Ghana: Bessere Bambus-Produkte dank Know-how aus China

Handwerker lernen neue Techniken und erzielen bessere Einkommen

Von Jamila Akweley Okertchiri und Martin Sturmer | 04.12.2018

Kumasi/Salzburg (IPS/afr). China ist seit Jahren der größte Handelspartner afrikanischer Staaten. Auch in der Entwicklungszusammenarbeit spielt Peking eine zunehmend wichtige Rolle. In Ghana etwa vermitteln chinesische Experten ihr Wissen in der Verarbeitung von Bambus.

Experten von ICBR in Peking zeigen ghanaischen Handwerkern, wie sie bessere Produkte aus Bambus herstellen. (Bild: Jamila Akweley Okertchiri/IPS)

China ist vom Empfänger westlicher Entwicklungshilfe zu einem der wichtigsten Geberstaaten geworden. Detaillierte Zahlen werden von der Regierung nicht bekannt gegeben. Doch nach Berechnungen des US-Forschungsinstituts AidData belief sich die gesamte chinesische Auslandshilfe in den Jahren von 2000 bis 2014 auf 354,4 Milliarden US-Dollar.

Der Hauptanteil floss nach Angaben von AidData allerdings in kommerzielle Projekte. Der klassischen Entwicklungshilfe konnten nur 81,1 Milliarden Euro zugerechnet werden. Sieben der Top-10-Empfängerländer befanden sich demnach in Afrika: Äthiopien (3,7 Mrd. US-Dollar), Simbabwe (3,6 Mrd.), Kamerun (3,4 Mrd.), Nigeria (3,1 Mrd.), Tansania (3,0 Mrd.) und Ghana (2,5 Mrd.).

Bambus gegen den Waldschwund

Ein aktuelles chinesisches Projekt im westafrikanischen Ghana ist die Ausbildung von Handwerkern, die von der Herstellung von Produkten aus Bambus und Rattan leben. Yaw Owiredu Mintah ist einer von 100 Teilnehmern an dem 30-tägigen Training in Ejisu, einer Kleinstadt bei Kumasi. Obwohl Mintah seit den 1980-er Jahren Gegenstände wie Tische und Körbe aus Bambus fertigt, gesteht er unumwunden ein: "Ich muss meine Fähigkeiten und Designs verbessern, weil wir alle die gleichen Sachen herstellen."

Die Möbelindustrie in Ghana ist unter Druck geraten. Im Zeitraum von 1950 bis 2000 hat der westafrikanische Staat 60 Prozent seiner Waldfläche verloren. Seit Beginn des neuen Jahrtausends liegt die jährliche Abholzungsrate bei drei Prozent.

Bambus steht für ein Umdenken. Die schnell wachsende Pflanze aus der Familie der Süßgräser findet in Ghana ideale Bedingungen vor. Auf etwa 300.000 Hektar - ca. fünf Prozent der Waldfläche - wächst wilder Bambus.

In der Verarbeitung von Bambus und Rattan sind in Ghana etwa 4.000 Menschen beschäftigt. Unter den Bäumen entlang der Hauptstraßen gibt es eine Vielzahl von Handwerkern, die hauptsächlich Körbe und Möbel herstellen. Allerdings sind ihre Werkzeuge häufig veraltet - darunter leidet die Vielfalt und die Qualität der Produkte.

Ausbildung durch chinesische Experten

Für das Training sind Mitarbeiter des "International Centre for Bamboo and Rattan" (ICBR) von Peking nach Kumasi gereist. Die Bambus-Experten sollen dazu beitragen, dass die ghanaischen Handwerker hochwertige Produkte herstellen und damit ihren Lebensunterhalt verbessern.

Laut Dai Honghai, Direktor der Auslandsabteilung der ICBR, sollen die Schulungen Fortschritte bei der Handhabung des Rohstoffs erzielen sowie die Kreativität und die Innovationsfähigkeit der Teilnehmer fördern. Außerdem soll der Einsatz moderner Werkzeuge zur Verbesserung der Produktqualität führen.

"Es wird erwartet, dass dieses Training eine starke Wirkung auf den Markt und die Vermarktung der Bambus- und Rattan-Produkte haben wird", erkärt Honghai. Die Produktion soll sich in Zukunft an internationalen Standards orientieren und damit den Export ankurbeln.

Insgesamt werden von den Teilnehmern 150 verschiedene Produkte hergestellt, die am Ende des Kurses in einer Ausstellung präsentiert werden. Darunter befinden sich etwa Blumenständer, Couchtische und Stühle. Der Schwerpunkt bei der Verarbeitung des lokal verfügbaren Rohstoffs. In Ghana wurden sieben verschiedene Arten von Bambus gezählt.

Bambus-Zentrum für Accra

Die Zusammenarbeit zwischen China und Ghana wird von der Internationalen Bambus- und Rattan-Organisation (INBAR) unterstützt, die sich auf eine bilaterale Süd-Süd-Zusammenarbeit konzentriert.

Das Projekt verfolge auch langfristige Ziele, meint Michael Kwaku, Direktor von INBAR Ghana. Er betont, dass Bambus und Rattan aufgrund ihres schnellen Wachstums enorme Umweltvorteile haben und sich daher bestens für die Wiederaufforstung entwaldeter Gebiete eignen.

Der nächste Schritt soll daher die Errichtung eines Produktions- und Schulungszentrums in Accra sein, so Kwaku. Diese wird von der ghanaischen Regierung mit Finanzmitteln aus China errichtet werden.

Yaw Owiredu Mintah ist von der Initiative begeistert: "Eine Sache, die ich aus dem Training mitgenommen habe, ist die Anwendung von einfachen Werkzeugen für ein perfektes Finish. Wie Sie wissen, liegen die Schönheit und der Wert eines Produkts in seiner Endbearbeitung." (Ende)

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