Ernährung: Mit Reis aus der Armut

Afrikanische Länder wollen Abhängigkeit von Importen reduzieren

Von Busani Bafana | 08.03.2016

Cotonou. Reis ist nach Mais der zweitwichtigste Kalorienlieferant für die Bevölkerung in Subsahara-Afrika. Für das 'Africa Rice Center' in Cotonou im westafrikanischen Benin sind die Getreidekörner der Schlüssel in der Armutsbekämpfung. Allerdings wird derzeit in Afrika weit mehr Reis gegessen als angebaut. Durch die starke Urbanisierung wächst der Reiskonsum jährlich um sechs Prozent.

Forschungsassistentin Blance Soussous zeigt Packungen mit Parboiled-Reis (Bild: Busani Bufana/IPS).

"Reis ist für die Ernährungssicherheit in Afrika enorm wichtig", sagt der stellvertretende Generaldirektor des Africa Rice Centers, Marco Wopereis. "Die Nachfrage nach Reis ist riesig und kommt vor allem daher, dass immer mehr Menschen in den Städten ihre Nahrungsmittel einfach lagern und rasch zubereiten wollen. Reis ist für diese Zwecke einfach perfekt geeignet."

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO schätzt die globale Produktion für geschliffenen oder weißen Reis derzeit auf 491 Millionen Tonnen pro Jahr. Prognosen zeigen aber, dass die Weltbevölkerung in 25 Jahren zusätzlich 110 Millionen Tonnen an geschliffenem Reis verbrauchen wird. Ein Drittel dieses Zuwachses geht dabei auf das Konto von Afrika.

Afrika kann nur 60 Prozent der Nachfrage decken

Reis wird in 40 von 54 afrikanischen Ländern angebaut und gilt als Hauteinnahmequelle von 35 Millionen Kleinbauern. Dennoch können afrikanische Produzenten derzeit nur 60 Prozent der Nachfrage decken. In Summe müssen die Länder des Kontinents jährlich 12,5 Millionen Tonnen Reis im Wert von fünf Millionen US-Dollar importieren. Dieser Wert entspricht nahezu einem Drittel der weltweiten Reiseinfuhren und macht Afrika zum größten Reisimporteur der Welt.

Allerdings beginnt sich die Situation allmählich zu verändern, sagt Wopereis. Der Niederländer ist überzeugt, dass die Getreidekörner in Afrika einen Ausweg aus der Armut bedeuten können. Der Strategieplan von Africa Rice für die Jahre von 2011 bis 2020 rückt daher die Ertragserhöhung und Qualitätsverbesserung von afrikanischem Reis in den Vordergrund. "Nach 2008 haben wir einen gewaltigen Anstieg in der Produktion erlebt", meint Wopereis. "Die Ausbeute konnte bis zum Jahr 2012 um 30 Prozent erhöht werden, das bedeutete im Durchschnitt einen Ertrag von 2,1 Tonnen pro Hektar."

Wopereis betont, dass es Investitionen durch öffentliche und private Sektoren benötigt, um die Reisproduktion in Afrika anzukurbeln. "Wenn wir die Produktion nicht erhöhen, muss immer mehr importiert werden. Das führt uns letztendlich wieder in eine Krise wie im Jahr 2008."

Die Nahrungsmittelkrise im Jahr 2008 hatte Regierungen, Hilfsorganisationen und Gebernationen aufgerüttelt. In den Folgejahren wurde in ambitionierte Produktionsprogramme investiert, die zur erwähnten Ertragssteigerung geführt hat.

Neue Reissorten gegen den Klimawandel

Im Februar haben sich mehr als 200 Forscher, Geschäftsleute und Regierungsvertreter aus 20 afrikanischen Ländern zu einer Bestandsaufnahme in Cotonou getroffen. Dabei gab es erste Anzeichen, dass Afrika den Weg aus der Reisabhängigkeit schaffen kann.

Africa Rice hat vor drei Jahren sieben Reissorten entwickelt, die unter dem Namen ARICA ('Advanced Rice Varieties for Africa') vermarktet werden. Diese Sorten haben sich als besonders tolerant gegen Überflutungen, Salze, Eisentoxizität und Kälte erwiesen. Im Vergleich zu der bereits in den 1990-er Jahren entwickelten Züchtung NERICA ('New Rice for Africa') zeichnen sich die ARICA-Sorten auch durch einen höheren Ertrag aus.

Moussa Sie, ein langjähriger Züchter in Dienst von Africa Rice, sieht durch die ARICAs völlig neue Möglichkeiten. Er glaubt, dass die Produktion um mindestens 40 Prozent gesteigert werden kann. Dazu sei die Züchtung weiterer Sorten notwendig, die auf die Bedürfnisse der Reisbauern und die klimatischen Bedingungen abgestimmt sind. "Wir arbeiten an neuen Sorten, die noch robuster gegenüber den Bedrohungen des Klimawandels sind", sagt Sie. "Denn Reis wird in erster Linie von armen Kleinbauern angebaut, die auf solche Sorten angewiesen sind."

Africa Rice untersucht derzeit in einer Studie, was es braucht, damit Afrika bis ins Jahr 2025 nicht mehr auf Reisimporte angewiesen ist. Die finanziellen Investitionen dafür werden auf 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Darüber hinaus benötigt es ein verbessertes Bodenmanagement, die Vermeidung von Ertragslücken und – dort wo möglich – doppelte Ernten. (afr/IPS)

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