Guinea: 'Schwimmender Reis' in Flutgebieten

Neue Sorte bringt höhere Ernten hervor

Von Moustapha Keita | 03.07.2012

Conakry. In der Region Dinguiraye im Nordosten des westafrikanischen Staates Guinea pflanzen immer mehr Bauern Reis an. Trotz häufiger Überschwemmungen ist es einer Kooperative gelungen, mit Hilfe einer neuen Reissorte den Anbau erfolgreich voranzutreiben und bessere Ernten einzufahren.

Der 150 Hektar große Agrarbetrieb in Bambadala etwa 15 Kilometer von der Stadt Dinguiraye entfernt wird von dem 39-jährigen Bauern Saidou Nour Thiam und seinen beiden Brüdern geführt. Die Flachlandregion, in der hauptsächlich Landwirtschaft und Viehzucht betrieben werden, gehört zu den am stärksten von Trockenheit betroffenen Teilen Guineas.

Jährlich fällt dort im Durchschnitt nicht mehr als 1.500 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Ab dem Monat August kommt es allerdings häufig auch zu heftigen Unwettern, die Überflutungen hervorrufen. In manchen Gebieten halten die starken Niederschläge bis in den November hinein an.

Auf den Reisfeldern von Bambadala ist deutlich sichtbar, welche Schäden das Hochwasser anrichtet. Die letzten Überschwemmungen gab es im vergangenen Oktober, als der Tinkisso und seine Nebenflüsse über die Ufer traten. Auch die großen Regenmengen, die auf die Reisfelder niedergingen, hinterließen Spuren.

Gute Erfahrungen mit flutresistentem Reis

Um die Schäden in Grenzen zu halten, hat Thiam eine Reissorte ausgesucht, die gegen Überflutung resistent ist. "Wir nutzen den 'schwimmenden Reis', eine Varietät, die auch bei Hochwasser eine gute Ernte einbringt", erklärte er. Dieser Reis könne nach sechs bis sieben Monaten geerntet werden. Pro Hektar kämen durchschnittlich zwei Tonnen Rohreis (Paddy-Reis) zusammen. In Dinguiraye lebt Thiam seit 1999, nachdem er vergeblich versucht hatte, als Immigrant in Europa Fuß zu fassen.

Raphaël Yombouno von der Agrarbehörde der Präfektur betreut die Bauern in Dinguiraye. "Wir raten ihnen zur Verwendung von Reis, der in tiefem Wasser gedeihen kann. Wenn der Wasserspiegel ansteigt, werden auch die Halme länger. "Ein weiterer Vorteil gegenüber herkömmlichen Reissorten liege auch in der besseren Ernte. Andere Varietäten brächten im Durchschnitt weniger als eine Tonne Rohreis pro Hektar ein.

Thiam und seine Brüder setzen einen alten Traktor für die Feldbestellung und die Aussaat ein. Das Mähen und Ernten ist dagegen Aufgabe von Helfern, die für umgerechnet etwa einen US-Dollar am Tag auf den Feldern arbeiten. Die Ernte wird jedes Jahr im November eingefahren.

"Wir verwenden keine chemischen Düngemittel", sagte Thiam. "Um die Produktionskosten zu senken, stellen wir selbst organischen Dünger aus Tierdung, so genannten Guano, her." Wie Yombouno erklärte, sind die Böden in dem Gebiet seit Jahrzehnten so stark beansprucht, dass ihnen zusätzliche Nährstoffe zugeführt werden müssten.

Der Agrarminister von Guinea, Jean Marc Telliano, hält eine autarke Nahrungsmittelversorgung in dem Land nur dann für erreichbar, wenn die Produktion vor Ort deutlich erhöht wird. Denn bisher fehlen jährlich 300.000 bis 420.000 Tonnen Getreide.

Thiam sieht unterdessen Schwachstellen bei der Vermarktung des Reises. "Die Mittel der von den Behörden geschickten Einkäufer reichen nicht aus, um die gesamte Ernte in Bambadala von insgesamt schätzungsweise 285 Tonnen Reis im Jahr abzunehmen", sagte er. "Wir sind daher gezwungen, den Rest auf informellen Wegen abzusetzen."

Laut Thiam erreichen die Einnahmen seines Betriebs nach der Ernte jährlich etwa 95.000 Dollar. Davon können die drei Brüder und ihre Familien gut leben, den Schulbesuch ihrer Kinder finanzieren und den Rest auf ein Sparkonto einzahlen.

Bauern haben kaum Zugang zu Darlehen

Madani Tall, ein ehemaliger Bauer aus Dinguiraye, beklagt sich hingegen über den Mangel staatlicher Subventionen. "Für die Bauern gibt es nichts", kritisierte er. Zudem sei es für sie schwierig, Kredite zu beantragen. Das Nischendasein behindere die Entwicklung von Dinguiraye. Umso löblicher sei der Einsatz der Bauern in Bambadala für den Reisanbau.

Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) und das Agrarministerium unterzeichneten 2010 ein Abkommen im Rahmen eines staatlichen Förderprogramms für Agrarproduzenten, das im Südosten und im Norden Guineas umgesetzt wird.

"Dinguiraye, das im Nordosten liegt, kann keinen Nutzen aus dem IFAD-Programm ziehen", sagte Alpha Bah, der Vorsitzende der Bauernvereinigung von Bambadala. Er hofft, dass es eine zweite Projektphase geben wird, während der die bestehenden Lücken geschlossen werden können. (afr/IPS)

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