Ghana: Klimaversicherungen für Kleinbauern

Automatische Messstationen registrieren wetterbedingte Ernteeinbußen

Von Albert Oppong-Ansah | 01.08.2013

Tamale. Der Kleinbauer Mustapha Simbia hat allen Grund zur Freude. Er profitiert von der Einführung des Ghanaischen Landwirtschaftsversicherungsprogramms (GAIP), das Farmer in dem westafrikanischen Staat vor wetterbedingten Ernteeinbußen schützt. Die Zahlungen aus der Versicherung basieren auf den Daten von automatischen Messstationen.

Dem Programm verdankt der 40-Jährige Simbia eine Entschädigungszahlung, die er für den Ankauf von Land verwendete. Auf diese Weise konnte er seine Anbaufläche auf 2,4 Hektar verdoppeln.

Die Bauern zahlen zu Beginn jeder Pflanzzeit ein Zehntel der Saatgut-Gesamtkosten in das GAIP ein. Wenn es an zwölf aufeinander folgenden Tagen nicht regnet, beginnt sich die Versicherung für sie zu rechnen.

Im zweiten Jahr nach der Einführung des Programms haben aufgrund der Dürre im Norden Ghanas 136 Kleinbauern Entschädigungen von GAIP erhalten. Die genauen Auszahlungsbeträge sind zwar nicht bekannt, doch fest steht, dass sie sich an der jeweiligen Größe der Felder und den Investitionen der Farmer bemessen. Durchschnittlich könnten Bauern, die für einen halben Hektar Land umgerechnet etwa 150 US-Dollar in Düngemittel und andere Agrar-Inputs investieren, je nach Auswirkungen des Wetters zwischen 200 und 300 Dollar vom GAIP erwarten.

Automatische Wettermessstationen

Das Funktionieren des Programms hängt von Wetterstationen ab, die täglich Klimadaten wie Windstärke, Regenmenge, Luftfeuchtigkeit und Temperaturen registrieren. GAIP nutzt Daten von Wetterstationen, um zu ermitteln, wann Bauern durch das Klima geschädigt werden. Die Zahlungen werden auf der Grundlage dieser Daten geleistet.

Laut der für GAIP tätigen Agrometeorologin Evelyn Debrah bewahrt die Initiative Bauern vor hohen Zusatzkosten bei extremen Wetterlagen und ermöglicht es ihnen, unmittelbar nach einem Katastrophenfall die Produktion fortzusetzen. "Wenn beispielsweise an mehr als zwölf aufeinanderfolgenden Tagen nicht mehr als 2,5 Millimeter Regen in einem Radius von 20 Kilometern um eine Wetterstation fallen, erhalten die Versicherungsnehmer automatisch eine Erstattung", erklärt Debrah.

Die Bundesregierung finanziert die Initiative durch ein Projekt für innovative Versicherungsprodukte zur Anpassung an den Klimawandel, das im Rahmen einer privaten Partnerschaft zwischen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der nationalen Versicherungskommission und des Ghanaischen Versicherungsverbandes umgesetzt wird.

Simbia macht sich allerdings Sorgen, ob genügend Bauern in der Lage sein werden, sich für das Versicherungsprogramm registrieren zu lassen. Bisher können dies nur diejenigen tun, die ihren Anbau in der Nähe der 18 Wetterstationen betreiben. "Ich befürchte, dass viele Bauern, vor allem im Norden des Landes aufgrund fehlender Wetterstationen das Programm nicht nutzen können", warnt er. In den vergangenen vier Jahren waren mehrere Regionen des Landes von Dürre betroffen. Dadurch gingen die Ernten von Mais, Reis und Yams stark zurück.

Regenmengen seit Jahren rückläufig

Daten der ghanaischen Behörde für Meteorologie (GMet) belegen, dass die Niederschläge im Land längst unter den noch vor rund zehn Jahren üblichen Durchschnitt von 6,55 Millimeter gesunken ist. Laut Mathias Fosu vom Savanna-Agrarforschungsinstitut hat der Klimawandel die Regenfälle im Norden des Landes erheblich beeinträchtigt.

Aus Studien des Instituts geht hervor, dass die Niederschläge mittlerweile zwischen 800 Millimetern und 1.600 Millimetern variieren. In Tamale, der Hauptstadt der ghanaischen Nordregion, lässt der derzeitige Trend eine leichte Abnahme der Niederschläge zwischen 1960 und 2100 vermuten, so Fosu. Eine von dem Welternährungsprogramm WFP und der ghanaischen Regierung im vergangenen Jahr durchgeführte Untersuchung in 38 Distrikten in der Nord-, Oberen West- und Oberen Ostregion habe gezeigt, dass in diesen Gebieten große Nahrungsunsicherheit herrsche.

Die Studie mit dem Titel 'Umfassende Analyse über Ernährungssicherheit und Anfälligkeit' stellte fest, dass 140.000 von 680.000 Befragten nicht sicher mit Nahrung versorgt werden. Die meisten Haushalte werden von Frauen geführt, mehrheitlich Witwen. Ihre missliche Lage wird auf die Armut und schlechten landwirtschaftlichen Erträge zurückgeführt. Diese werden wiederum mit Ernterückgängen, unproduktiven Böden und einem begrenzten Zugang zu Düngemitteln und Wasser in Verbindung gebracht.

Der Report empfahl höhere Investitionen in Anpassungsmaßnahmen, um die Agrarproduktion zu unterstützen und widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Simbia ist der Ansicht, dass GAIP und die Regierung die Reichweite der Initiative ausweiten sollte, damit alle 50 Distrikte in den drei nördlichen Provinzen eingeschlossen würden.

GAIP soll Investitionen ankurbeln

Debrah wies allerdings darauf hin, dass die Zahl der Wetterstationen bereits gestiegen sei. "In den vergangenen zwei Jahren hat die GIZ insgesamt 36 automatische Wetterstationen für GMet gekauft und installiert, damit GAIP seine Dienstleistungen für Bauern erweitern kann." Fünf weitere Stationen wurden im Rahmen eines von der US-Behörde für internationale Entwicklung geförderten Programms finanziert.

Wie die GAIP-Expertin weiter berichtet, will die Initiative ein breites Spektrum an Versicherungsdienstleistungen entwickeln, unter anderem die Auszahlung von Entschädigungen, wenn Regen während der Hauptanbauzeit ausfällt. "Die Banken werden wahrscheinlich mehr Geld bereitstellen, wenn das Ausfallrisiko durch lokal relevante Versicherungsprodukte gemindert wird. Der Versicherungsschutz wird Bauern besseren Zugang zu Krediten verschaffen und Investitionen im Agrarbereich fördern." (afr/IPS)

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