Ghana: Sheabutter sichert Frauen Lebensunterhalt

Doch Holzkohleproduktion gefährdet den Baumbestand

Von Albert Oppong-Ansah | 23.07.2014

Tamale. Der Karité- oder Sheabutterbaum, dessen Früchte in der Schokoladen- und Kosmetikherstellung verwendet werden, bietet Frauen in mehreren Regionen Ghanas eine wichtige Einnahmequelle. Das Überleben der Spezies ist aber gefährdet, da viele Bäume gefällt und zu Holzkohle verarbeitet werden.

Schätzungsweise 90.000 Frauen im Norden des westafrikanischen Staates sind im Sheabuttersektor tätig. Eine von ihnen ist die 40-jährige Alima Asigri aus der Ortschaft Bagrugu im Bezirk Karaka. Während der Hauptreifezeit von April bis August sammelt sie die Früchte und produziert in einer Woche durchschnittlich zehn Kilogramm der an den Vitaminen A, E und F reichen Butter, die unter anderem zum Kochen und zur Herstellung von Körpercremes verwendet wird.

Von den jährlichen Einnahmen in Höhe von rund 400 Dollar bestreitet die Familie ihren Lebensunterhalt und das Schulgeld für die Kinder. Ghana verdient an dem Wirtschaftszweig jährlich etwa 18 Millionen US-Dollar.

Mittlerweile wird der Sheabutterbaum jedoch zunehmend zur Herstellung von Holzkohle verwendet. "Auch wir fällen die Bäume und verarbeiten sie zu Holzkohle", berichtet Asigri. "Das Geschäft mit der Holzkohle läuft gut. Die Kunden sind überzeugt, dass die Qualität der Holzkohle aus Butterbäumen besser ist. Außerdem ist Holzkohle preisgünstiger als Flüssiggas (LPG)."

Holzkohle auch in den Städten gefragt

Aus dem von der Weltagrarorganisation FAO veröffentlichten Bericht 'Woodfuel Use in Ghana: An Outlook for the Future' geht hervor, dass etwa 69 Prozent aller Haushalte in den Städten Holzkohle zum Kochen und Heizen verwenden. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch wird mit etwa 180 Kilo beziffert. Dem Report zufolge werden landesweit jährlich rund 700.000 Tonnen Holzkohle verfeuert, ein Drittel davon in der Hauptstadt Accra.

Feuerholz trägt in dem westafrikanischen Land zu etwa 71 Prozent der Primärenergie- und zu 60 Prozent der Endenergieversorgung bei. Schätzungsweise 2,2 Millionen Haushalte hängen von Holzkohle ab, etwa 600.000 Kleinunternehmen greifen auf Holzkohle und Holz als Hauptenergiequelle zurück.

Der Baumbestand des Landes wird dadurch deutlich dezimiert. Iddi Zakaria, Koordinator vom unabhängigen 'Shea Network Ghana' (SNG), erinnert sich noch gut daran, wie vor ungefähr 40 Jahren der gesamte Bezirk Salaga in der Nördlichen Region von Sheabutterbäumen bedeckt war.

"Früher war es tabu, Sheabutterbäume zu fällen. Man brauchte eine Genehmigung. Heute ist aber alles anders", sagt Zakaria. Laut einer kürzlich verbreiteten Studie des Forschungsunternehmens 'Savanna Alliance', unterliegen Sheabutter-, Dawadawa- und Baobabbäume nicht den vom Staat verfügten Beschränkungen, die die Nutzung von Waldressourcen regeln sollen.

"Das Versagen von Politik und Institutionen, die Sheabutterbäume zu schützen, hat dazu geführt, dass sie beliebig zu Energieholz und Holzkohle weiterverarbeitet werden", kritisiert Zakaria. Die Regierung müsse dringend die Gesetze reformieren, um den Schutz der kostbaren Ressource zu gewährleisten.

Ebenezer Djaney Djagletey, der Direktor der Forstkommission für die Nördliche Region, bestätigt, dass der Sheabutterbaum nicht auf der offiziellen Liste der geschützten Baumarten steht. Er weist darauf hin, dass vier Fünftel der in Säcken verkauften Holzkohle aus dem Holz von Sheabutterbäumen und ein Fünftel aus dem Holz von Neem- und Dawadawa-Bäumen hergestellt werden.

Gasherde für die Dörfer

Um die Menschen in Ghana von der Nutzung von Holzkohle und anderen Feuerhölzern abzuhalten, will die Regierung nun im Rahmen eines LPG-Förderprogramms 50.000 Gaszylinder und Kochherde in ländlichen Regionen verteilen. Laut Energieminister Armah Kofi Buah sind bislang 1.500 Zylinder ausgeliefert worden.

Collins Kyei Boafoh von der internationalen Entwicklungsorganisation ACDI/VOCA befürchtet jedoch, dass die Initiative aufgrund der steigenden Flüssiggaspreise erfolglos bleiben wird. "Auch stellt sich die Frage, wer die Gaszylinder nachfüllt, wenn sie leer sind", sagt er. "Eine Nachfüllung kostet etwa 3,60 Dollar, und nur wenige Menschen in ländlichen Gebieten können sich das leisten. Daher werden sie wieder auf Holz und Holzkohle zurückgreifen."

Boafoh ist der Meinung, dass es sinnvoller wäre, Frauen bei der Herstellung von Seife aus Sheabutter zu unterstützen, in Verarbeitungsanlagen für Sheabutter zu investieren und Preisgarantien zu gewährleisten.

Alima Asigri käme eine solche Unterstützung gelegen. Sie weiß natürlich, dass der Einschlag der Sheabutterbäume ihre Existenz bedroht. "Ich sehe, wie rasch die Bestände schwinden", sagt sie. Auf die Einnahmen aus der Butterherstellung ist sie jedoch dringend angewiesen. Mit staatlichen Fördermitteln könnte sie das Holzkohlegeschäft aufgeben. (afr/IPS)

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