, der gut bewässert ist. Im August regnet es in Yaoundé für gewöhnlich viel. In diesem Jahr gab es jedoch nur wenig Niederschlag."

Viele Farmer sind in der gleichen Lage und legen ihre Äcker in Gebieten an, in die städtische Abwässer geleitet werden. Genaue Zahlen liegen dazu nicht vor. Das Agrarministerium erklärte aber, diese Praxis sei sehr verbreitet.

In Yaoundé und Umgebung sind viele Äcker zu sehen, die in Naturschutzgebieten, aber auch entlang von Straßen und Eisenbahnstrecken angelegt worden sind. Diese Form von Landwirtschaft gebe es schon länger. Durch Faktoren wie den Klimawandel habe sie sich aber weiter verbreitet, sagte Collette Ekobo, die als Inspektorin im Agrarministerium arbeitet. Sie hat festgestellt, dass die Fruchtbarkeit der Böden durch die Abwässer zugenommen hat, die überdies das ganze Jahr über verfügbar sind.

Klimawandel treibt Bauern in die Städte

Die Zahl der Bauern im Großraum Yaoundé ist deutlich gestiegen, seit in dem zentralafrikanischen Staat immer mehr Menschen aus ländlichen Regionen in Städte abwandern. Viele von ihnen werden durch Klimaveränderungen gezwungen, ihre bisherigen Wohngegenden zu verlassen.

Im vergangenen Jahr begann das Agrarministerium die Bauern über die Konsequenzen des Klimawandels aufzuklären. Auch die Stadt Yaoundé ist betroffen. "Die Regenfälle sind sehr unregelmäßig, gering und unvorhersehbar geworden. Infolgedessen ist es anhaltend trocken und die Flüsse versiegen, während die Temperaturen steigen. Dadurch liefert die Landwirtschaft keine hohen Erträge", berichtete das Ministerium.

Aufgrund des veränderten Klimas könnten viele Farmer nur noch mit Mühe die Pflanzzeit festlegen, sagte Ekobo. "In der Zentralen Region, in der auch Yaoundé liegt, begann das Anpflanzen früher im Monat März – nach Einsetzen der Regenfälle. Da sich die Niederschlagsmuster verändert haben, mussten die Bauern ihre Pflanzzeiten anpassen. Das hat viele von ihnen verunsichert."

Urbane Landwirtschaft ist nach Ansicht von Ekobo inzwischen Teil der Wirtschaft und Ökologie in Kamerun geworden. "Das Land ist reich an Ressourcen wie städtischen Abfällen, die als Kompost genutzt werden, und an Abwässern, die der Bewässerung dienen", sagte Eboko.

Foongang Mathias, der für das Umweltministerium tätig ist, warnte jedoch vor den Risiken bei der Nutzung des Schmutzwassers. "Abwässer enthalten zwar alle notwendigen Nährstoffe für Pflanzen wie Stickstoff und Phosphor, die das Wachstum fördern. Doch Landwirtschaft mit diesem Wasser zu betreiben, birgt Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Umwelt", sagte er. Dies betreffe nicht nur die Bauern, sondern auch diejenigen, die das Gemüse später verzehrten.

Gefahr der Verseuchung durch Giftmüll

Mathias zufolge gelangen nämlich auch die giftigen Abfälle aus Haushalten, Krankenhäusern und Industriebetrieben in die Kanalisation. Dieses Wasser enthält pathogene Keime und Krankheitserreger, die denen in menschlichen Exkrementen ähneln. Die in den Abwässern transportierten Erreger können in den Böden und in den Ackerfrüchten überleben und rufen beim Menschen Krankheiten hervor. Der Weltgesundheitsorganisation liegen Hinweise vor, dass die in Exkrementen enthaltenen Erreger sich so lange in den Ackerböden halten, dass sie die Landarbeiter in Gefahr bringen können.

Numfor ist dennoch davon überzeugt, dass die wirtschaftlichen Vorteile durch diesen Anbau die Risiken wettmachen. Auch künftig will sie ihr Gemüse an Restaurantbesitzer und Händler liefern. Ihre Tageseinnahmen belaufen sich auf umgerechnet durchschnittlich acht US-Dollar täglich. Manchmal verdiene sie aber noch mehr, wenn sie die Ernte an Exporteure liefere, die das Gemüse in die USA und nach Europa verkauften. (afr/IPS)

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