Kamerun: Chinesische Fangboote in verbotenen Gewässern

Netze von einheimischen Fischern bleiben immer häufiger leer

Von Ngala Killian Chimtom | 18.01.2017

Limbe (IDN/afr). Am Anlegeplatz der Küstenstadt Limbe holt Henry Maloke ein paar schwarze Welse aus seinem Netz. Obwohl er fast 24 Stunden auf dem Meer war, ist die Ausbeute mager ausgefallen. Früher hat er heute 64-jährige Fischer nur wenige Stunden benötigt, um mit einem vollen Netz zurückzukehren.

In Limbe verkaufen Frauen gegrillten Fisch. In den letzten Jahren sind aber die Fangerfolge deutlich geschrumpt, die Frauen klagen über schwere Umsatzeinbußen. (Bild; Ngala Killian Chimtom/IDN)

Die Fischereierträge haben sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. "Chinesische Fischer holen alles raus und lassen unsere Gewässer leer zurück", schimpft Maloke. Nachdenklich wirft er einen Blick raus auf den Atlantik. "Es ist eine Katastrophe."

Der wachsende Appetit auf Fisch und Meeresfrüchte hat die chinesischen Trawler vor die Küsten in West- und Zentralafrika getrieben. Zwischen 1990 und 2010 legte der Fischkonsum in China im Schnitt um sechs Prozent pro Jahr zu, Analysten rechnen für die nächsten Jahre mit noch höheren Zuwachsraten.

Die steigende Nachfrage hat bereits zu schrumpfenden Fischbeständen im Südchinesischen Meer geführt. Häufig kommt es dort zu Konflikten zwischen Fangflotten aus den unterschiedlichen Anrainerstaaten. Viele chinesische Fischtrawler weichen deshalb auf die afrikanische Atlantikküste aus, wo sie weniger Wettbewerb vorfinden und kaum Gegenwind zu befürchten haben.

Anzahl der chinesischen Fischtrawler explodiert

Ein Bericht der Umweltorganisation Greenpeace aus dem Jahr 2015 dokumentiert einen dramatischen Anstieg der chinesischen Fischereiaktivitäten in Afrika während der letzten 30 Jahre: Wurden im Jahr 1985 gerade einmal 13 Boote gezählt, so umfasste die chinesische Fangflotte im Jahr 2013 bereits 462 Schiffe.

Einheimische Fischer kommen immer häufiger mit leeren Netzen zurück. Betroffen von der Misere sind aber auch Frauen, die mit den Fängen ein bescheidenes Einkommen erwirtschaftet haben.

Céline Enanga betreibt in Limbe seit 25 Jahren einen Fischgrill - das Geschäft lief lange Zeit gut. In den letzten Jahren seien aber die Umsätze stark gesunken, beklagt Enanga. "Vor 15 Jahren habe ich mit dem Verkauf von gegrillten Fischen pro Tag bis zu 60.000 CFA (ca. 91 Euro) verdient, heute sind es nur noch 15.000 (ca. 23 Euro)."

Illegale Aktivitäten in geschützten Küstenabschnitten

Laut Walters Adu Ndi, dem regionalen Vertreter des Ministeriums für Viehbestand, Fischerei und Tierindustrie, halten sich viele chinesische Boote nicht an die Regeln. Es gäbe keine Probleme, wenn diese ihre Aktivitäten auf internationale Gewässer beschränken würden. "Aber sie sind in unsere Hoheitsgewässer vorgedrungen und nutzen alle möglichen Ausflüchte, um sich einer Strafverfolgung zu entziehen", meint der Beamte.

Adu Ndi erklärt, dass ein Streifen mit einer Breite von drei Seemeilen (5.556 Meter) vor der Küste geschütztes Gebiet sei: "Dieser Bereich ist für traditionelle Fischer reserviert und soll den Meereslebewesen als nachhaltiges Refugium für ihre Reproduktion dienen."

Allerdings gäbe es wiederholt Beschwerden, dass chinesische Fischkutter immer wieder die verbotenen Gewässer befahren würden. "Dabei fangen sie alles, was sie erwischen", so Adu Ndi, "das ist eine zerstörerische Ausbeutung unserer Fischbestände."

Der Kommandant des Flottenstützpunktes in Limbe, Lt Col. Emmanuel Sone Ngonge, bestätigt die Vorwürfe. Allein im Juli 2016 wären sechs Fischtrawler aus China bei illegalen Fangfahrten aufgegriffen worden.

Auch bei Greenpeace kennt man die Praxis: In ihrem Bericht von 2015 erwähnt die Organisation 74 Fangboote , die unter chinesischer Flagge in geschützten Küstenstreifen gefischt hätten.

Die kamerunische Regierung jedenfalls will dem Schwinden der Fischbestände nicht länger tatenlos zu sehen. Neben der entschiedenen Bekämpfung der Piratenfischerei propagiert sie im ganzen Land die Errichtung von Aquakulturen.

"Es gibt unterschiedliche Techniken für die Fischzucht", sagt Divine Ngala Tombuh, der im Ministerium für Viehbestand, Fischerei und Tierindustrie den Bereich Aquakultur verantwortet. Tombuh verweist auf das riesige Potenzial von vier Millionen Hektar Binnengewässer. Diese könnten dafür genutzt werden, die entstandenen Defizite auszugleichen. Derzeit müsse Kamerun nämlich pro Jahr 200.000 Tonnen Fisch aus dem Ausland importieren. (Ende)

Anmerkung: IDN ist die Flaggschiff-Agentur des International Press Syndicate.

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