Gabun: Bedrohte Wälder

Personalpolitik eines Holzunternehmens löst Proteste aus

Von Ngala Killian Chimtom | 25.03.2015

Mbomao. In Gabun hat sich ein Holzunternehmen durch die Entlassung von drei Dutzend Mitarbeitern den Unmut von Gewerkschaften, Umweltschützern und zivilgesellschaftlichen Organisationen zugezogen. Im Vordergrund des Konflikts stehen die miserablen Arbeitsbedingungen. Zugleich hat die Kontroverse eine Debatte über die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Waldschutz ausgelöst.

Lope National Park, GabonDer Holzreichtum im Nationalpark Lopé ist durch zunehmende Einschlagaktivitäten gefährdet (Bild: jbdodane, CC BY-ND 2.0). 

Im Fadenkreuz der Kritik steht die Firma 'Rain Forest Management' (RFM), an der malaysische Investoren beteiligt sind. Sie hat in Mbomao in der Provinz Ogooué-Ivindo im Nordosten Gabuns 38 festangestellte Arbeitnehmer gefeuert. RFM gehört zu einer Reihe von Betrieben, die die reichen Urwälder Gabuns ausbeuten. Holz ist nach Öl der zweitwichtigste Devisenbringer des zentralafrikanischen Landes.

Die RFM-Holzfabrik liegt östlich von Libreville inmitten der drei Nationalparks Lopé, Crystal Mountain und Ivindo. Das Parkareal ist nur ein kleiner Teil des Gebiets, das laut WRI zur Entwicklung freigegeben wurde. Die 2008 gegründete Firma RFM produziert Fenster und Türen für den Lokalmarkt und exportiert halbfertige Produkte nach Asien, Europa und Nahost. Die Firma beschäftigt 700 Menschen.

In dem Konflikt zwischen RFM und den Holzarbeitern ging es unter anderem um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. So sollen die Arbeitnehmer zu überlangen Schichten gezwungen worden sein und ihre Löhne verspätet erhalten haben. Darüber hinaus beschwerten sie sich über Ratten, Kakerlaken und Schlangen in ihren Unterkünften.

Nach Angaben der Gewerkschaft ENSYTG hatte RFM Verhandlungen mit den Arbeitnehmern verweigert und die Mitarbeiter bedroht, die an Gewerkschaftstreffen teilnehmen wollten. Nach einer Vielzahl von Einschüchterungsversuchen habe RFM die Beschäftigten mit Hilfe der Polizei von dem Gelände entfernen lassen. Zur Begründung hieß es, sie hätten gegen Betriebsregelungen verstoßen.

Rechtsverstöße

Wie der ENSYTG-Vorsitzende Léon Mébiame Evoung gegenüber IPS erklärte, hatten die Arbeiter vergeblich ihre grundlegenden Rechte und die Einrichtung einer von kompetenten Gesundheitsexperten geführten Apotheke gefordert.

Die Entlassungen zogen eine Lawine von Protesten nach sich. In- und ausländische Gewerkschaften inklusive die der Bau- und Holzarbeiter (BWINT) versuchen nun mit Hilfe einer Online-Petition die Rückkehr der entlassenen Holzarbeiter zu ihren Arbeitsplätzen zu erreichen.

Marc Ona Essangui, Gründer der Umweltorganisation 'Brainforest' und Vorsitzender von 'Environment Gabon', einem Netzwerk aus zahlreichen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), erklärte in einem Interview mit IPS, dass diese "grobe Unterdrückung" von Arbeitsrechten nicht hinnehmbar sei.

"Ich protestiere entschieden gegen die Entlassung der Beschäftigten, die mit den Streikaktionen der Betroffenen in einem Zusammenhang steht", betonte er. "Sie verstoßen gegen die Konventionen 87 und 98 der Internationalen Arbeitsorganisation über die Versammlungsfreiheit und das Recht, Kollektivverhandlungen aufzunehmen."

Zusammen mit anderen Umweltschützern in der Region macht sich Essangui Sorgen über den Verlust der gabunischen Wälder. Doch die Regierung und internationale Geber betrachten die Holzausbeutung als einen wichtigen Beitrag zur marktwirtschaftlichen Entwicklung des Landes.

"Obwohl Gabuns Wälder oftmals als relativ unbeschädigt und als großes Potenzial für eine nachhaltige Holzproduktion beschrieben werden, steht außer Frage, dass die industrielle Waldwirtschaft innerhalb des derzeitigen politischen Rahmens die Zukunft der Wälder und den Artenreichtum des Landes bedroht", warnt 'Forests Monitor', eine Hilfsorganisation für Menschen, die von den Wäldern abhängen.

Mehr Wälder geschlagen als nachwachsen können

Die NGO weist darauf hin, dass das Ausmaß der Holzproduktion bereits oberhalb der offiziellen Einschlagsnachhaltigkeitsgrenze liegt und zulegt. Dadurch werde der wichtige Beitrag, den die Einnahmen der Forstwirtschaft für die Landesbevölkerung und die Anrainer der Einschlagsgebiete bedeuten, gefährdet.

Auf der Website des 'World Resources Institute' (WRI) ist zu lesen, "dass nirgendwo sonst der Druck (auf die Waldressourcen, Anm.) größer ist als in Gabun, wo 80 Prozent des Territoriums von dichtem tropischem Regenwald bedeckt sind". Dem WRI zufolge muss die Regierung ihre Waldmanagementplanung verbessern, soll Gabun zu einem Schwellenland werden, das seine natürlichen Ressourcen zu schützen wisse.

Seit dem Exportverbot für Holzstämme im November 2009 ist die Produktion von weiterverarbeitetem Holz beträchtlich gestiegen. Wie aus einem WRI-Bericht 'A First Look at Logging in Gabon' hervorgeht, der von sieben gabunischen Umweltgruppen verfasst worden ist, verfügt Gabun zwar über riesige Waldressourcen, die aber von zunehmenden Einschlagsaktivitäten bedroht werden. Gabuns Wälder könnten dem Land nachhaltige Einnahmen ermöglichen, ohne die natürliche Funktionsweise der Ökosysteme zu beeinträchtigen, heißt es in dem Report. (afr/IPS)

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