Ghana: Grüne Startups zeigen auf

Vorzeigeunternehmen setzen auf nachhaltige Geschäftsideen

Von Franck Kuwonu, Africa Renewal* | 20.08.2019

Accra (AR/afr). Jugendliche sind die treibende Kraft für Maßnahmen zum Schutz von Klima und Umwelt. Das war die Botschaft, die an die Delegierten der "Africa Climate Week" im März 2019 in Ghanas Hauptstadt Accra gerichtet wurde. Unter den Teilnehmern waren afrikanische Startups, die mit ihren Ideen die Welt retten wollen.

Bambusräder aus der Werkstatt der "Ghana Bamboo Bikes Initiative" in Kumasi (Bild: Ghana Bamboo Bikes Initiative, Africa Renewal)

Die diesjährige "Africa Climate Week" war eine von drei jährlichen regionalen Wochen zum Klimaschutz, die im Vorfeld des UN-Klimagipfels in New York am 23. September 2019. Die beiden anderen Konferenzen fanden in Brasilien und Thailand statt.

Etliche Teilnehmer an der "Africa Climate Week" haben Startups ins Leben gerufen, die sich mit dem Klimawandel befassen, die Umwelt schützen und Arbeitsplätze schaffen.

Drei innovative Unternehmen, die während der Klimawoche vorgestellt wurden, stammen aus Ghana: "Koliko Wear" aus Sekondi-Takoradi im Südwesten des Landes recycelt Altstoffe zu modischen Schuhen. Die "Ghana Bamboo Bikes Initiative" in Kumasi setzt auf das ökologische Potenzial von Bambus zur Fertigung von Fahrrädern. Und das Geschäftsmodell von "Coliba Ventures" motiviert zum Sammeln von Plastikmüll.

Franck Kuwonu von "Africa Renewal" hat mit Gründern dieser drei Unternehmen gesprochen.

Koliko Wear: Modisches Schuhwerk aus gebrauchten Materialien

"Ich bin von Beruf Banker, aber jetzt bin ich Schuster", sagt Peter Kweku Anowie, Mitgründer von Koliko Wear. Das Unternehmen stellt Schuhe aus alten Jeans, Möbelüberzügen, Bettwäsche, Jutesäcken und dem Gummi von kaputten Autoreifen her.

Der Wechsel vom Bankgeschäft zum Unternehmertum passierte durch Zufall. "Ich komme aus Takoradi im Westen Ghanas", erzählt Anowie. "Eines Tages traf ich einen Freund, dessen Geschäft als Schuhmacher gerade zusammenbrach. Ich sagte ihm, ich könnte helfen, indem ich einen kleinen Geldbetrag in sein Geschäft investiere, damit er weiterarbeiten kann."

Später erkannte Anowie, dass sich das Schuhmachen auszahlt. "Ich bemerkte, dass es ein cooles und kreatives Geschäft ist", sagt er. "Ich gab einfach meinen Bank-Job auf, um mich ganztägig der Schuherzeugung widmen zu können."

Außerdem war es Anowie ein Anliegen, Jugendlichen als Vorbild zu dienen: "Ich kann ihnen nun zeigen, wie sie finanziell unabhängig werden und etwas in Gang bringen, um ihren Lebensstandard zu verbessern."

Nach drei Jahren am Markt beschäftigt das Unternehmen heute ein Dutzend Mitarbeiter. "Ich bin sehr glücklich, weil ich sehe, dass wir andere Leute in der Herstellung von Schuhen ausbilden können", meint Anowie. "Sie verdienen nicht nur Geld für sich selbst, sondern sie können sich auch um ihre Freunde und ihre Familie kümmern."

Ghana Bamboo Bikes Initiative: Gefragte Fahrräder aus Bambus

"Wie können wir unser lokales Rohmaterial am besten nutzen, um ein integratives Geschäftsmodell zu schaffen - ein Unternehmen also, das soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme bekämpft?" Das war die Frage, die sich Bernice Dapaah vor der Gründung der "Ghana Bamboo Bikes Initiative" (GBBI) stellte. Das Unternehmen, das vor zehn Jahren in Kumasi gegründet wurde, beschäftigt heute 50 Mitarbeiterinnen - darunter vor allem Frauen.

Die handgefertigten Fahrräder kosten je nach Ausfertigung zwischen 150 und 300 US-Dollar pro Stück. "Wir produzieren verschiedene Fahrradtypen", erklärt Dapaah. "Wir haben Fahrräder für Männer und für Frauen, wir bauen aber auch Mountainbikes, Straßen- und Stadtfahrräder sowie Lastenräder, mit denen Landwirte ihre Waren befördern können."

Im Jahr 2018 stellte das Unternehmen etwa 1.000 Fahrräder her, wobei die Produktion im Laufe der Jahre stetig gesteigert wurde. "Wir erhoffen uns noch in diesem Jahr weiteres Wachstum", sagt Dapaah. "Wir erweitern gerade unsere Werkstatt und bilden mehr Jugendliche in der Produktion aus."

Die Fahrräder bestehen in der Regel zu 75 bis 80 Prozent aus Bambus. In den kommenden Jahren will das Unternehmen außerdem Elektroräder herstellen, die u. a. auch zum Krankentransport und als Fahrradtaxis dienen sollen.

Coliba Ventures: Mit Plastikmüll Wohlstand schaffen

"Den Mitarbeitern ist nicht immer bewusst, dass es Hunderte von Jahren dauert, bis sich Kunststoffe im Erdreich zersetzen", erklärt Wisdom Kafui Honu, Mitgründer von Coliba Ventures. Die Auswirkungen würden erst später sichtbar werden, meint er. Dann allerdings sei der Schaden so groß, dass er sich nicht mehr kontrollieren ließe.

Deshalb setzt Coliba Ventures alles daran, Plastikmüll zu sammeln und einer Wiederverwertung zuzuführen.

Der Auslöser für Honus Geschäftsidee war eine persönliche Tragödie: "Es war im Juni 2015. Ich war mit einem Freund an einer Straßenkreuzung verabredet, aber ich war zu spät dran. Als es zu regnen begann, wurde der Kreuzungsbereich schnell geflutet. Es entstand ein tödlicher Strom, der Häuser und Autos zerstörte. Zahlreiche Passanten ertranken in der Flut."

An diesem Tag wurden 50 Menschen getötet, unter den Opfern befand sich auch Honus Freund. Auslöser für die Katastrophe war das Abwassersystem, das durch Plastikmüll verstopft war.

Nach dem Verlust seines Freundes sei er zunächst am Boden zerstört gewesen, erinnert sich Honu. Dann aber entschloss er sich, das wachsende Müllproblem zu bekämpfen, und gründete Coliba Ventures.

Das Unternehmen bietet ein Belohnungssystem für das Sammeln von Müll. Plastiksammler erhalten Gutscheine für Benzin oder Guthaben für das mobile Internet. "Wir sagen den Leuten: Geben Sie uns Ihren Plastikmüll, und wir geben Ihnen einen Gutschein, um Ihr Auto zu tanken."

Für Menschen, die mit weniger als fünf US-Dollar pro Tag ihr Auslangen finden müssen, ist auch eine Barablöse möglich. Die auf diese Weise gesammelten Kunststoffe werden an Recycling-Unternehmen verkauft.

Laut der Umweltschutzbehörde von Ghana werden jährlich rund 2,58 Millionen Tonnen Kunststoffe importiert, von denen 73 Prozent im Müll landen. Nur 0,1 Prozent des Abfalls werden recycelt. "Wir müssen anfangen, den Trend irgendwie zu aufzuhalten", sagt Honu. Es werde lange dauern, gesteht er ein. Allerdings solle sein Freund nicht umsonst gestorben sein. (Ende)

*Der Autor ist Redakteur bei unserem Partnermagazin "Africa Renewal" der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist in der Ausgabe August - November 2019 (*.pdf) erschienen.

| Tags: , , , , ,

icon Sagen Sie uns Ihre Meinung!