Kamerun: "Fußball ist eine Religion"

Nationalteam kann hohe Erwartungen bei der WM nicht erfüllen

Von Ngala Killian Chimtom | 20.06.2014

Yaoundé Es ist 18.00 Uhr in Yaounde, und auf einer staubigen Straße jagen mehrere Kinder dem Ball hinterher. Ein Junge ist barfuß, ein anderer steckt in ausgetragenen Schuhen und im Trikot der kamerunischen Nationalmannschaft. "Ich will spielen können wie Messi", meint einer der Burschen, der sich als Jack vorstellt. "Ich wie Eto'o", schallt es aus der Runde.

Der Fußballstar Samuel Eto’o, der in der letzten Spielsaison beim britischen 'FC Chelsea' unter Vertrag stand, ist Mannschaftskapitän des kamerunischen Teams 'Lions Indomptables' ('Unbezwingbare Löwen') bei der WM in Brasilien. Kamerun nimmt zum siebten Mal an einer Weltmeisterschaft teil.

Und die Hoffnungen der Fans sind groß. Trotz der Begeisterung für den Fußball verfügt das zentralafrikanische Land gerade einmal über zwei Standard-Fußballstadien. Das eine befindet sich in Yaounde und das andere in Garoua im Norden des Landes. Dennoch geht in Kamerun, in dem 39,9 Prozent der 20 Millionen Einwohner arm sind, die Liebe für den Fußball tief. "Fußball ist hier mehr als ein Spiel, es ist eine Religion", meint der Sportjournalist Fon Echeckiye.

"Immer, wenn wir einem Gegner gegenüberstanden, ging es uns um unser Land", meint Thomas Nkono, ein ehemaliger kamerunischer Torhüter, dem seine akrobatischen Sprünge den Spitznamen 'Schwarze Spinne' eingebracht hatten. "Es war ein gutes Gefühl, zu wissen, dass Millionen Kameruner – ob arm oder reich – ihre Alltagssorgen vergaßen, um ihr Team anzufeuern. Das hat uns sehr motiviert", fügt er hinzu.

"Anblick der Menschen ist mit Geld nicht aufzuwiegen"

Die Mitglieder des derzeitigen Teams denken ähnlich. Am Rande des letzten Vorbereitungsspiels für die FIFA-WM gegen Moldawien am 7. Juni erklärte der Stürmer Achille Webo gegenüber IPS, dass "es zwar stimmt, dass einige von uns, die professionellen Fußball spielen, sehr viel Geld verdienen, doch lässt sich der Anblick dieser Menschen mit Geld nicht aufwiegen. Er ist wirklich motivierend."

Der Schlachtenbummler Ngando Picket war bisher bei jedem Spiel der 'Löwen' dabei. Mit den Jahren hat er mehr als 300 Songs komponiert, um das Team anzufeuern. "Es ist wichtig, dass unsere Jungs wissen, dass ihr Land, ihr Volk hinter ihnen steht. Mit unseren Liedern und Tänzen auf den Tribünen bringen wir sie richtig in Schwung. Das wird auch in Brasilien der Fall sein"

Das 2:2-Aufwärmspiel gegen Deutschland in Mönchengladbach am 1. Juni hat den Fans in Kamerun Hoffnung gemacht, dass ihre Spieler es in Brasilien weit bringen werden. "Ich fühlte mich an das Eröffnungsspiel von 1990 erinnert, als die 'Löwen' die Welt mit ihrem 1:0 gegen den damaligen WM-Titelverteidiger Argentinien überraschten", meint Benjamin Ngah, ein Taxifahrer in Yaounde. "Die Löwen haben dafür gesorgt, dass Kamerun als erstes afrikanisches Land in ein WM-Viertelfinale einziehen konnte. Ich glaube, dass wir qualifiziert genug sind, das erneut zu schaffen, wenn nicht gar noch weiter zu kommen."

Bislang konnte Kamerun bei der WM in Brasilien allerdings die Erwartungen nicht erfüllen. Gegen Kroatien und Mexiko setzte es Niederlagen. Die 'Unbesiegbaren Löwen' müssen daher schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Chance für Rehabilitation bietet aber noch das Abschlussspiel am Montag, 23. Juni. Dabei geht es allerdings gegen den Turnierfavoriten Brasilien. (afr/IPS)

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