Ghana: Radeln für eine nachhaltige Entwicklung

Bambus-Fahrräder auch in Europa gefragt

Von Portia Crowe | 03.09.2012

Kumasi. In Ghana, wo ein fortschreitendes Wirtschaftswachstum von Verkehrsstaus und Smog begleitet wird, könnten Fahrräder aus Bambusholz ein Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung werden. Die vielen Vorteile der alternativen Bikes haben eine österreichische Firma veranlasst, die Bambus-Fahrradrahmen in Europa zu vermarkten.

Die unabhängige Initiative 'Bamboo Bikes' bringt jungen Ghanaern bei, wie man die Holzrahmen baut und vermarktet. "Wir kümmern uns darum, dass Frauen, Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können. Das Projekt reduziert die CO2-Emissionen und das Verkehrsaufkommen, deshalb ist es auch ein Mittel im Kampf gegen den Klimawandel", sagte die Geschäftsführerin der Initiative, Bernice Dapaah.

'Bamboo Bikes' arbeitet zusammen mit Ibrahim Djan Nyampong, dessen Unternehmen 'Africa Items' in Accra die Bambusrahmen im Ausland für jeweils 350 US-Dollar verkauft. Die Produktionskosten belaufen sich auf knapp 200 Dollar. Nyampong, der 'Bamboo Bikes' auch technischen Rat gibt, zahlt seinen Lehrlingen zusätzlich 30 Dollar pro Rahmen.

"Die Bambusrahmen halten länger als Metallrahmen", beschreibt er die Vorteile. Sie könnten praktisch nicht kaputtgehen. Ein Test in Deutschland habe zudem ergeben, dass die Rahmen zehn Mal leichter seien als die aus Metall und großen Belastungen standhielten. Die Dehnbarkeit von Bambus sei wesentlich größer als bei Stahl.

Bambus dämpft Erschütterungen

Bambus federt zudem Erschütterungen besser ab. Vibrationen werden gedämpft, so dass die Rahmen keine zusätzlichen Federn aus Stahl oder Titan benötigen. "Der Bambus wird gegen Splittergefahr und Termiten behandelt, deshalb ist er so stark", berichtet Nyampong.

Nach drei- bis sechsmonatiger Vorbereitung wird der Bambus verarbeitet und mit einer Klarlackschicht imprägniert. Diese Faktoren haben den internationalen Marktwert der Rahmen erhöht. 'BambooRide', eine österreichische Firma, hat damit begonnen, sie für den Verkauf in Europa zu importieren.

"Zuerst haben wir die Rahmen gemeinsam mit Nyampong entwickelt, weil sie gut waren. Sie mussten aber auch europäischen Standards entsprechen", sagt Matthias Schmidt, der Verkaufsleiter von 'BambooRide'. "Es war ein Wissenstransfer in beide Richtungen."

Der österreichische Importeur kauft mittlerweile zehn Rahmen pro Monat. Schmidt hofft auf eine weitere Expansion der Initiative. "Die Kapazitäten sind begrenzt. Wenn wir mehr Rahmen brauchen, benötigen wir andere Quellen. Auf jeden Fall unterstützen wir Dapaahs Bemühungen, die Ausrüstung und die Technologie zu verbessern."

Bambus an Stelle von Metall zu verwenden, ist nicht zuletzt gut für die Umwelt. Nach Angaben von Dapaah ist Bambus vor Ort verfügbar. Ghana spart sich somit die Materialimportkosten und vermeidet somit die beim Transport entstehenden CO2-Emissionen.

Bambus ist organisch und wiederverwertbar. Anders als Metall kann es ohne großen Energieaufwand beschafft werden. Dapaah zufolge trägt die Initiative zur ökologischen Nachhaltigkeit bei, indem die Rahmenproduzenten mit lokalen Bauern zusammenarbeiten. "Wenn wir einen Bambus abschneiden, stellen wir sicher, dass mindestens vier oder fünf weitere angepflanzt werden", sagt sie.

Außerdem tragen die Bambusräder dazu bei, eine Fortbewegungsalternative zu motorisierten Fahrzeugen zu schaffen. Für Isaac Osei, den Regionaldirektor der ghanaischen Umweltbehörde, ist dies ein wichtiger Punkt. "Das Verkehrsaufkommen im Land nimmt allgemein zu, und dies verursacht immer Umweltprobleme", erklärt er.

Wirtschaftswachstum erhöht Verkehrsdichte

In Ghana kommen auf 1.000 Einwohner 30 Kraftfahrzeuge. Die Fahrzeugzulassungsstelle registriert jeden Tag Hunderte neuer Fahrzeuge. Statistiken lassen darauf schließen, dass das Rekordwachstum des Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts die Zahl der Autos weiter in die Höhe treiben wird. Mit 402,3 Dollar verzeichnete das Land 2011 das höchste Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt ganz Westafrikas.

Osei nennt die bekannten Auswirkungen des Autoverkehrs – etwa den Kohlendioxid-Ausstoß und die Verschmutzung durch Staubpartikel. "Ich denke, es tut dem Land und der ganzen Welt gut, die Menschen vom Auto aufs Fahrrad steigen zu lassen", erklärt er. Indem Jugendlichen technische Fertigkeiten vermittelt werden, zielt die Initiative auch auf die Reduzierung von Arbeitslosigkeit und Armut in ländlichen Regionen ab.

"Bis jetzt habe ich zehn Jungen ausgebildet", berichtet Nyampong. 'Bamboo Bikes' will außerdem Lehrlingen mit Abschluss ermöglichen, andere junge Leute zu trainieren.

2009 gewann 'Bamboo Bikes' den 'Clinton Global Initiative Award' und ein Jahr später den 'United Nations Environment Programme Seed Initiative Award'. Ein 'World Business and Development Award' auf dem UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro verschaffte dem Projekt in diesem Jahr weitere Aufmerksamkeit. (afr/IPS)

| Tags: , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus